Ratgeber

Programme im Test Online gegen Depressionen?

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Frust am Arbeitsplatz

Psychische Erkrankungen sind der häufigste Grund für Berufsunfähigkeit.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Die Stimmung im Keller, die Warteliste beim Therapeuten lang. Wer psychische Probleme hat, ist in Not. Und braucht dringend Hilfe. Entsprechende Programme im Internet versprechen schnelle Unterstützung. Warentest hat sie getestet.

Wer an Depressionen erkrankt ist, tut sich im Leben schwer. Denn das Leiden an sich wirkt entmutigend. Absurderweise wird gerade erkrankten Menschen unter diesen erschwerten Bedingungen zugemutet, sich einen Therapieplatz beim Psychologen oder Psychiater selbst zu organisieren. Das haut oftmals nicht so ohne Weiteres hin. Denn der Andrang ist groß, Depressionen haben sich zu einer wahren Volksseuche entwickelt. Sprich: Es fehlen Fachkräfte.

Schnelle Hilfe versprechen Onlineprogramme. Diese bieten oft mehrere Module, die Anwender ungefähr ein- bis zweimal pro Woche bearbeiten, größtenteils schriftlich, aber auch über interaktive Elemente wie Videos. Nutzer werden häufig direkt angesprochen, bekommen Hintergrundinformationen und Fragen. Die Stiftung Warentest hat sich acht entsprechende "Online-Therapeuten" angeschaut und befindet immerhin vier von ihnen für "empfehlenswert" - "Deprexis 24", "Get.On Depression akut", "Get.On Depression Prävention" und "Moodgym". Letzteres ist für alle kostenfrei. Die anderen empfohlenen Anwendungen sind für Selbstzahler für bis zu 359 Euro zu haben. Allerdings kooperieren die Dienste mit verschiedenen Krankenkassen und sind bei entsprechender Mitgliedschaft für Anwender auch gratis.  

Drei Programme wurden als "eingeschränkt empfehlenswert" bewertet. Nur für den TK-Depressionscoach gab es keine Bewertung, weil die Tester auch auf Nachfrage keinen Zugang für die Untersuchung von der Krankenkasse bekamen.

Auch beim Datenschutz ist Vertrauen gefragt

Die meisten untersuchten Programme stützen sich auf die kognitive Verhaltenstherapie, eine anerkannte psychotherapeutische Methode. Der Grundgedanke des Konzepts lautet: Gedanken, Gefühle und Handlungen sind eng miteinander verknüpft und lassen sich wechselseitig beeinflussen, auch zum Positiven. Demnach können Nutzer unter anderem lernen, Denkmuster, die negative Emotionen hervorrufen, zu verändern. Auch über ihr Verhalten können sie ihr Befinden verbessern, indem sie bewusst aus ihrem Schneckenhaus herauskommen und schöne Dinge unternehmen. Die Programme unterbereiten entsprechende Vorschläge zu Verhalten und Aktivitäten.

Die vier empfehlenswerten Programme überzeugen beim Konzept und Studien belegen ihre Wirksamkeit, wobei jedes seine Besonderheiten hat. Wer mit dem einen nicht klarkommt, sollte dann ein anderes ausprobieren. Beim Thema Datenschutz müssen sich die Nutzer allerdings auf die Vertraulichkeit der Anbieter verlassen, da sie namentlich identifizierbar sind.  

Denkbar ist die Selbsthilfe beispielsweise ergänzend zu einer regulären Therapie oder wenn eine Vor-Ort-Behandlung nicht möglich oder gewünscht ist. Für schwere Depressionen sind die meisten Angebote allerdings nicht gedacht. Hier sollte im Notfall auch nicht gezögert werden, in einem Krankenhaus vorstellig zu werden, um schnelle Hilfe vermittelt zu bekommen. Auch für die genaue Diagnose sind analoge Fachkräfte gefragt.

Quelle: n-tv.de, awi