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Bereinigte Lohnlücke Männer bekommen weniger mehr

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Auch wenn die Lücke langsam kleiner wird - Frauen werden in den meisten Fällen schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Den viel beklagten Gender Pay Gap gibt es wirklich. So viel ist klar. Doch die bereinigte Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern wird kleiner. Und es macht einen Unterschied, in welcher Branche gearbeitet und wie viel dort bezahlt wird, wie eine Untersuchung zeigt.

Unstrittig ist, dass Frauen auf hochbezahlten Vorstandsposten noch immer unterrepräsentiert sind. Die Gründe dafür sind vielfältig. Doch vor allem nach der Geburt eines Kindes machen Frauen eher Abstriche bei der Karriere als Männer. So arbeiten nur knapp unter 30 Prozent der Frauen mit einem Kind unter sechs Jahren in Vollzeit, aber 94 Prozent der Männer. Und dies hat Auswirkungen auf das Gehalt. Nicht nur in hochbezahlten Jobs.

Im direkten Geschlechtervergleich ergibt sich dann auch ein zunächst erschreckend hoher Lohnunterschied (Gender Pay Gap) von 26,5 Prozent. Doch dieser Wert ist unbereinigt. Hier wird nicht der Lohn einzelner Branchen oder Positionen, sondern der Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen miteinander verglichen. Im Gegensatz zum bereinigten Gender Pay Gap.

"Der unbereinigte Wert sagt wenig aus. Es ist ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen, da unterschiedliche Stellenprofile gegenübergestellt werden - zum Beispiel berufserfahrene Akademiker und junge Beschäftigte kurz nach ihrer Ausbildung. Für eine präzise Überprüfung der Entgeltlücke müssen identische oder sehr ähnlicher Stellenprofile miteinander verglichen werden", so Tim Böger, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Compensation Partner.

Immerhin - es geht auch andersherum

Um den bereinigten Gender Pay Gap zu ermitteln, haben die Vergütungsanalysten nicht nur Berufe, sondern auch die Anforderungsniveaus der Jobs in zwei unterschiedlichen Personengruppen berücksichtigt. Hierfür wurden Datensätze von insgesamt 219.734 Fachkräften ausgewertet. Die erste Gruppe umfasst Berufe, deren Gehälter mit rund 33.000 Euro leicht unter dem Durchschnitt lagen. Die zweite Gruppe beinhaltet Berufe mit Gehältern um die 60.000 Euro. Während die bereinigte Entgeltlücke in der geringer vergüteten Gruppe bei 1,4 Prozent liegt, beträgt sie in der höher verdienenden 7,6 Prozent. Insgesamt ergibt sich daraus ein bereinigter Gender Pay Gap von 4,5 Prozent.

Im Branchenvergleich bei der geringer vergüteten Gruppe liegt die größte Entgeltlücke im Bereich der Softwareentwicklung mit 7,5 Prozent vor. Es folgen das Versicherungswesen (7,3 Prozent) und die Metallindustrie (5,4 Prozent). In der höher vergüteten Gehaltsklasse ist die Entgeltlücke hingegen signifikanter: Im Gesundheitswesen beträgt sie 10,4 Prozent, in der Logistik 9,9 und in der Werbung beziehungsweise Public Relations (PR) 9,8 Prozent.

In der höher vergüteten Gruppe ist die Entgeltlücke bei den Beschäftigten zwischen 50 und 59 Jahren mit 7,8 Prozent am größten. In der niedrigeren Verdienstklasse beträgt sie dagegen für die gleiche Altersgruppe nur 0,5 Prozent. Zudem verdienen Frauen mit über 60 Jahren sogar 2,8 Prozent mehr als Männer.

Laut der Untersuchung gibt es auch Branchen, in denen Frauen generell mehr verdienen als Männer. Dies gilt vor allem für Beschäftigte in Berufen der niedrigen Gehaltsklasse. Die höchste Entgeltlücke zugunsten der Frauen liegt in der Touristik- und Freizeitindustrie mit 5,5 Prozent vor. In der Lebensmittelbranche (3,2 Prozent) und in der Unternehmensberatung (2,9 Prozent) beziehen weibliche Beschäftigte ebenfalls ein etwas höheres Einkommen als ihre männlichen Kollegen. 

"Wir beobachten eine Verringerung der bereinigten Entgeltlücke. Arbeitnehmerinnen holen hinsichtlich der Vergütung auf - trotzdem werden sie in den meisten Fällen schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen", so Böger abschließend.

Quelle: n-tv.de, awi

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