Reise

Von Canterbury bis nach Rom 2000 Kilometer: Pilgern bis zur Erschöpfung

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Pilger nehmen große Anstrengungen auf sich, um ihr Ziel zu erreichen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Jeden Tag bis zu 30 Kilometern wandern: Was für viele nach einer Qual klingt, tun sich viele Leute freiwillig an. Pilgern ist in. Ob Jakobsweg oder Via Francigena, die Pilger gehen dabei körperlich an ihre Grenzen und manchmal auch darüber hinaus.

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Auf dem Pilgerweg durchqueren die Wanderer Kulturstädte und wilde Landschaften.

(Foto: Karl-Heinz-Gurris)

Über 260.000 Menschen sind im vergangenen Jahr den Jakobsweg entlanggewandert. Sie alle stehen am Ende in der Kirche von Santiago die Compostela. Am Schlusspunkt ihrer beschwerlichen Reise erhalten sie in einem Gottesdienst den kirchlichen Segen und reisen danach müde in ihre Heimatländer zurück. Der Jakobsweg ist auf den Pilgertourismus ausgelegt und schon Entertainer Hape Kerkeling beschrieb in seinem Bestseller "Ich bin dann mal weg", wie sich die Menschen auf dem bekanntesten aller Pilgerwege auf die Touristen eingestellt haben.

Auch Karl-Heinz Gurris hat 2011 die Route bezwungen, doch nach dem bekannten Jakobsweg wollte er noch mehr – das Pilgerfieber ließ ihn nicht mehr los. Seine zweite große Wanderung führte ihn von Canterbury in England über Frankreich durch die Schweiz bis nach Italien. Sein Ziel: der Petersplatz in Rom.

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Das Ziel des Frankenweges ist der Petersplatz in Rom. Karl-Heinz Gurris ist über 2000 Kilometer gewandert.

Seine Frankenweg-Bilanz liest sich eindrucksvoll: "Zwei paar durchgelaufene Schuhe, zwei Paar durchlöcherte Wanderstrümpfe, 6 Kilogramm Gewichtsverlust. Insgesamt waren es 2000 Kilometer in 85 Tagen", so der Pilger aus dem hessischen Bauernheim. Zahlen, die wenig beschreiben, an wie vielen Kirchen und Denkmälern, Dörfern und Städten er vorbeigezogen ist. Für ihn war es eine Reise, die Körper und Geist entschleunigte und bei der nur zählte, die Tagesetappe zu schaffen, um dann eine Unterkunft zu suchen, zu essen und zu nächtigen. 

Auf einer Route, die weniger touristisch ist, ist das allerdings gar nicht so einfach. Denn nicht überall sind Pilger alltäglich. So auch in einem französischen Dorf, erinnert sich Gurris: "Die Unterkunft sollte vom Bürgermeister organisiert werden. Doch so oft wir den Bürgermeister auch anriefen, wir warteten Stunden, bis wir endlich den Platz für unsere Übernachtung zugewiesen bekamen. Am Ende hätten wir fast in der Kirche geschlafen, weil die wenigstens noch offen war." Doch nach vielen Stunden der Warterei gab es die ersehnte Unterkunft. Pilgern kann ganz schön nervenraubend sein.

Gemeinsam mit zwei anderen Begleitern bezwang Karl-Heinz Gurris die Strecke. Das Durchhaltevermögen musste groß sein, denn das Trio überquerte gemeinsam den Grossen St. Bernhard. Ein Anstieg, der auch für geübte Wanderer nicht leicht zu bewältigen ist. In Italien ist die Pilger-Infrastruktur wieder deutlich besser, doch in Rom gab es dann eine kleine Enttäuschung. Jeder Pilger, der quittiert bekommt, dass er das Ziel erreicht hat, erhält einen Platz bei der Audienz des Papstes. Doch Papst Franziskus war in jener Woche nicht da. Trotz dieser kleinen Enttäuschung war die Freude über das Ziel deutlich größer: "Die Erlebnisse der Gesamttour kann uns keiner nehmen, der Weg hat sich auch ohne Generalaudienz gelohnt". Wer über 2000 Kilometer pilgert weiß eben, was er geleistet hat.

Quelle: n-tv.de, sgu

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