Bearbeitungszeit SteuererklärungDas ist das schnellste Finanzamt - und dies das langsamste

Während Steuerzahlern eine Frist für die Abgabe ihrer Steuererklärung gesetzt ist, darf sich das zuständige Finanzamt bei der Bearbeitung Zeit lassen. Abgesehen davon gibt es große Unterschiede bei den Behörden der Bundesländer. Wo geht es schnell, welches Amt trödelt?
Wer freiwillig eine Steuererklärung abgibt, hat dafür bis zu vier Jahre Zeit. Steuerzahler, die verpflichtet sind, beim Finanzamt eine Erklärung über ihre erzielten Einkünfte abzugeben, müssen diese für das Steuerjahr 2025 bis zum 31. Juli 2026 einreichen. Wenn ein Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein hilft, verlängert sich die Frist bis zum 2. März 2027.
Aber egal, welche Frist individuell gilt, viele Bürger ärgern sich, dass sie die lästige Pflicht innerhalb starrer Fristen zu erledigen haben, während sich die Finanzämter bei der Bearbeitung Zeit lassen dürfen.
Das Steuererklärungsportal Lohnsteuer-kompakt.de wollte wissen, welches Finanzamt in Deutschland im vergangenen Jahr das schnellste oder aber das langsamste gewesen ist. Die Analyse basiert auf über einer Million anonymisierten Steuererklärungen, die über das Portal erstellt wurden. Insgesamt wurden die Bearbeitungszeiten von mehr als 482 Finanzämtern ausgewertet, die mindestens 50 Steuererklärungen bearbeitet haben.
Bremen am langsamsten, Berlin am schnellsten
Ergebnis der Untersuchung: Im Ländervergleich glänzt Berlin mit der kürzesten durchschnittlichen Wartezeit von 46,3 Tagen, gefolgt von Hamburg (46,9), Sachsen (47,1), Hessen (48,4) und Bayern (48,7). Im Vorjahr führte Hamburg mit 45,5 Tagen die Rangliste an.
Am anderen Ende der Skala liegt Bremen, wo Steuerpflichtige im Schnitt 74,3 Tage auf ihren Steuerbescheid warten mussten. Im Brandenburg dauerte die Bearbeitung 57,9 Tage und im Saarland 56,7.
Insgesamt haben sich - wie auch schon 2024 - die Bearbeitungszeiten vieler Finanzämter verkürzt. Und dieser Trend setzte sich 2025 fort. Ein Grund dafür dürfte sein, dass digitale Prozesse zunehmend Wirkung zeigen und für effizientere Abläufe sorgen. Die Auswertung zeigt klar: Viele Finanzämter arbeiten heute deutlich schneller als noch vor einigen Jahren. In der Spitze reichen inzwischen drei bis vier Wochen bis zum Steuerbescheid. Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer bundesweit liegt bei 50,2 Tagen und hat sich somit, wenn auch wenig, erneut verbessert.
Dass die Unterschiede trotzdem groß bleiben, hat mehrere Gründe. Dazu gehören unter anderem die personelle Ausstattung der Finanzämter, der Digitalisierungsgrad und die Anzahl komplexer Steuerfälle. Auch unvollständige Steuererklärungen sorgen oft für Rückfragen und verlängern damit automatisch die Bearbeitungszeit.
Wartezeit von fast drei Monaten
Das schnellste Finanzamt Deutschlands ist übrigens das von Zwiesel mit Außenstelle Viechtach (Bayern) mit durchschnittlich nur 28,4 Tagen. Das Schlusslicht bildet das Finanzamt Calau in Brandenburg mit 80,4 Tagen. Noch langsamer ist das Finanzamt Berlin International (90,4 Tage). Das beschäftigt sich allerdings mit der Besteuerung bestimmter beschränkt steuerpflichtiger Personen und der Umsatzbesteuerung bestimmter ausländischer Unternehmer.
Steuerpflichtige, die wissen wollen, wie lange sie voraussichtlich auf ihren Steuerbescheid warten müssen, können die aktuelle Bearbeitungszeit ihres Finanzamtes hier einsehen.