Ratgeber

Werkzeug, Flickzeug, Tasche So gelingt die Radreise

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Viele überschätzen sich mit den Tagesdistanzen ...

(Foto: imago/Jochen Tack)

Eine mehrtägige Radtour bietet individuellen Urlaub an der frischen Luft. Damit nicht nasse Klamotten, platte Reifen oder ein schmerzender Hintern die Fahrt verderben, ist gute Vorbereitung angeraten.

Die gelungene Radtour beginnt mit der Wahl des Fahrrads. "Ganz wichtig ist, dass man sich auf einem Fahrrad wohlfühlt und es von den Abmessungen zu einem passt", sagt Christiane Neubauer, Chefredakteurin des Radreise-Magazins "Radtouren". Wer bisher nur zehn Minuten zum Einkaufen und zurück geradelt ist, sollte vor der Radreise probehalber einen mehrstündigen Ausflug machen, rät die Fachfrau. "Wer vierzig, sechzig oder achtzig Kilometer macht, wird schmerzhaft merken, ob das Rad tatsächlich passt oder nicht."

Wichtig ist ein Gepäckträger - außer es handelt sich um ein sportliches Rad wie Mountain- oder Gravelbike. "Auch pannensichere Reifen sind sinnvoll, zum Beispiel mit einer extra Pannenschutzeinlage", sagt Thomas Geisler vom Pressedienst Fahrrad (pd-f). Wer beim Strampeln Unterstützung braucht, geht gerne per E-Bike auf Tour. Geht eine Neuanschaffung zu sehr ins Geld, könnte ein Leihrad lohnen.

Was soll ich für ein gutes Reiserad anlegen?

"Wer nur eine Radreise pro Jahr macht, ist besser dran, sich ein E-Bike auszuleihen und damit auch den ganzen Service zu buchen", wirbt Neubauer für den Gang zum Fahrradverleih. "Wenn das Rad unterwegs liegen bleibt, der Akku aufgibt oder gestohlen wird, dann kommt das Leihunternehmen zu Hilfe." Gute Firmen suchen ein Rad nach Körpergröße aus, stellen den Sattel ein und ermöglichen eine Proberunde. Ein spezielles Reiserad für die Tour kostet laut pd-f-Experte Geisler neu um die 1800 bis 2000 Euro, mit Motor noch einmal 1000 Euro mehr. Ob mit Motor oder Muskelkraft: Das Rad muss verkehrssicher sein, vor der Fahrt steht daher ein Fahrradcheck an, zu Hause oder in der Fachwerkstatt.

Isomatte, Schlafsack und Zelt wollen verstaut sein

Dann geht es ans Packen. So viel wie nötig und so wenig wie möglich, lautet die Faustregel. Wesentlich ist, ob man mit Zelt unterwegs ist oder sich den Luxus gebuchter Übernachtungen gönnt. Im ersten Fall müssen Zelt, Isomatte und Schlafsack mit, je nach Jahreszeit dünner oder wärmer. "Dazu ein kleiner Campingkocher, Topf, Teller, Besteck, vor allem ein Messer, denn mit dem kann man viel erledigen", zählt Geisler für alle auf, die selbst kochen wollen.

Kann man in Deutschland unterwegs meist Mahlzeiten oder Lebensmittel bekommen, ist das in den schottischen Highlands beispielsweise schwieriger. Statt Konserven gehören in jedem Fall leichte Sachen mit hoher Energiedichte ins Gepäck: "Studentenfutter, Müsliriegel, Hartwurst oder gefriergetrocknete Mahlzeiten", zählt Chefredakteurin Neubauer auf, die aus eigener Erfahrung weiß: "Wenn man lange in der Wildnis unterwegs war und so richtig Kohldampf hat, schmeckt sogar das Astronautenfutter."

Auch genug Wasser ist wichtig, hier eignet sich eine Flasche, die man griffbereit direkt am Rahmen oder Lenkervorbau anbringen kann. Innerhalb Deutschlands sei es in der Regel kein Problem, seinen Wasservorrat wieder aufzufüllen, erklärt Geisler. "Aber man sollte schon darauf achten, dass man am Tag zwei, drei Liter Flüssigkeit dabei hat und auch trinkt."

Auf alle Fälle vorbereitet sein

Zur richtigen Kleidung gehören stets Regenjacke und -hose. "Wenn man draußen übernachtet, sollte man immer auch eine warme Jacke dabei haben", rät Geisler. Darüber hinaus wird die Kleidung an die Witterungsverhältnisse angepasst: "Wer im August auf Kreta radelt, hat anderes im Gepäck als jemand, der zur gleichen Zeit in Dänemark unterwegs ist", sagt Neubauer.

Unerlässlich ist grundlegendes Werkzeug. "Ein kaputter Schlauch ist etwas, auf das man sich immer einstellen sollte", betont Geisler. Somit gehören Luftpumpe, Flickzeug und möglichst ein Ersatzschlauch in die Ausrüstung. "Außerdem ein Minitool, das überall reinpasst, um Loses wieder festzuziehen", sagt der Radexperte. "Wenn man viele Kilometer unterwegs ist, lohnt sich auch, Kettenöl dabeizuhaben." Für größere Reparaturen muss eine Werkstatt aufgesucht werden.

Verzichten können Radtouristen im digitalen Zeitalter dagegen auf faltbares Kartenmaterial. "Mir reicht das Smartphone aus", sagt Neubauer. Sie rät, die digitalen Karten beziehungsweise die gewählten Routen bereits zu Hause aufs Handy herunterzuladen, damit diese dann unabhängig von einem Netz genutzt werden können.

So wird das Fahrrad zum schleppenden Drahtesel

Und wohin mit dem ganzen Gepäck? Wer keinen Gepäcktransport buchen oder einen Anhänger mitnehmen will, verteilt mehrere Taschen am Rad. Für die meisten mehrtägigen Radtouren reichen rechts und links vom Gepäckträger eine Tasche sowie eine Lenkertasche, sagt Neubauer. Letztere sei Gold wert. "Da passt die Kamera rein, wenn man unterwegs fotografiert, außerdem Sonnencreme, Sonnenbrille, Geld - man hat alles Wichtige gleich zur Hand und muss nicht an der Gepäcktasche rumfriemeln."

Für längere Reisen gilt laut Geisler der Klassiker: "Das sogenannte Sixpack: zwei Vorderradtaschen, zwei Hinterradtaschen, eine Lenkertasche und über den Gepäckträger noch eine große Rolltasche." Im Trend liegt das Bikepacking, bei dem vor allem bei Rädern ohne Gepäckträger Taschen direkt am Rad angebaut werden.

Wasserdichte ist bei den Taschen das A und O. Auch ansonsten lohnt sich gute Qualität, 100 bis 150 Euro dürfen zwei Taschen kosten, sagt Neubauer. Sie hält aus eigener Erfahrung Rolltaschen für sehr praktisch, weil die auf Reißverschlüsse verzichten.

Generell gehört beim Packen Schweres nach unten, obendrauf kommen Werkzeug sowie Regensachen, um für Pannen und unerwartete Güsse gewappnet zu sein. "Hinten am Gepäckträger sollte die Hauptlast sein, also etwa 70 Prozent", erklärt Geisler die Gewichtsverteilung am Rad, "vorne dann noch etwa 30 Prozent." Achtung allerdings: Viele Gepäckträger sind auf ein Maximalgewicht zwischen 20 und 25 Kilo ausgelegt.

Wo fahren wir lang und wie lange - das sollte vorher klar sein

Bleibt noch die Streckenplanung. Viele überschätzen sich mit den Tagesdistanzen, weiß Geisler. "Man sollte vorher mal ausprobieren, wie viel man an einem Tag schafft." Ein Unterschied sei auch, ob man nur einen Tag im Sattel verbringe oder mehrere hintereinander. Sein Tipp für Einsteiger: Sich einen Übernachtungsort suchen und von dort sternförmig Touren planen. "Das bietet die Möglichkeit, sich heranzutasten."

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Probieren geht über Studieren, sagt auch Neubauer. "Wenn 30 Kilometer gut gehen, aber nach 40 Kilometern die Muskeln anfangen zu brennen, sollte man die Länge der Routen entsprechend planen." Entscheidend ist auch der eigene Anspruch. "Will ich sportlich unterwegs sein und Strecke machen oder mir auch etwas ansehen? Nimmt man sich pro Tag 70 bis 80 Kilometer vor, bleibt nicht viel Zeit für Sightseeing."

Wer mit dem E-Bike seine Tour zurücklegt, schafft von der Kondition her zwar mehr Kilometer. Aber er muss seine Tour dennoch gut kalkulieren, sagt Geisler: "Je nachdem, wie lang die Strecke oder wie hoch der Akkuverbrauch ist, muss man eventuell mehr Stopps zum Aufladen einplanen."

Quelle: ntv.de, Christina Bachmann, dpa

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