Ratgeber

Teurer Ebay-Irrtum Versehentlicher Sofortverkauf für 1 Euro?

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Auch erfahrene Verkäufer verwechseln schon mal die Buttons bei Ebay.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Wird ein Artikel auf einem Online-Auktionsportal wie Ebay erworben, ist rechtlich ein Kaufvertrag zustande gekommen. Dabei ist das Einstellen des Artikels als verbindliches Kaufangebot zu bewerten. Doch wie verhält sich die Sache bei einem versehentlichen Sofortpreisverkauf?

Wer auf der Online-Auktionsbörse Ebay einen Artikel einstellt, macht ein verbindliches Angebot auf den Abschluss eines Vertrages zum Kauf der entsprechenden Ware. In Ladengeschäften oder Online-Shops sieht die Sache anders aus. Hier stellt die offerierte Ware nur ein Aufforderung an den Kunden dar, seinerseits ein Kaufangebot an den Verkäufer abzugeben. Der Vertragsabschluss erfolgt hier bei Bezahlung an der Kasse.

Doch manchmal begehen die Ebay-Verkäufer auch Fehler und bieten einen Artikel nicht zur Auktion an, sondern zum versehentlichen Sofortkauf. So auch in einem vor dem Amtsgericht (AG) München verhandelten Fall (Az.: 274 C 21792/16).

Schadenersatz von 699 Euro gefordert

Hier stellte der Verkäufer, ein erfahrener Ebay-Händler, dessen Muttersprache nicht Deutsch ist, einen Koffer mit Neuwert von 300 bis 700 Euro zum Sofortkaufpreis von 1 Euro ein. Kurz darauf nahm der spätere Kläger dieses Angebot an. Kurz darauf erkannte der Verkäufer seinen Irrtum und annullierte umgehend sein Angebot. Davon wollte der Käufer jedoch nichts wissen, trat wegen Nichterfüllung vom Kaufvertrag zurück und wollte Ersatz in Höhe des von ihm auf 700 Euro veranschlagten Kofferwertes abzüglich des vereinbarten Kaufpreises von 1 Euro.

Nun war das Amtsgericht gefragt, welches dem Verkäufer recht gab. Demnach ist kein Kaufvertrag zustande gekommen beziehungsweise wurde dieser vom Beklagten wirksam angefochten. Das AG war aufgrund der Angaben des Verkäufers überzeugt, dass dieser tatsächlich einem zur Anfechtung berechtigenden Erklärungsirrtum unterlag, als er sein Angebot zum Sofortkauf einstellte, statt dieses zur Auktion anzubieten.

Nach Einschätzung des Gerichts erscheint es durchaus möglich, dass ein solcher Fehler passiere. Zum einen lägen die entsprechenden Eintragsfelder beziehungsweise Buttons auf der Ebay-Seite eng neben- oder übereinander, so dass eine Verwechslung möglich sei. Zudem wechsele die Online-Auktionsbörse häufiger die Gestaltung, so dass auch erfahrene Nutzer den Überblick verlieren können.

Grundsätzlich dürfen Online-Auktion nur im Ausnahmefall abgebrochen werden, zum Beispiel dann, wenn der angebotene Artikel gestohlen oder beschädigt wird und deshalb eine Herausgabe unmöglich wird. Aber auch wer einen sogenannten Erklärungsirrtum begangen hat - es wurde beispielsweise ein falscher Startpreis oder Sofort-Kaufen-Preis eingegeben - kann die Auktion berechtigt abbrechen. Genauso wie bei einem Inhaltsirrtum. Hier hat der Verkäufer den Artikel versehentlich bei Ebay eingestellt, obwohl er ihn schon anderweitig verkauft hat. Die entsprechende Behauptung muss dem Höchstbietendem im Zweifelsfall aber bewiesen werden können. Ansonsten muss die Ware herausgegeben werden - auch dann, wenn der erzielte Erlös weit unter den Erwartungen des Verkäufers oder dem eigentlich Wert des Artikels liegt. 

Quelle: n-tv.de, awi

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