Reise

Aktionen rund ums Reformationsjahr Luthers Erbe soll Touristen locken

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Die Lutherstädte rechnen zum Jubiläumsjahr mit vielen Besuchern.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Bundesländer Thüringen oder Sachsen-Anhalt erwarten im Lutherjahr 2017 ein ordentliches Besucherplus. Der berühmte Kirchenmann Martin Luther wird dabei auch ordentlich vermarktet.

Es gibt "Luther-Tinte" zum Trinken, eine App mit dem Titel "Luther to go", Sonderausstellungen und jede Menge anderer Attraktionen: Das 500. Reformationsjubiläum in diesem Jahr hat nicht nur große kirchen- und weltgeschichtliche Bedeutung. Vor allem in Mitteldeutschland soll Luther als Zugpferd auch den Tourismus kräftig ankurbeln - im Reformationsjahr erwarten besonders Sachsen-Anhalt und Thüringen einen Besucheransturm. Vor allem das sachsen-anhaltische Wittenberg hat sich für das Jubiläum herausgeputzt. Erst vor drei Monaten wurde die für rund acht Millionen Euro sanierte Schlosskirche, an deren Tür Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel angeschlagen haben soll und wo er auch begraben liegt, wiedereröffnet. Ein Magnet ist auch das 360-Grad-Panorama, das die Stadt zu Luther-Zeiten zeigt.

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An diese Kirchentür soll Luther seine 95 Thesen angeschlagen haben.

(Foto: picture alliance / Hendrik Schmi)

Nicht zuletzt wird Wittenberg neben Berlin zentraler Ort des Evangelischen Kirchentags sein. Zu einem Festgottesdienst auf den nahen Elbwiesen werden Ende Mai etwa 200.000 Menschen erwartet. Neben Wittenberg und Eisleben, Luthers Geburts- und Sterbeort, zählt Sachsen-Anhalt insgesamt rund 60 Orte, an denen Luther sich aufhielt oder die mit ihm verbunden sind - laut Landesregierung ein "exklusives kulturelles Erbe".

Werben um protestantische Besucher

Das Land sehe in dem Jubiläum "eine große Chance für den Tourismus", sagt Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD). Bereits im vergangenen Jahr gingen die Gästezahlen in dem Bundesland, das sich als "Ursprungsland der Reformation" versteht, nach oben. Auch für 2017 rechnet die Investitions- und Marketinggesellschaft "mit einem Übernachtungsplus zwischen anderthalb und zwei Prozent". Die Marketingexperten umwerben dabei nicht nur kräftig Inlandstouristen, sondern haben auch die protestantisch geprägten Auslandsmärkte im Visier, allen voran die Niederlande, Schweden, Dänemark, aber auch die USA. In Übersee warb Sachsen-Anhalt im vergangenen Herbst eigens mit einer sogenannten Roadshow durch mehrere Städte für Reisen zu den Luther-Originalschauplätzen.

Wie Sachsen-Anhalt wirbt auch Thüringen, das sich seinerseits als "Kernland" der Reformation sieht, offensiv mit Luther - etwa auf Autobahnschildern mit Wartburg-Motiv. Immerhin ist die Wartburg, wo Luther das Neue Testament übersetzte, mit 350.000 Besuchern im Jahr die meistbesuchte Luther-Stätte weltweit. Thüringen erwartet dieses Jahr bis zu eine halbe Million zusätzliche Tagesgäste. "Das Luther-Jahr 2017 muss ein Zugpferd für den Thüringen-Tourismus werden", erklärt Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Seit 2012 steckte sein Haus etwa sechs Millionen Euro in die touristische Infrastruktur samt Parkplätzen, Beschilderung und Touristenzentren sowie in die Vermarktung.

Luther-App für Reiseroute

Eines der wichtigsten Projekte war der Ausbau des Luther-Wegs, der über tausend Kilometer alle wichtigen Luther-Orte in dem Bundesland verbindet. Dazu wurde eine Luther-App als digitaler Reisebegleiter entwickelt, die unter anderem über Sehenswürdigkeiten, Hotels und Gaststätten informiert. Es gibt auch Luther-Schokolade und "Luther-Tinte" - als Edelbrand. Der Tintenfleck, den Luther auf der Wartburg durch ein geworfenes Tintenfass hinterlassen haben soll, existiert nicht mehr - dafür eben jetzt Hochprozentiges. Das gezielte Marketing zahlt sich auch für Thüringen aus: Bei den Gästeankünften etwa aus den USA gibt es bereits einen Zuwachs von 22 Prozent.

Bärbel Grönegres, Geschäftsführerin der Thüringer Tourismus GmbH, sieht im Reformationsjahr auch eine große Chance weit über das Jubiläum hinaus. Die 21 Reformationsorte und Luther-Stätten in Thüringen seien für die Touristen aus aller Welt "wie ein Schaufenster in ein neues Land". "Sie kommen wegen der Wartburg, aber sie kommen wieder wegen Bach, Goethe, Bauhaus oder der wunderschönen Natur", hofft Grönegres. Auch Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Willingmann setzt auf einen nachhaltigen Luther-Effekt. Er hofft generell auf ein "neues Besucherniveau in den Luther-Städten".

Quelle: ntv.de, Andrea Hentschel, AFP

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