Ratgeber
Die Verteilung des Rundfunkbeitrages ist eine Wissenschaft für sich.
Die Verteilung des Rundfunkbeitrages ist eine Wissenschaft für sich.(Foto: imago/RelaXimages)
Sonntag, 17. Dezember 2017

Rundfunkbeitrag im Detail: Wer bekommt was von den GEZ-Milliarden?

Von Axel Witte

Der Rundfunkbeitrag und der zur Zahlung verdonnerte Bürger werden wohl keine Freunde mehr. Drum herum kommen die wenigsten. Da ist es vielleicht ein Trost, zu wissen, wofür die acht Milliarden Einnahmen draufgehen. Bei n-tv.de landen sie zumindest nicht.

Für alle, die nicht einsehen möchten, dass der Rundfunkbeitrag nun mal von fast jedem deutschen Haushalt entrichtet werden muss, gibt es Hoffnung. Nicht nur der Europäische Gerichtshof ist mittlerweile mit der Frage betraut, ob dieser überhaupt rechtens ist, auch das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) wird in dieser Frage tätig. Denn bisher ging das BVerfG von einem staatlichen Auftrag von ARD und ZDF zur Grundversorgung aus, weil Radio- und Fernsehfrequenzen knapp waren. Doch mit dem Aufkommen von Privatsendern und dem Internet könnte sich nun - zwar mit deutlicher Verzögerung - die Beurteilung der Rahmenbedingungen ändern.

Entsprechende Bewertungen liegen aber noch in weiter Ferne und somit werden für die meisten Haushalte hierzulande dann doch 17,50 Euro fällig. Monat für Monat. Auf die Art flossen dem die Beiträge verwaltendem Beitragsservice im vergangenen Jahr satte 7.978.041.425,77 Euro zu. Aus insgesamt 44.871.868 Beitragskonten, welche zu etwa 90 Prozent privaten Haushalten zugeordnet werden - der Rest entfällt auf gewerbliche Gebührenzahler. Damit das Geld eingetrieben und anschließend an die diversen öffentlichen Rundfunkanstalten verteilt werden kann, ist die Hilfe von rund 1000 Mitarbeitern erforderlich.

Aber wohin gehen die fast acht Milliarden Euro überhaupt, wer bekommt was? Und wofür? Zur Beruhigung eines vorneweg, bei n-tv.de lesen Sie gebührenfrei. Sender und Onlineauftritt finanzieren sich ausschließlich über Werbeeinnahmen. Das ist doch schon was - also bitte dranbleiben.

Zurück zu den öffentlich-rechtlichen Sendern, denn die werden via Rundfunkbeitrag gut versorgt.

Und so verteilen sich die monatlichen 17,50 Euro:

  • 0,33 Euro erhalten die Landesmedienanstalt. Diese sind Aufsichtsbehörden für private Radio- und Fernsehprogramme und Internetangebote und werden von den jeweiligen Bundesländern unterhalten.  
  • 0,48 Euro gibt es für das Deutschlandradio.
  • 4,32 Euro erhält das ZDF. Für alle Angebote - auch online.
  • 12,37 Euro bekommt die ARD - inklusive Erstes Deutsches Fernsehen, tagesschau24, One, ARD-Alpha, anteilig Phoenix, Kika, Arte und 3sat sowie Videotext- und Onlineangebote.

Bleiben wir bei der ARD. Diese besteht insgesamt aus neun Landesrundfunkanstalten. Der Großteil des ARD-Anteils von 12,37 Euro, beispielsweise von einem Berliner Haushalt, erhält der Rundfunk Berlin-Brandenburg; 3,85 Euro gehen für sogenannten Gemeinschaftsaufgaben aller ARD-Programme drauf (zum Beispiel für das ARD-Hauptstadtstudio und die Nachrichtensendungen). Analog dazu verhält es sich in Bayern und in anderen Sendegebieten. Sprich, der Bürger finanziert vor allem die Landesrundfunkanstalt, der er geografisch zugeordnet wird. Derart kassiert der Westdeutsche Rundfunk denn auch mit fast 1,2 Milliarden Euro am meisten. Darin sind allerdings auch Werbeeinnahmen enthalten, die aber auch die anderen acht Runkfunkanstalten einnehmen. Hiervon werden natürlich auch Gehälter, Mieten, Fuhrpark, Energiekosten und Equipment et cetera gezahlt. 

Und wie viel Geld fließt in die einzelnen Produktionen? Eine der jährlich 34 bis 39 neuen "Tatort"-Folgen kostet beispielsweise zwischen 1,3 bis 1,5 Millionen Euro - 14 Cent vom Gebührenanteil werden pro Monat für den "Tatort" und den "Polizeiruf 110" verwendet. Wem Mord und Totschlag, gepaart mit solchen Zahlen, die sonntagabendliche Depression zu sehr anheizen und wer deshalb den "FilmMittwoch im Ersten" vorzieht, interessiert dann vielleicht, dass für die 90-minütigen Fernsehfilme der Minutenpreis für die Produktion im Schnitt bei 15.500 Euro brutto liegt. Somit ist auch der Mittwochabend nichts für schwache Tage. Bei vielen anderen Angeboten wie dem KinoFestival, dem PremierenKino oder dem Sommerkino kann die ARD aufgrund der unterschiedlichen Vertragsformen, Filmlängen, der unterschiedlich Ausstattung und Besetzung keinen Minutenpreis angegeben. 

Dass sich das ZDF die Übertragung einiger Spiele der Fußball-Champions-League in den letzten Jahren jährlich schätzungsweise 54 Millionen Euro hat kosten lassen, ist bekannt. Diese fallen ja nun weg. Wer deshalb auf eine Senkung der Beiträge spekuliert, liegt aber wohl dennoch falsch

Quelle: n-tv.de