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Nach Täuschungsversuch Darf die Klausur wiederholt werden?

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Bitter.

(Foto: imago stock&people)

Zweimal schon scheitert ein Student an einer Prüfung. Beim dritten Versuch wird er bei einem Täuschungsversuch ertappt. Wegen drei nicht bestandener Prüfungen folgt die Exmatrikulation. Er beruft sich in seiner Not auf eine Covid-Regel der Hochschule.

Gemäß Paragraf 126 b Absatz 1 des Berliner Hochschulgesetzes gelten Prüfungen, die im Sommersemester 2020 und im Wintersemester 2020/2021 abgelegt und nicht bestanden werden, als nicht unternommen.

Diesen Umstand möchte sich ein Student zunutze machen, dessen dritte Prüfung wegen eines Täuschungsversuches als nicht bestanden bewertet und er deshalb exmatrikuliert wurde. Allerdings ohne Erfolg. Das Berliner Verwaltungsgericht (VG) wies die Klage des Mannes ab (Az.: 3 K 489/20).

Wie war der Fall?

Der Kläger studiert an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) Elektrotechnik. Nachdem er die Prüfung im Pflichtmodul Software-Technik bereits zweimal nicht bestanden hatte, unternahm er einen letzten Prüfungsversuch. Hierbei bearbeitete er eine Aufgabe mit identischen Fehlern wie ein weiterer Prüfling, dessen Verfahren ebenfalls vor dem Verwaltungsgericht anhängig ist (Az.: VG 12 K 359/20).

Die Hochschule stellte einen Täuschungsversuch fest, bewertete die Prüfungsleistung als "nicht bestanden" und exmatrikulierte den Kläger. Hiergegen wandte sich der Student und gab an, er habe lediglich eine ähnliche Übungslösung nach den Prüfungsregeln zulässigerweise von seinem Computer übernommen.

Wie war das Urteil?

Das VG teilte seine Darstellung jedoch nicht. Demnach ist die Täuschung über die Eigenständigkeit der Bearbeitung durch den Kläger als erwiesen anzusehen. Die betreffende Aufgabenstellung habe einen singulären Zuschnitt gehabt und die Angaben des Mannes seien nicht plausibel. Die Bewertung der Prüfung als "nicht bestanden" sei nicht zu beanstanden.

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Dem Studenten kommt laut dem Urteil auch nicht die pandemiebedingte Sonderregelung des Berliner Hochschulgesetzes zugute. Denn mit dieser Vorschrift habe der Gesetzgeber lediglich solche Nachteile der Studierenden kompensieren wollen, die diese durch die pandemiebedingten Einschränkungen des Hochschulbetriebs erlitten hätten. An einem solchen Zweckzusammenhang fehle es aber bei Täuschungsversuchen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und zur Berufung zugelassen.

(Dieser Artikel wurde am Freitag, 29. April 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, awi

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