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Der durstige Gast Kostenloses Leitungswasser im Restaurant?

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In Deutschland versuchen die Gastronomen ihren Gewinn vor allem über Getränke zu erzielen.

(Foto: imago/Mint Images)

In anderen Ländern ist es eine Selbstverständlichkeit, hierzulande wird damit geknausert - mit einem Glas Leitungswasser zum Essen. Doch darf der Gastwirt einem Kunden den kostenlosen Gänsewein auch verwehren?

Man kennt das: Nach dem dritten Glas Wein und einem guten Essen im Restaurant ist es spätestens zum Kaffee Zeit für ein Glas Wasser, um den pelzigen Geschmack im Mund zu vertreiben und vielleicht auch, um den konsumierten Alkohol etwas zu verdünnen. Doch wer nun freundlich nach einem kostenlosen Glas Wasser fragt, wird mitunter enttäuscht. Denn die eben noch charmante und zuvorkommende Bedienung verweist etwas schmallippig auf das Getränkeangebot in der Speisekarte. Oder aber dem Wunsch wird unwillig entsprochen und dem Gast beiläufig ein halbvolles Gläschen vor den Latz geknallt. Womit die Illusion, zu Gast bei Freunden zu sein, beendet sein dürfte.

Natürlich gibt es auch Wirte, die ihr Handwerk verstehen, nicht auf den schnellen Gewinn schielen und stattdessen dem Kunden das Gefühl geben, tatsächlich König zu sein. Bei solchen Profis führt auch die Bitte nach etwas kostenlosem Gänsewein zu keiner Entgleisung im ansonsten strahlenden Lächeln. Einfach zauberhaft.

Aber abgesehen davon ist natürlich auch der Restaurantbesucher in der Pflicht, sich angemessen zu verhalten. Will heißen, wer sich den ganzen Abend nur ein einer Vorspeise festhält, dazu aber fünf Gläser Leistungswasser verlangt, darf sich nicht wundern, wenn sein Anliegen auf wenig Begeisterung stößt. 

Nichts im Leben ist umsonst

Womit wir bei der eigentlichen Frage wären, nämlich: Darf der Gastwirt den Ausschank eines kostenlosen Glases Wasser verweigern oder das Wasser sogar in Rechnung stellen? Die kurze Antwort: Ja, darf er. Denn Gaststättenbetreiber sind nicht dazu verpflichtet, Getränke oder Speisen unentgeltlich anzubieten. Allerdings tun sie gut daran, wenn sie für das kühle Nass aus dem Hahn den Gast zahlen lassen möchten, diesen über dessen Preis zu informieren. Denn geht der Preis nicht aus der Karte hervor, ist nicht nur spätestens beim Bezahlen die Atmosphäre ruiniert, sondern auch ein Streit meist unumgänglich. Zuungunsten des Restaurantbetreibers, denn dieser ist laut Preisangabenverordnung dazu verpflichtet, seine Kunden über den entsprechenden Betrag zu informieren - und zwar inklusive Mehrwertsteuer, Bedienungsgeld und eventueller weiterer Zuschläge.

Doch wie immer erleichtert auch im Restaurant Freundlichkeit und angemessenes Verhalten beider Seiten den reibungslosen Umgang miteinander. Dann steht auch der Illusion, zu Gast bei Freunden zu sein, nichts im Wege. Denn es sind die kleinen Gesten, die zählen. Sei es auch nur ein schönes Glas kaltes Wasser - gratis. Dass am Ende dennoch eine Rechnung zu begleichen ist, kann dann auch heiter unter dem Punkt verbucht werden, dass nichts im Leben umsonst ist.

Übrigens: Dass Getränke im Allgemeinen und Wasser im Speziellen hierzulande oft als hoffnungslos überteuert erscheinen - und oftmals auch sind - liegt zumeist daran, dass Essen in deutschen Restaurants im europäischen Vergleich immer noch relativ günstig ist. Die Preise in Frankreich oder Italien für Speisen sind oft deutlich höher. Dafür ist die Karaffe mit kostenlosem Leitungswasser zum Essen dort aber auch Usus. 

In Deutschland versuchen die Gastronomen ihren Gewinn vor allem über Getränke zu erzielen. Bedenkt man, dass für eine Flasche Mineralwasser schon mal 6 oder 7 Euro verlangt werden, ein ganzer Zehnerkasten aber im Handel für den gleichen Preis zu haben ist, versteht man vielleicht, wieso sich so manches Restaurant diesen 1000-Prozent-Gewinn nicht einfach entgehen lassen möchte. Wer sich daran als Gast stört, kommt entweder nicht wieder oder geht für einen schnellen Schluck zum Wasserhahn im WC-Bereich. Das stillt den Durst und fügt auch dem Gastwirt keinen allzu großen Schaden zu, denn im bundesdeutschen Durchschnitt kostet ein Liter Leitungswasser gerade einmal 0,2 Cent.     

Quelle: n-tv.de

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