Ratgeber

Haftung bei Auffahrunfall? Auch Langsamfahren bringt Ärger

imago59744058h.jpg

Ja, man kann auch zu langsam unterwegs sein.

(Foto: imago stock&people)

Wer rast, hat bei einem Unfall Mitschuld - auch wenn es kein Tempolimit gibt. Das ist bekannt. Doch was gilt im umgekehrten Fall, also zum Beispiel dann, wenn ein Fahrer mit nur 38 km/h auf der Autobahn entlangkriecht?

Auch wer langsam fährt, kommt irgendwann ans Ziel. Das gilt auch für Autobahnen. Nur: Manchmal wird Bummelei zum Problem. Nämlich dann, wenn ausgeprägtes Langsamfahren einen Unfall verursacht. Und prompt entsteht dann ein Streit darüber, wer bei einem derart verursachten Auffahrunfall zahlen muss. Grundsätzlich gilt ja: Wer auffährt hat schuld. Aber ist das wirklich immer so?

Das hatte jetzt das Oberlandesgericht (OLG) Brandenburg zu entscheiden (Az.: 12 U 121/15). In dem Fall fuhr ein Mann auf der Autobahn 38 km/h, als ihm ein Lkw-Fahrer hinten auffuhr. Folglich stritten die Parteien vor Gericht vor allen Dingen darum, warum der Mann so langsam fuhr. Dieser behauptete, vor ihm sei ein Transporter plötzlich eingeschert, so dass er bei einem Tempo von 120 km/h hat abbremsen müssen. Allerdings gab er auch an, er habe lediglich sachte beziehungsweise mäßig abgebremst.

Die Ausführungen des Langsamfahrers erschienen dem OLG wenig glaubhaft. Denn wenn der Fahrer tatsächlich nur langsam abgebremst hätte, würde dies nicht die Geschwindigkeit von 38 km/h erklären. Dafür hätte er abrupt abbremsen müssen.

Infolgedessen wurden beide Fahrer zu einer Haftung zu gleichen Teilen verurteilt. Denn "die Autobahn dient dem Schnellverkehr", so das Gericht. Mit einer solch niedrigen Geschwindigkeit müssten nachfahrende Kraftfahrer nicht automatisch rechnen. Deshalb trägt auch das eigentliche Unfallopfer eine Mitschuld. Das auch dem auffahrenden Lkw-Fahrer eine 50-prozentige Schuld zugesprochen wurde, begründete das Gericht damit, dass er nicht habe entkräften können, den Sicherheitsabstand nicht ausreichend eingehalten zu haben. Denn grundsätzlich müsse man auch auf der Autobahn damit rechnen, dass das vorausfahrende Fahrzeug aus verkehrsbedingten Gründen verlangsamt oder abbremst. 

Hier finden Sie eine günstige Rechtsschutzversicherung

Quelle: ntv.de, awi