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Balkonnutzung 24/7 Das sollten Mieter wissen

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Ist der Balkon gut einsehbar, sollten Sonnenanbeter nicht zu freizügig sein

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Das Zusammenleben in einem Mietshaus erfordert Rücksichtnahme von allen Parteien. Das gilt insbesondere für die Nutzung des Balkons, die grundsätzlich rund um die Uhr gestattet ist. Zur Wahrung des Haussegens gibt der Deutsche Mieterbund wertvolle Tipps.

Der Balkon gehört mit zur gemieteten Wohnung. Mieter können ihn grundsätzlich rund um die Uhr nutzen. Allerdings ist insbesondere in den späteren Abendstunden Rücksicht auf die Nachbarn im Haus zu nehmen, erklärt der Deutsche Mieterbund (DMB) in Berlin.

Das Aufstellen von Stühlen, Bänken, Liegen, Tischen oder eines Sonnenschirms gehört zu den selbstverständlichen Rechten des Mieters, wenn es um die Balkonnutzung geht. Dennoch kommt es häufig zum Streit. Ein Überblick:

Blumen

Blumenkästen dürfen am Geländer des Balkons angebracht werden. Allerdings müssen die Blumenkästen unbedingt ordnungsgemäß befestigt werden. Mieter haben sicherzustellen, dass sie auch bei starkem Wind nicht hinabstürzen können und so Passanten gefährden. Darüber informiert der Mieterbund. Das ungesicherte Abstellen von Topfpflanzen auf dem Balkongeländer ist dagegen verboten. Der Vermieter kann derartiges Verhalten abmahnen; wenn der Mieter nicht reagiert, kann er das Mietverhältnis sogar kündigen.

Eventuell herabfallende Blüten oder Blätter müssen die unter dem Balkon wohnenden Mieter im Regelfall dulden. Anders ist das nur, wenn der Balkonbewuchs so umfangreich ist, dass er zu einer erheblichen Belästigung der Nachbarn führt. Knöterich muss beispielsweise zurückgeschnitten werden, wenn er über die Balkonbrüstung wuchert. Mieter können auch ein Rankengitter anbringen, müssen aber darauf achten, dass die Kletterpflanzen das Mauerwerk nicht beschädigen. Auch Blumenkübel dürfen auf dem Balkon aufgestellt werden.

Sichtschutz

Kein Mieter muss zwingend auf einem frei einsehbaren Balkon sitzen. Aber bei der Balkonverkleidung hat er nicht unbedingt die freie Wahl. Grundsätzlich muss der Sichtschutz zum Stil des Hauses passen. Der Vermieter darf also vorschreiben, welche Farbe und welchen Stil eine Verkleidung haben soll. Das gilt aber nur, wenn das Gesamtbild der Wohnanlage wirklich einheitlich ist, erklärt Volker Rastätter vom Münchner Mieterverein. "Wenn bereits jeder Nachbar einen anderen Sichtschutz hat, dürfen Mieter für ihren Balkon Farbe und Material frei wählen."

Markise

Wann immer ein Mieter bauliche Veränderungen plant, gilt: "Er muss vorher den Vermieter um Erlaubnis fragen", sagt Happ. Denn beschädigt er die Fassade, macht er sich schadenersatzpflichtig. Das gilt auch für die Montage von Markisen. Sollte auf dem Balkon die Sonneneinstrahlung aber stark sein, kann der Mieter einen Anspruch auf eine Markise haben, erklärt Happ und verweist auf ein Urteil des Amtsgerichts München (Az.: 411 C 4836/13).

Blumenkästen

Mieter dürfen sie grundsätzlich am Balkon montieren. Der Vermieter kann aber verlangen, dass man Tontöpfe und Blumenkübel auf der Innenseite befestigt. "Mieter sollten sie sturmsicher befestigen, damit sie bei einem Unwetter keinem auf den Kopf fallen können", empfiehlt Rastätter. Passiert doch etwas, weil der Mieter fahrlässig gehandelt hat, greift meist die private Haftpflichtversicherung, erklärt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Satellitenschüssel

Auch dafür brauchen Mieter die Zustimmung vom Vermieter. "Erfahrungsgemäß bekommt man sie oft nicht", sagt Rastätter. Sogar vor Gericht ziehe kaum noch das Argument, dass man etwa seinen ausländischen Heimatsender sehen will. "Denn in den meisten Fällen ist dies auch über das Internet möglich." Ob man dieses Angebot nur kostenpflichtig nutzen kann, spiele dabei keine Rolle. Alternativ können Mieter die Satellitenschüssel mit einem Fuß auf den Boden stellen.

Pflanzen

Blumen für den Balkon können Mieter sich frei aussuchen. Allerdings gibt es Pflanzen, bei denen der Vermieter sein Veto einlegen kann. Rankender Wein oder Efeu zum Beispiel sind nicht ohne Weiteres zulässig. Der Grund: "Die Pflanzen können die Fassade oder die Wand beschädigen", sagt Gerold Happ. Hängepflanzen sind hingegen wiederum kein Problem. Vorausgesetzt, sie sind sicher angebracht und beeinträchtigen nicht die Sicht des Nachbarn.

Grillen

Wenn im Mietvertrag Grillen ausdrücklich verboten ist, müssen sich Mieter daran halten - sonst riskieren sie eine Abmahnung oder Kündigung. Doch auch ohne ausdrückliches Verbot im Vertrag, müssen Mieter unter Umständen darauf verzichten - etwa wenn der Qualm in die Nachbarwohnung zieht. "Der Geruch und Rauchwolken können die Nachbarn stören", erklärt Rastätter. Ausnahme: Man lebt ganz oben und hat eine Dachterrasse. Denn wenn der Dunst nach oben abzieht, wird keiner beeinträchtigt - somit kann sich auch keiner beschweren.

Sonnenbaden

Je höher die Temperaturen steigen, umso weniger haben manche auf ihrem Balkon an. Doch Vorsicht: Jeder hat ein anderes Schamgefühl. "Ist der Balkon gut einsehbar, sollten Sonnenanbeter nicht zu freizügig sein", gibt Happ zu Bedenken. Denn fühlt sich jemand berechtigt gestört, droht unter Umständen ein Ordnungsgeld.

Feiern

Partys auf dem Balkon oder der Terrasse sind im Sommer beliebt. Mieter sollten aber die Ruhezeiten einhalten - also ab 22 Uhr entweder in die Wohnung gehen oder Gespräche nur noch auf Zimmerlautstärke führen, rät Rastätter. Wie so oft gilt auch hier: Wo kein Kläger ist, gibt es auch keinen Richter. "Mieter sollten sich an das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme halten", rät Rastätter. "Oft hilft auch ein offenes Gespräch mit den Nachbarn", sagt der Jurist. So könne man viel Ärger vermeiden.

Quelle: n-tv.de, awi/dpa

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