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Aufheulender Motor & Co. Kann ein Auto zu laut gefahren werden?

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Wer allzu oft mit durchdrehenden Rädern und laut aufheulendem Motor erwischt wird, dem kann diese Fahrweise untersagt werden.

(Foto: imago stock&people)

Manch einer tunt seinen Wagen extra, andere sorgen durch ihr Fahrverhalten dafür, dass das Auto mächtig Krach macht. Und gehen damit ihren Mitmenschen gehörig auf die Nerven. Kann solchen Autoposern lautstarkes Fahren untersagt werden?

Vor allem der Auspuff sorgt dafür, dass sich die Lärmbelästigung beim Autofahren in Grenzen hält. Wer seinen Wagen einem Tuning unterzieht, macht sein Auto absichtlich lauter, indem am schalldämpfenden Motor herummanipuliert wird. Wer es zu arg treibt, dem kann die Verkehrslärmschutzverordnung allerdings die Angeberei untersagen.

Eine andere Möglichkeit, für ordentlich Krach - und auch für Ärger - zu sorgen, ist die Fahrweise. Denn sobald ein Fahrer ordentlich aufs Gaspedal tritt beziehungsweise eine höheren Drehzahlbereich erreicht, wird der Wagen laut. Manch einer erhofft sich dadurch wohl eine erhöhte Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen. Doch kann solchen Autoposern das Fahren im Stadtgebiet untersagt werden?  

Ja, kann es, wie das Verwaltungsgericht (VG) Mannheim urteilt (Az.: 1 K 4344/17). In dem verhandelten Fall berief sich die Stadt Mannheim auf Paragraf 30 Absatz 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO), der es verbietet, bei der Benutzung von Fahrzeugen unnötigen Lärm und vermeidbare Abgasbelästigungen hervorzurufen. Betroffen hiervon war ein Jaguar-F-Type Fahrer, der innerhalb von zwei Jahren 14 Mal durch Bürger der Mannheimer Innenstadt bei der Polizei gemeldet worden, weil diese sich durch Lärm wegen dessen Auto-Nutzung gestört fühlten. Auch örtliche Polizeidienststellen hatten mehrmals von Amts wegen das Fahrzeug gemeldet.  

Der Anwohner geht vor

Dem Mann wurde unter anderem vorgeworfen, nachts während einer Rotlichtphase "unnötig Gas" gegeben zu haben, "mit durchdrehenden Rädern" und "laut aufheulendem Motor" unterwegs gewesen zu sein und "übermäßig stark beschleunigt" zu haben. Diese Fahrweise wollte ihm die Stadt untersagen, wogegen sich der Delinquent mit einer Klage wehrte.

Die blieb allerdings ohne Erfolg. Laut Urteil des VG kann durch ein Fahrzeug verursachter Lärm insbesondere dann verboten werden, wenn dieser - wie im Fall des Autoposers - durch das Hochjagen des Motors im Leerlauf, hochtouriges Fahren in niedrigen Gängen, sehr starkes Beschleunigen mit durchdrehenden Reifen, plötzliches Abbremsen mit einhergehendem Reifenquietschen und hohe lärmverursachende Kurvengeschwindigkeiten hervorgerufen werde. In der Regel würden zusammen mit den genannten unnötigen Lärmbelästigungen auch vermeidbare Abgasbelästigungen auftreten.

Die in Paragraf 30 Absatz 1 StVO enthaltenen Verbote knüpften dabei nicht an die Beschaffenheit des Fahrzeugs, sondern an ein Verhalten des Fahrzeugführers an. Ein Verstoß gegen die StVO könne deshalb auch dann vorliegen, wenn das Fahrzeug eigentlich zum Verkehr zugelassen sei.

Das persönliche Bedürfnis des Klägers, mit seinem Auto zu "posen", habe im Rahmen der Gesamtbeurteilung außer Betracht zu bleiben oder jedenfalls hinter die schutzwürdigen Belange der Anwohner in der Innenstadt, vor lautem Fahrzeuglärm weitestgehend geschützt zu werden, zurückzutreten, befand denn auch das Gericht.  

Quelle: n-tv.de, awi

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