Ratgeber

Tenhagens Tipps Fake-Bewertung? So schützen Sie sich

Bewertungen von Kunden

Beim Lesen von Bewertungen im Netz ist Skepsis angebracht.

(Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn/dpa)

Online-Bewertungen von Produkten und Dienstleistungen sind oft ein wichtiges Kaufkriterium – und werden nicht selten frisiert. Amazon hat allein im letzten Jahr rund 400 Millionen Dollar gegen Fake-Bewertungen im Internet investiert. Finanztip-Chef Tenhagen sagt, worauf Verbraucher achten sollten.

Der Online-Handel boomt. Damit einher geht, dass sogenannte Fake-Bewertungen weiter zunehmen. Mittlerweile soll es sogar Agenturen für gefälschte Bewertungen geben. Hat sich dieses kriminelle Modell professionalisiert?

Auf jeden Fall ist ganz offenkundig, dass es ein großes Interesse daran gibt, solche Bewertungen zu manipulieren, da die Leute sich ja oftmals im Netz über Waren und Dienstleistungen informieren. Dabei orientieren sich auch viele daran, ob Testbewertungen für Produkte vorliegen und was andere Kunden zum Thema sagen. Insofern besteht sicherlich ein Interesse daran, von Herstellern oder Anbietern die mit weniger guten Produkten oder Dienstleistungen aufwarten, an dieser Stelle Bewertungen zu frisieren. Und es gibt auch Dienstleister, die solche Dienste anbieten. Der IT-Verband Bitkom rät aber Unternehmen davon ab, diese Dienste in Anspruch zu nehmen. Schließlich werden dadurch potentielle Kunden betrogen.

Wie können sich Verbraucher schützen? Woran lassen sich zweifelhafte Bewertungen erkennen?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Es gibt zwei Arten von Manipulationen. Zum einen gibt es Seiten, die eine Testtätigkeit suggerieren, die so gar nicht stattgefunden hat.

Zum anderen werden positive Kundenrezensionen veröffentlicht, um zu werben. Manchmal ist die Bewertung so positiv, dass sie eigentlich offenkundig nicht mehr glaubhaft ist. Manchmal werden Beurteilung abgegeben, bevor ein Produkt oder eine Dienstleistung überhaupt bewertet werden konnte.  Wer nach Kundenbewertungen sucht, sollte auch prüfen, wie oft dieser Kunden-Bewerter denn sonst noch urteile abgegeben hat, ob der als reale Person erkennbar ist. Und wie diese Bewertungen aussehen? In dem Moment, wenn sich die Bewertung/der Bewertende nicht wirklich zurückverfolgen lässt, ist Vorsicht geboten.

Klingt nach einer Menge Arbeit?

Ja, das erfordert vom Kaufinteressierten einiges an Rechercheaufwand. Ich würde zunächst sowieso immer erst nach professionellen Bewertungen anerkannter Experten und Testveranstalter schauen und mich dann erst für andere Kundenbewertungen interessieren.

Wie versucht denn beispielsweise Amazon, unechte Bewertungen zu unterbinden?

Das wichtigste, was sie machen, ist zu gucken, ob derjenige, der etwas bewertet, das Produkt auch bei ihnen gekauft hat. In dieser Hinsicht kann man eine ganze Menge herausfiltern. Angeblich haben Sie im vergangenen Jahr 13 Millionen Fake-Kundenbewertungen herausgefischt. Aber was ist das schon angesichts der ungeheuren Zahl von Produkten und Bewertungen auf den Seiten. Offiziell schreibt Amazon an Anbieter, man werde den Anbieter im Fall festgestellter Fake Bewertungen sperren, Geld zurückhalten, alle Produktbewertungen löschen, alle Produkte von der Seite nehmen, den Anbieter im Zweifel verklagen und den Verkäufer und seine Praxis auch öffentlich machen. Ich kenne solche Fälle allerdings nicht. 

HRS und Booking erlauben nur Kunden eine Bewertung, die real das Bett oder das Zimmer genutzt haben. Das schränkt den Raum für Manipulationen ein

In den USA gibt es inzwischen sogar spezialisierte Seiten, die versuche fake Kundenbewertungen zu filtern, zum Beispiel die Seite reviewmeta.com, die versucht zweifelhafte Bewertungen auf den Amazon Seiten zu finden.

Gibt es auch negative Fake-Bewertungen, beispielsweise um einem Unternehmen aktiv zu schaden?

Die gibt es auch. Die Einordnung solcher negativen Äußerungen funktioniert nach denselben Kriterien wie bei den Jubel-Persern auch.

Werden wie auch immer geartete Manipulationen weiter zunehmen?

Dem ist nur schwer Herr zu werden, weil sich die Frage stellt, wie man das Netz systematisch durchleuchtet. Da spielt natürlich auch der Datenschutz eine große Rolle. Außerdem wird die Kommunikation zwischen Kunden untereinander beziehungsweise zum Hersteller weiter virtuell zunehmen. Da wird es dann noch viel schwieriger herauszufinden sein, ob derjenige, mit dem ich mich austausche, versucht, mich über den Leisten zu ziehen. Es sei denn, ich mache es genau wie in früheren Zeiten, dass ich mich nur mit Leuten austausche, die ich auch persönlich kenne.

Haben denn Kunden eine rechtliche Handhabe, wenn das erworbene Produkt oder die Dienstleistung nicht der Bewertung entspricht?

Nein. Bei einer Online-Bewertung handelt es sich zunächst einmal um eine Meinungsäußerung zu etwas. Wenn tatsächlich gelogen wurde, kann man versuchen, des Lügners habhaft zu werden. Aber das dürfte schwer sein. Beispielsweise wenn nicht vorhandene Produktmängel wie beispielsweise, dass das Auto nur drei Räder gehabt hat, behauptet werden. Das wäre dann aber auch eher ein Fall für den betroffenen Hersteller oder Dienstleister.

Mein Fazit: Es bleibt für Kunden erstmal vor allem klassische Wachsamkeit: Seien Sie vorsichtig bei Webseiten mit sehr speziellen Namen, die wie auf das gesuchte Produkt zugeschnitten wirken. Gerne mit einem „Test“-Zusatz versehen, der Vertrauen erwecken soll.

Prüfen Sie genauer, wenn sich bei jedem Produkt ein Button befindet, der zu einer Website weiterleitet, wo man das Produkt kaufen kann. Bleiben Sie skeptisch, wenn die Bewertungen rundheraus äußerst positiv ausfallen. Und wenn von Tests die Rede ist, suchen Sie nach den Testkriterien. Wenn Sie die nicht finden, Finger weg. 

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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