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Feuer, Fleisch und Bier Wo darf man eigentlich grillen?

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Beim Grillen in der Öffentlichkeit ist Vorsicht geboten.

imago/Ralph Peters

Das Brutzeln unter freiem Himmel soll ja die Produktion von Glückshormonen anregen. Bei Nachbarn erhitzt der Kult dagegen mitunter das Gemüt und sorgt so vermehrt für freie Radikale. Ungeachtet dessen: Grillen ist längst nicht immer und überall erlaubt.

Feuer, Fleisch, Freunde und Bier - das war es auch schon. Für viele sieht so der perfekte Abend aus. Psychologen versuchen seit Langem, den Kult um das Grillen zu entschlüsseln. Ein Erklärungsmodell sieht den Mann am Grill in seiner steinzeitlichen Rolle als klassischer Versorger der Familie bestätigt. Demnach geben ihm glühende Kohlen und eine zünftige Grillzange den nötigen Halt, um bei der verwirrenden Diskussion um Geschlechterrollen nicht ins Straucheln zu geraten. Mag sein.  

Eine andere Erklärung wäre, dass durch den Duft des Grillfleisches, das sanfte Abendlicht und das Beisammensein mit Freunden und Familie vermehrt das Glückshormon Serotonin ausgeschüttet wird. Auch das kann stimmen. Vielleicht liegt es aber auch ganz schnöde am erhöhten Promillepegel der Brutzel-Fans. Denn für die meisten von ihnen gehört das eine oder andere Bierchen zum Grillen zwingend dazu.

Grillfreunden wird es letztlich Wurst sein, was die Sorgen des Alltags in Rauch aufgehen lässt. Allzu sorglos sollten sie hingegen nicht die Grillkohle schüren. Denn Grillen ist längst nicht immer und überall erlaubt. Womit wir beim eigentlichen Thema wären. Und beim Ärger mit den Nachbarn.

Viel Rauch um nichts?

Denn diese können nicht immer die Freuden der Brutzler teilen und so landen etliche daraus resultierende Streitereien vor Gericht. Eine einheitliche Rechtsprechung zum Thema gibt es allerdings nicht. Klar ist nur, das Wohlergehen der Mitmenschen darf nicht beeinträchtigt sein. Analog dazu urteilen Richter übrigens auch bei Qualmentwicklungen anderer Art: dem Rauchen. Für beide Formen gilt, dass die Verwendung der jeweiligen E-Variante helfen kann, Streit zu vermeiden.

Wer sich damit nicht begnügen mag, darf per Gerichtsbeschluss mitunter gar nicht mehr oder nur zu bestimmten Zeiten grillen. So gibt es Urteile, wonach das Grillen etwa 20 bis 25 Mal pro Jahr für circa zwei Stunden und bis maximal 21.00 Uhr zulässig ist (Az.: 3 C 14/07). Oder aber nur zweimal im Monat zwischen 17.00 und 22.30 Uhr (Az.: 6 S 2/02). Ein anderes Gericht erlaubt hingegen, viermal jährlich bis 24.00 Uhr den Grill anzuwerfen (Az.: 13 U 53/02). Sowohl Mieter als auch Eigentümer sind im jeden Fall gut beraten, das Gebot der nachbarschaftlichen Rücksichtnahme zu achten.

Mietern kann das Vergnügen auch im Mietvertrag ausdrücklich verboten sein. Bei Zuwiderhandlung droht ansonsten eine Abmahnung oder Kündigung. Wer nun meint, seiner Leidenschaft dann eben anderswo zu frönen, sollte vorsichtig sein. Denn Grillen in der Öffentlichkeit ist nur an dafür vorgesehenen Orten erlaubt. Meist herrscht beispielsweise in Grünanlagen ein generelles Grillverbot. Bei Missachtung droht ein Ordnungsgeld. In manchen Parks oder Naherholungsgebieten gibt es hingegen öffentliche Grillplätze - infrage kommende Fleckchen sind entsprechend beschildert. Hier kann nach Herzenslust Fleisch verbrannt werden. Die Schwierigkeit dürfte bei schönem Wetter eher darin liegen, einen freien Grillplatz zu finden.

Gesunder Menschenverstand gefragt

Wer nun weiter weg strebt, um sich jeglicher Konkurrenz zu entledigen, muss besonders auf der Hut sein. So sollte beispielsweise eine fremde Wiese nicht für das Vergnügen missbraucht werden. Denn entsteht durch das Grillen ein Schaden auf dem fremden Grundstück, ist der Verursacher schadenersatzpflichtig. Noch gefährlicher wird es allerdings, wenn jemand auf die Idee kommen sollte, zum Grillen in den Wald zu gehen. In Deutschland ist offenes Feuer wegen der Brandgefahr in Wäldern während des Sommers generell verboten - ausgenommen sind auch hier wieder nur ausgewiesene Plätze. Wer das Verbot ignoriert und ein Feuer verursacht, zündelt mit seiner Existenz. Denn geht der Brand auf grobe Fahrlässigkeit zurück, kann der Verursacher für den Löscheinsatz der Feuerwehr persönlich haftbar gemacht werden.

Wird der Verursacher des Feuers per Gerichtsentscheid zur Kostenübernahme verdonnert, kann dies sehr teuer sein. Ein Blick in die Gebührenordnung der Berliner Feuerwehr lässt dies mehr als erahnen. Mittlerweile ist die Feuerwehr angehalten, die Kosten für Personal und Material pro angefangener Minute zu berechnen. Und so kostet beispielsweise ein Löschfahrzeug pro dieser angefangenen Minute satte 4,70 Euro. Ein Feuerwehrmann oder -frau schlägt mit 0,71 Euro für den gleichen Zeitraum zu Buche. Im Fall eines mehrtägigen Großeinsatzes mit Hunderten von Feuerwehrleuten und diversen Löschfahrzeugen dürften bei Otto Normalbürger die Ersparnisse zur Begleichung der fälligen Rechnung nicht mehr ausreichen.

Auch wenn es nicht ganz so arg kommt, Grillfreunde sollten unbedingt entsprechende Verbote beachten und bei der Suche nach einer geeigneten Feuerstelle auch den gesunden Menschenverstand zum Einsatz kommen lassen. Denn jedweder Ärger lässt den Serotoninspiegel in den Keller rauschen - und dann schmeckt auch das Fleisch nicht mehr.     

Quelle: n-tv.de

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