Reise

Renovierung und Kontrollen Istanbuls Basarhändlern fehlen die Touristen

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Viele Händler mussten schon ihre Geschäfte schließen.

(Foto: imago/Westend61)

Der Große Basar in Istanbul ist in die Jahre gekommen und muss renoviert werden. Doch viel mehr leiden die Händler darunter, dass weniger Touristen kommen. Nach vielen Anschlägen in der Türkei ist die Lage für den Tourismus weiterhin schwierig.

Viele kennen die Szenerie aus dem James-Bond-Film "Skyfall": die Landschaft aus roten Ziegeln auf dem Dach des Großen Basars in Istanbul. Wo sich im Film Stuntmen eine rasante Motorradjagd lieferten, sind jetzt Bauarbeiter in gelben Westen mit Schubkarren unterwegs. Der Große Basar wird renoviert - nicht nur wegen der Schäden, die die Dreharbeiten damals auf dem Dach des jahrhundertealten Komplexes verursachten.

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Der Gewürzbasar war früher deutlich besser besucht.

(Foto: imago/Westend61)

Viele Ladenbesitzer in dem Markt auf der historischen Halbinsel von Istanbul haben keine gute Erinnerungen an die Dreharbeiten. Zu viel Schaden sei angerichtet worden. "Ein paar Ziegel mögen kaputtgegangen sein", beschwichtigt dagegen der stellvertretende Bürgermeister des Stadtteils Fatih, Okan Erhan Oflaz. "Aber wenn Sie sich den Großen Basar ansehen, dann gibt es ohnehin keinen Stein, der nicht brüchig ist." Der Basar ist einer der größten und ältesten überdachten Märkte der Welt. Sein Bau begann 1455, zwei Jahre nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen. Heute verbergen sich 3000 Geschäfte in dem Labyrinth aus Ladengassen, 30.000 Menschen arbeiten hier. 2014 war der auf Türkisch Kapalicarsi (überdachter Markt) genannte Basar die meistbesuchte Touristenattraktion der Welt.

Ausländische Besucher bleiben weg

Doch seit vergangenem Jahr bleiben die Touristen aus. Die wiederholten Anschläge in Istanbul und der autoritäre Kurs von Präsident Recep Tayyip Erdogan haben viele Urlauber abgeschreckt. Seit einem Attentat der Dschihadistengruppe Islamischer Staat auf eine deutsche Touristengruppe vor der Blauen Moschee im Januar 2016 ist die Zahl westlicher Besucher in der Bosporus-Metropole massiv gesunken.

Der Rückgang der Touristen macht vielen Geschäftsinhabern zu schaffen. Hunderte Läden haben im Basar schon schließen müssen, und auch viele andere haben Probleme, die Miete zu zahlen. Der Putschversuch von Teilen des Militärs am 15. Juli 2016 und die politischen Turbulenzen, die darauf folgten, haben den Tourismus weiter einbrechen lassen. Die Renovierung soll den Großen Basar nun wieder attraktiver machen, auch für die Einheimischen. Brände und Erdbeben haben ihn über die Jahrhunderte immer wieder beschädigt. Überall bröckeln die Mauern. Heute setzen dem Komplex zudem die eigenmächtigen Umbauten der Ladeninhaber zu, die überall auf dem Dach ihre Satellitenschüsseln installiert haben.

Im Winter wird es im Basar feucht, im Sommer macht Verkäufern und Kunden die Hitze zu schaffen. "Das Dach muss repariert werden. Wenn es regnet, ist alles überschwemmt", sagt Omer, der in seinem Laden bestickte Kissen verkauft. Er beklagt, dass die umgerechnet 75 Euro, die Ladenbesitzer monatlich für den Erhalt des Basars zahlen müssen, nicht richtig verwendet würden.

Sicherheitsvorkehrungen werden verdoppelt

"Ich glaube, die Renovierung wird sich positiv auf den Basar auswirken", sagt dagegen Numan, der in den mit blauen Kacheln verzierten Gewölben ein Souvenirgeschäft mit traditionellen Tellern und Schüsseln betreibt. "Es wird eine Belüftung für den Sommer und eine Heizung für den Winter geben." Die Eingänge zum Basar wurden bereits vor Kurzem verändert: Dort gibt es wegen der Gefahr von Anschlägen nun Sicherheitskontrollen. "Wir haben die Sicherheitsvorkehrungen verdoppelt", sagt Vize-Bürgermeister Oflaz, in dessen Stadtteil Fatih auch andere wichtige Sehenswürdigkeiten wie die Hagia Sophia und die Blaue Moschee liegen, die als potenzielle Anschlagsziele gelten.

Zehn Millionen Türkische Lira (2,6 Millionen Euro) sind für die Renovierung des Dachs veranschlagt. Die Kosten für die Sanierung des gesamten Basars werden auf 200 Millionen Lira geschätzt. Sie soll vier Jahre dauern. Doch ein mehr als 500 Jahre altes Gebäude werde niemals ganz fertig sein, sagt Oflaz. "Der Große Basar ist ein Ort mit Geschichte. Den kann man nicht von heute auf morgen renovieren."

Quelle: ntv.de, Fulya Ozerkan, AFP