Ratgeber

Steuern auf Xetra-Gold Scholz will bei Papiergold abkassieren

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Anleger, die Xetra-Gold noch keine zwölf Monate im Depot halten, können sich das entsprechende physische Gold vom Emittenten, der Deutsche Börse Commodities, ausliefern lassen.

(Foto: imago stock&people)

Bislang behandelt der Fiskus Xetra-Gold steuerlich wie das Edelmetall selbst. Das will Bundesfinanzminister Olaf Scholz ändern. Wie Anleger reagieren können, lesen Sie hier.

Gold ist auf Rekordjagd. Allein seit Jahresanfang ist die Dollarnotiz des Edelmetalls um rund 30 Prozent gestiegen. Auch in vielen anderen Währungen wie dem Euro notiert Gold auf Rekordniveau. Vor allem bei den Deutschen ist das Edelmetall, geprägt durch verschiedene Währungsreformen, ausgesprochen beliebt. Auch jetzt sind es wieder Sorgen um das Finanzsystem und die negativen Zinsen, die den Run auf das gelbe Metall anheizen.

Dr. Michael Bormann ist Steuerexperte und seit 1992 Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.

Dr. Michael Bormann ist Steuerexperte und seit 1992 Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.

Bei Pro Aurum, dem größten Edelmetallhändler Deutschlands, zählen derzeit 100-Gramm-Barren und Krügerrand-Münzen (1 Unze = 31,1 Gramm) zu den Bestsellern. Um hohe Aufgelder und Kosten für die Lagerung zu vermeiden, greifen viele Anleger auch zu Xetra-Gold. Dabei handelt es sich um eine Schuldverschreibung, also um eine Anleihe, die einen Lieferanspruch auf Gold verbrieft. Eine Anleihe entspricht dem Wert von einem Gramm Gold in Euro. Die Schuldverschreibung ist mit physischem Gold unterlegt. Ende Juni belief sich der entsprechende Gold-Bestand auf mehr als 220 Tonnen. Zum einen soll dies das Ausfallrisiko reduzieren. Zum anderen können sich die Anleger auch das physische Gold bei Bedarf ausliefern lassen.

Xetra-Gold lässt sich mit wenigen Klicks börsentäglich online kaufen und verkaufen. Außerdem ist die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs - im Gegensatz zu physischen Barren und Münzen - extrem gering. Darüber hinaus entfällt die lästige Lagerproblematik. Und schließlich ist Xetra-Gold mit Anlage-Gold steuerlich bislang gleichgestellt. Bei einer Haltedauer von mindestens zwölf Monaten sind etwaige Gewinne steuerfrei. Doch genau da will der Bundesfinanzminister künftig die Hand aufhalten.

Scholz will Gold-Anleger besteuern

Nach seinen Plänen soll auch Xetra-Gold künftig der Abgeltungssteuer unterliegen. Das geht aus dem Entwurf des Jahressteuergesetzes 2020 hervor, das ab dem kommenden Jahr gelten soll. Konkret bedeutet das: Anleger müssen dann realisierte Gewinne mit Xetra-Gold mit 25 Prozent plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag versteuern - macht 26,375 Prozent. Dazu kommt fallweise noch die Kirchensteuer, wodurch der Steuersatz auf rund 27 Prozent steigen kann.

Die Abgeltungssteuer soll unabhängig von der Haltedauer gelten, also immer. Damit würde Xetra-Gold so behandelt wie halbwegs vergleichbare Zertifikate, obwohl bei denen kein Anspruchsrecht auf Auslieferung besteht. Xetra-Gold dürfte durch die steuerliche Änderung einiges an Attraktivität verlieren.

Für Anleger bestehen nun verschiedene Handlungsalternativen. Wer Xetra-Gold schon länger als ein Jahr lang hält, kann beispielsweise die Anleihe noch in diesem Jahr steuerfrei verkaufen. Das Geld lässt sich dann in physischem Gold anlegen, also in Barren oder Münzen. Diese sind vorerst weiter von der Abgeltungssteuer befreit.

Auslieferung mit Kosten verbunden

Anleger, die Xetra-Gold noch keine zwölf Monate im Depot halten, können sich das entsprechende physische Gold vom Emittenten, der Deutsche Börse Commodities, ausliefern lassen. Sie entgehen so ebenfalls der künftigen Steuerpflicht, da die Auslieferung nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs nicht als steuerpflichtige Veräußerung gilt. Allerdings ist die Auslieferung mit nennenswerten Kosten für die Prägung, den Transport und die Versicherung verbunden, die sich erst bei größeren Beträgen rechnen.

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Schließlich können Anleger auch an Xetra-Gold trotz der drohenden Steuerpflicht festhalten. Denn zumindest die Vorteile der einfachen und kostengünstigen Handelbarkeit an den Börsen bleibt erhalten. Bei einer Feinunze Gold (31,1 Gramm) - zum Beispiel in Form einer Krügerrand-Münze - beläuft sich die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs immerhin auf rund 100 Euro oder sechs Prozent. Bei kleineren Stückelungen fällt dieses Aufgeld noch höher aus. Bei Xetra-Gold werden dagegen nur rund 0,1 Prozent fällig. Schließlich entfällt hier auch die erwähnte Lagerproblematik. Diese Vorteile bezahlen die Anleger allerdings künftig mit einem erheblichen Anteil von Steuern, wenn sie mögliche Gewinne realisieren. Die private Altersvorsorge wird damit ein weiteres Mal erschwert.

Dr. Michael Bormann ist Steuerexperte und seit 1992 Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner www.bdp-team.de. Schwerpunkte seiner Tätigkeiten sind neben Steuern die Bereiche Finanzierungsberatung sowie das Sanierungs- und Krisenmanagement bei mittelständischen Firmen.

Quelle: ntv.de