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Auto geklaut Wer zahlt bei defektem Zündschloss?

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Ein gestohlene Wagen wird von der Kasko-Versicherung ersetzt - wenn keine grobe Fahrlässigkeit vorliegt.

(Foto: imago images / Panthermedia)

Ein gestohlener Wagen wird von der Kasko-Versicherung ersetzt. Allerdings nicht bei grober Fahrlässigkeit des Versicherungsnehmers. Denn wie immer haben diese eine sogenannte Sorgfaltspflicht. Wie verhält es sich, wenn der Wagen nur mit einem Schraubendreher zu starten ist?

Eigentlich sollte man denken, die Sache ist klar: Das Auto wurde gestohlen, die Versicherung zahlt. Wenn der Diebstahl des Wagens durch den Eigentümer mitverschuldet wurde, kann die Sache anders aussehen. Denn verletzt der Versicherungsnehmer seine Sorgfaltspflicht und verschuldet so die Tat mit, kann das Versicherungunternehmen die Zahlung kürzen oder ganz verweigern. Nicht selten wird deshalb darum gestritten, ob bestohlenen Versicherten grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen werden kann.

So auch vor dem Oberlandesgericht (OLG) Hamburg (Az.: 14 U 106/17), worauf die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) hinweist. In dem verhandelten Fall wies der später entwendete Wagen eines Autoeigentümers ein defektes Zündschloss auf, welches dieser nicht reparieren ließ. Das Auto ließ sich lediglich mit einem Schraubenzieher starten. Als das Fahrzeug gestohlen wurde, weigerte sich die Versicherung, den Schaden vollständig zu übernehmen.  

Kasko-Versicherung muss bei Diebstahl zahlen

Begründung: Durch das defekte Zündschloss habe der Versicherte den Schaden mitbegünstigt. Das sah das OLG im anschließenden Gerichtsprozess aber anders. Demnach reicht die vereinfachte Startvorrichtung nicht für eine Mitverursachung aus. Es sei nicht zu überprüfen, ob diese den Diebstahl tatsächlich erleichtert habe. Zudem sei nicht klar, ob der Entschluss des Täters, ausgerechnet dieses Auto zu stehlen, auf dessen Kenntnis des defekten Zündschlosses beruhte, so das Gericht. Noch dazu bemängelte das OLG, dass die Versicherung durch einen früheren Schadensfall Kenntnis von dem defekten Zündschloss hatte. Sie habe aber weder zur Reparatur gedrängt noch den Vertrag gekündigt. Deshalb muss die Versicherung für den Diebstahl in vollem Umfang aufkommen.

Grundsätzlich gilt: Ein gestohlener Wagen wird nur von der Kasko-Versicherung ersetzt. Die Kfz-Haftpflichtversicherung ist zwar Pflicht, aber allein für die Schäden zuständig, welche der Fahrzeughalter anderen zufügt. Aber immerhin muss es keine Vollkaskoversicherung sein, um vor Diebstahl geschützt zu sein. Es tut auch eine günstigere Teilkaskoversicherung.

Diese ist auch gefragt, wenn durch einen Einbruchsversuch Schäden am Wagen entstehen. Eine Rückstufung der Schadenfreiheitsklasse muss der Teilkaskoversicherte übrigens nicht fürchten. Findet sich das Fahrzeug innerhalb eines Monats nach Diebstahl wieder ein, muss es vom Eigentümer auch zurückgenommen werden. Erst nach Ablauf dieser Frist ist der Versicherer in der Pflicht, zu zahlen. Allerdings nicht bei grober Fahrlässigkeit des Versicherungsnehmers. Denn wie immer haben diese eine sogenannte Sorgfaltspflicht.

Quelle: n-tv.de, awi

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