Ratgeber

Bringt es was? Ein Jahr Gesetz für Lohntransparenz

imago63486611h.jpg

Einzelne Kollegen gezielt nach ihrem Gehalt zu fragen, ist ein Weg zur Transparenz.

(Foto: imago/Eibner)

Nicht jeder bekommt, was er verdient. Richtiger müsste es wohl heißen: Vor allem Frauen bekommen oft weniger Gehalt als Männer. Das soll sich ändern. Ein Instrument dazu ist das Entgelttransparenzgesetz. Wie das bei den Beschäftigten ankommt, zeigt eine Umfrage.

Das Entgelttransparenzgesetz (ETG) ist nun seit gut einem Jahr in Kraft. Doch machen Beschäftigte von ihrem neuen Recht Gebrauch? Und wie ist die Wahrnehmung auf Arbeitgeberseite? Um diese Fragen zu beantworten, hat das Beratungsunternehmen Compensation Partner eine Umfrage unter 716 Beschäftigten und 94 Unternehmen durchgeführt.

Denn eigentlich haben Beschäftigte einen Auskunftsanspruch darüber, was der Kollege oder die Kollegin verdient. Um eventuelle Ungerechtigkeiten bei der Bezahlung von Männern und Frauen für die vergleichbare Arbeit in Erfahrung zu bringen, muss der Arbeitgeber auf Anfrage darüber Auskunft geben.

Ergebnis: Lediglich 7 Prozent der befragten Arbeitnehmer haben bisher einen Gehaltsvergleich angefordert. Ein Großteil der Beschäftigten (55 Prozent) ist sich außerdem unsicher, ob sie das Gesetz in Anspruch nehmen werden. 26 Prozent der Arbeitgeber bemängeln zudem die nicht klar definierten rechtlichen Konsequenzen bei einem Verstoß gegen das ETG.

Verschlechterung des Arbeitsverhältnisses befürchtet

Hauptgrund ist, dass sich die meisten nicht trauen, einen Antrag einzureichen. Dies sagen 42 Prozent der Befragten. Fast 30 Prozent geben an, die Gehälter ihrer Kollegen ohnehin zu kennen. "Bei vielen Beschäftigten besteht Interesse an einem Gehaltsvergleich, jedoch fürchten sie eine Verschlechterung des Arbeitsverhältnisses zu ihrem Arbeitgeber oder den daraus resultierenden Arbeitsaufwand", sagt Tim Böger, Geschäftsführer von Compensation Partner.

80 Prozent der Beschäftigten, die ein Auskunftsersuchen in ihrem Unternehmen verlangt haben, waren mit dem Ergebnis unzufrieden: Für 28 Prozent kam der Vergleich nicht zustande, da ähnliche Vergleichswerte fehlten. Bei 20 Prozent fand keine Anpassung statt. 16 Prozent sagen wiederum, ihre Stelle sei mit einem ganz anderen Stellenprofil verglichen worden.

Grundsätzlich findet das ETG nur Anwendung, wenn der Arbeitgeber insgesamt mehr als 200 Angestellte hat. Zudem muss es mindestens sechs Kollegen des jeweils anderen Geschlechts geben, die einen ähnlichen Job haben wie der Antragsteller. Kleinere Betriebe sind nicht in der Pflicht. Außerdem ist es nicht möglich, per Entgelttransparenzgesetz zu erfahren, wie viel Gehalt einem bestimmten Kollegen gezahlt wird. Auskunft muss lediglich darüber erteilt werden, wie hoch der Mittelwert der Bruttogehälter ist, welche für vergleichbare Tätigkeiten gezahlt werden.

Der Großteil der Arbeitnehmer (53 Prozent) ist unsicher, ob das Gesetz die Entgeltlücke reduzieren wird. Noch größer ist der Unmut auf Arbeitgeberseite: 72 Prozent glauben nicht an den Erfolg des Gesetzes. Rund 51 Prozent der Arbeitnehmer und 26 Prozent der Arbeitgeber sind der Ansicht, dass es durch die fehlenden rechtlichen Konsequenzen unwirksam bleibt.

Laut Umfrage fühlen sich 47 Prozent der Beschäftigten grundsätzlich unfair bezahlt. Der häufigste Grund (39 Prozent) hierfür ist eine fehlende leistungsgerechte Vergütung aufgrund unbezahlter Überstunden, viel Verantwortung und wenig Wertschätzung. Rund 33 Prozent aller Beschäftigten haben den Eindruck, dass ihre Mitarbeiter für die gleiche Leistung höhere Einkommen beziehen. Außerdem bemängeln 19 Prozent fehlende Gehaltsanpassungen trotz des wirtschaftlichen Erfolgs ihres Unternehmens.

Quelle: n-tv.de, awi

Mehr zum Thema