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Dutzende Institute rechnen ab "Wucht der Negativzinswelle" nimmt 2020 zu

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In der Regel sind reiche Privatkunden von Strafzinsen betroffen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das neue Jahr beschert Sparern vielerorts negative Neuigkeiten - im wahrsten Sinne des Wortes. Immer mehr Geldinstitute verlangen von ihren Privatkunden Strafzinsen. Und das ist erst der Anfang, prophezeien Beobachter.

Mindestens 16 Institute, vor allem Volksbanken und Sparkassen, haben nach Daten des Internetportals Verivox in den ersten Wochen 2020 Negativzinsen für Geldanlagen von Privatkunden eingeführt oder bestehende Strafzinsen erhöht. "Die Wucht der Negativzinswelle hat in diesem Jahr noch einmal deutlich zugenommen", sagte Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH.

Maier wies darauf hin, dass die Einführung zunächst nur für Neukunden gelte. Wolle eine Bank von Bestandskunden Strafzinsen erheben, müsse sie dies mit den Betroffenen individuell vereinbaren. Nach Verivox-Daten, für die im Internet veröffentlichte Preisaushänge von 800 Banken und Sparkassen ausgewertet werden, verlangen aktuell 38 Institute Negativzinsen von Privatkunden - in der Regel für Guthaben auf dem Tagesgeldkonto.

Hinzu kämen sieben Finanzhäuser, bei denen das Tagesgeldkonto Gebühren koste. Dadurch entstünden faktisch Negativzinsen, auch wenn sie nicht als solche ausgewiesen seien. In der Regel trifft es reiche Privatkunden. Verivox zufolge verlangen derzeit allerdings fünf Institute für Tagesgeldeinlagen unter 100.000 Euro Negativzinsen - zwei davon verzichteten komplett auf einen Freibetrag.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte kürzlich unter Berufung auf eine Untersuchung des Verbraucherportals Biallo.de berichtet, dass sogar 186 Banken und Sparkassen für das Verwahren von Guthaben Geld verlangen, statt selbst Zinsen dafür zu zahlen. Die Zahl der Häuser, die auf ein sogenanntes Verwahrentgelt pochen, habe sich damit seit Juli 2019 fast verdoppelt. Bereits 86 Banken und Sparkassen langten demnach auch bei Privatkunden zu. Im Juli 2019 seien es nur 30 Geldinstitute gewesen.

Staatlicher Garantiezins vorgeschlagen

CSU-Finanzpolitiker Hans Michelbach geht davon aus, dass Bankkunden künftig noch mehr mit Strafzinsen konfrontiert sein werden. "Die Spirale wird sich weiter drehen", sagte Michelbach der "Passauer Neuen Presse". Dadurch leide das Vertrauen der Menschen in die Soziale Marktwirtschaft. "Die Leute sagen, es kann doch nicht sein, dass ich auf mein sauer verdientes Geld bei der Bank auch noch selbst Zinsen zahlen muss." Michelbach schlägt einen vom Staat aufgelegten Innovationsfonds mit einem Garantiezins von zwei Prozent als sichere Anlagealternative vor.

Geschäftsbanken müssen mittlerweile 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Auch wenn es neuerdings Freibeträge für bestimmte Summen gibt, bleibt dies für die Branche eine Milliardenbelastung. Die Kosten geben immer mehr Geldhäuser inzwischen weiter und berechnen ihren Kunden Negativzinsen. Nach Angaben der Bundesbank gab es im vergangenen Jahr 1783 Banken und Sparkassen in Deutschland.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa