Alltag wird immer teurerSo lassen sich die eigenen Ausgaben senken
Protokoll: Christina Lohner
Mit dem Iran-Krieg kehrte das Schreckgespenst der Inflation zurück. Angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten müssen selbst Menschen mit höheren Einkommen aufpassen, nicht zu viel Geld auszugeben. Experten der Verbraucherzentrale Hamburg erklären, an welchen Stellen viele Menschen sparen können.
Zu den aktuellen Preistreibern zählt infolge des Iran-Kriegs Energie. Wie lässt sich hier sparen?
Spritkosten lassen sich nicht nur durch langsameres Fahren reduzieren, sondern etwa auch, indem Wege wie zum Einkaufen oder Arzt gebündelt werden. Bei Arbeitswegen können Fahrgemeinschaften und Homeoffice helfen. Beim Heizen und Strom sollten die Verträge regelmäßig auf den Prüfstand. Daneben lässt sich der Verbrauch senken, zum Beispiel sollten Geräte ganz ausgeschaltet werden und Spül- und Waschmaschine wie auch Trockner möglichst voll beladen.
In welchen weiteren Bereichen lassen sich die eigenen Ausgaben senken?
Einsparpotenzial gibt es fast überall: bei Lebensmitteln und anderen Konsumgütern, Telefon und Internet, Versicherungen, Abos und Mitgliedschaften, Konten und Krediten. Oft lassen sich Kosten senken, indem schlechte oder zu teure Verträge erkannt und beendet werden.
Lebensmittel sind innerhalb der vergangenen fünf Jahre im Schnitt ein Drittel teurer geworden. Wie können Verbraucher im Supermarkt sparen?
Wer immer mit einem Essensplan im Kopf und Einkaufszettel in den Supermarkt geht, tätigt am wenigsten Impulskäufe. Dort sollten Kunden außerdem Grundpreise vergleichen: Der Grundpreis muss je Kilogramm oder 100 Gramm angegeben werden und hilft so ganz einfach, das günstigste Angebot zu finden; denn Füllmengen sind bei gleichen Packungsgrößen und Preisen oft unterschiedlich. In den Regalen stehen im direkten Blickfeld in der Regel teurere Markenprodukte. Verbraucher sollten zudem Sonderangebote und saisonale Waren bevorzugen, die sind meistens günstiger. Auch wer selbst kocht, kann im Vergleich zu Fertigprodukten richtig sparen. Kaffee für die Arbeit und ein Brötchen für die Mittagspause kosten selbstgemacht ebenfalls mehrere Euro pro Tag weniger.
Experten empfehlen ein Haushaltsbuch. Was ist das, und warum sollte eigentlich jeder eines führen?
In einem Haushaltsbuch werden idealerweise alle fixen Kosten erfasst, sowohl die monatlichen als auch die viertel-, halb- und jährlichen Kosten. Daneben werden alle Ausgaben des täglichen Bedarfs erfasst, sodass man weiß, wo das eigene Geld hinfließt und ob am Ende des Monats etwas übrig ist. Wenn nicht, hat man zumindest die Kostenfaktoren schwarz auf weiß, sprich die Stellschrauben, an denen sich drehen ließe. Solche Haushaltsbücher gibt es in allen Formen, sei es in Papierform, zum Beispiel über die Verbraucherzentrale Hamburg, als einfache Excel-Tabelle oder als App. Wer wirklich alles aufschreibt, stellt fest, wie schnell sich vermeintlich kleine Ausgaben - hier mal ein Eis oder Schokoriegel, da mal ein Kaffee - zu beachtlichen Summen addieren.
Wie viel Geld sollte ich für Ausgaben zur Seite legen, die nur einmal pro Jahr fällig werden, und welche sind das?
Sicher sein, dass alles berücksichtigt ist, kann nur, wer sich anschaut, wofür er oder sie im vergangenen Jahr Geld ausgegeben hat. Klassiker für nicht regelmäßige Ausgaben sind Versicherungen und Urlaub. Mindestens so viel, wie im Vorjahr dafür floss, sollte wieder beiseitegelegt werden.
Wie viel von meinem Einkommen sollte - falls überhaupt möglich - am Monatsende übrig bleiben?
Erst einmal sollte eine Rücklage aufgebaut werden. Je nach Bedarf sind zwei bis vier Monatsgehälter auf der hohen Kante für Notfälle wie Reparaturen oder Neuanschaffungen sinnvoll. Soll für die Altersvorsorge gespart werden, gibt es verschiedene Wege, die notwendige Sparhöhe zu ermitteln.
Die da wären? Wie viel sollte ich idealerweise als private Rentenvorsorge, also neben den Beiträgen für die gesetzliche Rentenkasse, beiseitelegen bzw. in ein entsprechendes Vorsorgeprodukt einzahlen?
Entweder kann die Rentenlücke errechnet und daraus auf den Sparbetrag geschlossen werden, oder es wird ein Wunschbetrag gespart - oder nur das, was übrig bleibt. Manche Menschen haben schließlich gar nicht genug Geld, andere müssen sich ein wenig zum Sparen zwingen. Zum anderen ist es wichtig, das richtige Produkt zu finden. Ein schlechtes, kostenintensives Produkt kann viel Rendite fressen. Lieber kleinere Beträge in ein gutes Produkt stecken als hohe in ein schlechtes - bei Unsicherheit am besten eine Beratung in Anspruch nehmen.
Wo bekomme ich Hilfe, wenn ich selbst nicht in der Lage bin, meine Ausgaben so weit wie nötig zu senken?
Ein erster Schritt zur Kostensenkung sollte ein ehrlicher Kassensturz sein. Menschen, die sich nicht selbst von eigentlich überflüssigen Ausgaben trennen können - Stichwort Sportstudio, in dem man seit einem Jahr nicht war -, kann eine Budgetberatung in einer Schuldnerberatung helfen. Ohne Einschnitte geht es in manchen Fällen einfach nicht. Manchmal hilft es schon, die Raten an die Bank zu senken. Wenn das bisherige Ausgabeverhalten zu einer Überschuldung geführt hat, können Schuldnerberatungen, etwa von den Verbraucherzentralen, weiterhelfen.