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Tenhagens Tipps Ist Ihr Internetzugang auch zu lahm?

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Eine Beschwerde über ein lahmendes Netz sollte immer auch mit einer Fristsetzung für eine angedrohte Minderung oder Kündigung einhergehen.

(Foto: imago/blickwinkel)

Zum wiederholten Mal stellt die Bundesnetzagentur fest, dass kaum ein Internet-Nutzer die vertraglich vereinbarte Datenübertragungsrate erhält. Dennoch sollen sie den vollen Preis für die mindere Leistung bezahlen. Wie sich Kunden wehren können, weiß Finanztip-Chef Tenhagen.

n-tv.de: Woran hapert es denn überhaupt bei der Datenübertragung?

Hermann-Josef Tenhagen: Das liegt daran, dass die Anbieter Versprechen machen, die sie nicht einhalten können. Aber auch daran, dass die technischen Voraussetzungen in vielen Haushalten aus unterschiedlichsten Gründen nicht vorhanden sind. Dabei können die Ursachen beim Kunden, beim Hausbesitzer oder Vermieter liegen. Die Ergebnisse sind ja eigentlich erschreckend.

Bei wie vielen Nutzern fließen denn die Daten langsamer als vom Anbieter behauptet?

Bei viel zu vielen. Nur rund 13 Prozent der Kunden bekommen die vereinbarte Geschwindigkeit von ihrem Anbieter. Im Umkehrschluss bedeutet dies, fast 90 Prozent sind deutlich zu langsam unterwegs. Rund 30 Prozent der Nutzer erhalten noch nicht mal die Hälfte der vertraglich vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate, wie die Bundesnetzagentur (BNetzA) bei der Messung über alle Bandbreiteklassen und Anbieter hinweg festgestellt hat.

Wie kann ich denn herausfinden, ob bei mir alles so läuft wie bezahlt?

Hierfür gibt es die Breitbandmessung der BNetzA. Das ist relativ einfach. Schwieriger ist es, herauszufinden, ob tatsächlich der Anbieter in der Pflicht ist.

Wie schließt man denn aus, dass die lahme Übertragung hausgemacht ist?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

In vier Schritten können Sie prüfen, wer für das langsame Netz verantwortlich ist und wie Abhilfe aussehen kann. Meine Kollegen haben das mal detailliert aufgeschrieben. Erstmal prüft man den eigenen Rechner mit eingestecktem Lan-Kabel und damit direktem Internetanschluss. Im Zweifel kann man mit einem zweiten Rechner am gleichen Anschluss sehen, ob es am Rechner liegt. Manchmal sind nämlich Einstellungen am Rechner oder auch Anti-Viren-Programme verantwortlich. Das sollte ausgeschlossen werden.

Und dann?

Dann sollte die leidige Hotline des Anbieters kontaktiert werden. Die sind ja dafür da, ihren Kunden zu sagen, was diese technisch oder räumlich besser machen können und im Zweifel den Kundendienst vorbeizuschicken. Ist auch mit dessen Hilfe die Datenübertragungsrate noch nicht besser, kommt der nächste Schritt: mindern oder kündigen. Wenn die Leistung unter 60 Prozent der versprochenen Geschwindigkeit liegt, hat der Kunde nämlich im Prinzip ein Sonderkündigungsrecht.

Was ist beim Kündigen zu beachten?

Als Erstes die Frage, ob kündigen überhaupt die richtige Strategie ist. Wenn der Mangel an den technischen Gegebenheiten liegt, wird auch ein neuer DSL-Provider wohl nicht schneller sein. Bleibt man beim gleichen System, ist also nicht die Kündigung, sondern erst einmal ein Preisnachlass das richtige Ziel.

Wie viel Minderung ist denn hier drin?

Auf einen Preis für die Höhe, die auch der tatsächlichen Geschwindigkeit entspricht. Die Betreiber bieten ja verschiedene Geschwindigkeiten an. Das hilft bei der Orientierung.

Also nie kündigen?

Doch, womöglich schon. Wenn das alte System zu lahm ist und ich das System aber wechseln kann, also von Kabel zu DSL oder umgekehrt, dann tue ich das. Genau dabei hilft das Sonderkündigungsrecht wegen der mangelhaften Leistung. Ich sollte aber zuvor drei Wochen Frist zur Abhilfe setzen. Unschuldig ist der Anbieter ohnehin nicht. Die Firma sollte ja bei Vertragsabschluss die technischen Gegebenheiten kennen und insofern wissen, ob die versprochene Übertragungsrate auch einzuhalten ist. Neue Verträge sind übrigens häufig deutlich preiswerter.

Gibt es noch eine dritte Variante?

Wenn es am Haus, an den technischen Voraussetzungen dort liegt, kann man auch mal mit dem Hausbesitzer oder der Hausverwaltung reden, um herauszufinden, ob es noch mehr Bewohner gibt, die ähnliche Probleme haben. Vielleicht lässt sich ja dann eine gemeinsame bessere Lösung finden. Glasfaser neu legen zu können wäre hier natürlich das Beste.

Und wenn es Ärger gibt: Ist hierfür eine Fristsetzung vonnöten?

Sowohl bei einer angedrohten Minderung als auch bei einer Kündigung ist immer eine Fristsetzung erforderlich. Drei Wochen dürften ausreichend sein. Verbraucher können sich im Konfliktfall auch an die Beschwerdestelle der Bundesnetzagentur wenden. Das kann auch noch mal für Nachdruck sorgen. Zudem ist das Verfahren kostenlos.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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