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Grundsätzlich ist das einfachste Mittel, um Schimmel vorzubeugen, nach wie vor ausreichendes Lüften.
Grundsätzlich ist das einfachste Mittel, um Schimmel vorzubeugen, nach wie vor ausreichendes Lüften.(Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn/dpa)
Mittwoch, 27. September 2017

Schimmelschaden vor Gericht: Wann ist der Vermieter verantwortlich?

Schimmel in der Wohnung kann ein Mangel sein - muss aber nicht. Denn bei der Bewertung, wer für die Schimmelbildung verantwortlich ist, kommt es immer auf die Umstände des Einzelfalls an. Bei der Beweisführung müssen Mieter mitunter einen langen Atem haben.

Vermieter können auch für Schimmelschäden in der Wohnung verantwortlich sein, wenn kein Baumangel vorliegt. Das zeigt ein Urteil des Amtsgerichts Berlin-Mitte (Az.: 9 C 75/15). Die Zeitschrift "Das Grundeigentum" (Heft 17/2017) des Eigentümerverbandes Haus&Grund Berlin berichtete. Im Zweifel müssen Vermieter ihre Mieter nach dem Einbau von Isolierglasfenstern darauf hinweisen, dass ein erhöhter Lüftungs- beziehungsweise Heizbedarf besteht.

In dem Fall hatte die Mieterin einer Einzimmerwohnung Schimmel in der Küche und dem Zimmer festgestellt. Die Hausverwaltung lehnte es ab, die Schäden zu beseitigen, weil sie ihrer Ansicht nach nicht gesundheitsgefährdend waren. Die Mieterin gab ein privates Gutachten in Auftrag, das das Gegenteil bestätigte. Daraufhin ließ sie den Schaden auf eigene Kosten beseitigen und zog dafür elf Wochen aus. Unter anderem wollte die Mieterin nun die Kosten für die Beseitigung in Höhe von rund 1200 Euro und die Ersatzunterkunft in Höhe von knapp 4100 Euro zurück.

Das Gericht gab ihr teilweise recht: Die Kosten für die Schimmelbeseitigung musste die Vermieterin übernehmen. Zwar habe ein Gutachten ergeben, dass keine Baumängel am Gebäude vorliegen. Allerdings habe die Vermieterin vor dem Einzug der Mieterin Isolierglasfenster ohne permanente Lüftung einbauen lassen. Dass hier ein erhöhter Lüftungsbedarf bestehe, habe sie der Mieterin aber nicht mitgeteilt. Die Kosten für die Ersatzunterkunft seien allerdings zu hoch angesetzt. Hier hielt das Gericht die Hälfte für angemessen.

Ausreichend lüften

Grundsätzlich ist das einfachste Mittel, um Schimmel vorzubeugen, nach wie vor ausreichendes Lüften. Denn jeder Mensch produziert Feuchtigkeit, allein durch Atmen und Duschen entstehen pro Kopf schon drei bis vier Liter Wasserdampf in der Wohnung. Und die müssen irgendwann raus.

Am besten stellt man die Fenster - nicht nur im Schlafzimmer - zwei- bis dreimal täglich für fünf Minuten auf Durchzug, das reicht in der Regel für einen vollständigen Luftaustausch. Danach dreht man die Heizung wieder etwas auf. Die Luft wirkt nämlich wie ein Schwamm und je wärmer sie ist, desto besser kann sie Wasser aufnehmen. Und das ist gewünscht, schließlich soll sich die Feuchtigkeit nicht an die Wand setzen. Auch wenn es draußen nass ist, sollte das Lüften nicht ausfallen, denn die feuchte, kalte Luft, die von draußen hereinkommt, kann noch reichlich Wasser speichern, wenn sie erwärmt wird.

Besonders schimmelanfällig sind neben den Außenwand-Ecken auch die Wände hinter Möbelstücken. Damit auch hier Luft zirkulieren kann, sollten Schränke oder Kommoden mit ein paar Zentimetern Abstand zur Wand aufgestellt werden. Oft ist das schon durch die Fußbodenleisten gewährleistet.

Quelle: n-tv.de