Reise
Langläufer in Passo Coe.
Langläufer in Passo Coe.(Foto: Sonja Gurris)
Samstag, 20. Januar 2018

Sportlich in Alpe Cimbra: Wie Wintersport für blutige Anfänger gelingt

Von Sonja Gurris, Folgaria

Verschneite Pisten und Loipen, imposante Bergketten und viele skiaffine Menschen findet man in Alpe Cimbra im winterlichen Trentino. Dumm nur, wenn man nicht Skifahren kann. Aber kein Problem: Auch für Anfänger in Sachen Wintersport gibt es Hilfe.

In den Skigebieten von Alpe Cimbra - in Folgaria, Lavarone und Lusern - herrschen Bedingungen wie im Winterwunderland. In den Höhen liegt Schnee, der Himmel strahlt blau, die Wintersportler sind mit großer Freude unterwegs. Man ärgert sich, wenn man die Pisten nicht nutzen kann.

Wer noch nie auf Skiern gestanden hat, dem fehlt natürlich die Erfahrung. Die sportliche Lucia weiß allerdings genau, wie man Wintersportfrischlinge auf das Skivergnügen vorbereitet. Sie ist seit Kurzem Langlauf-Skilehrerin in Passo Coe (Folgaria) und bringt so ziemlich jeden auf die Bretter. Sie sagt: "Wir machen zunächst ein paar Übungen hier in der Loipe" und zeigt dabei auf eine 80 Meter langes Stück mit zwei vorgefertigten Bahnen für den klassischen Skilanglauf. "Und dann machen wir das auch mal ohne die Stöcke", erklärt die 22-Jährige.

Lucia bringt Urlaubern das Langlaufen bei.
Lucia bringt Urlaubern das Langlaufen bei.(Foto: Sonja Gurris)

Dabei ist es schon gar nicht so leicht, ohne fremde Hilfe die Schuhe in die Langlaufski einzuklicken. Aller Anfang ist schwer. Mit Stöcken und Skiern bewaffnet, geht es dann auf in die klassische Loipe. "Du musst dein Gewicht immer mittig halten, damit du in der Balance bleibst." Gesagt, getan. Die ersten Meter funktionieren ganz gut. Doch dann - zack, rums, liegt man auch schon auf dem Hinterteil. Es ist also doch nicht so einfach, wie es aussieht. Erst recht nicht, wenn die Abfahrt ansteht, natürlich nur eine mit geringem Neigungswinkel.

Nach einer Stunde mit Übungen mit und ohne Stock will Lucia ein wenig Risikobereitschaft bei ihrer Läuferin sehen. Es geht bergab. Im Fernsehen sieht das immer so leicht aus, doch bei einer längeren Strecke kann es mitunter ziemlich schnell werden. Angst sollte man dann tunlichst nicht haben: "Geh immer schön in die Knie - hab keine Angst und in der Kurve musst du den Körper einfach ein bisschen in die Kurve legen", weist sie mit einem breiten Lächeln ein. Es funktioniert. Auch wenn Lucia ab und zu mal die Arme ausfährt, um bei einer steileren und umso schnelleren Abfahrt zu unterstützen.

Wenn sich der Oberschenkel meldet

Hier im großen Langlaufgebiet von Alpe Cimbra herrschen Top-Bedingungen. Es gibt Langlauf-Loipen für den klassischen Stil, aber auch genug Möglichkeiten für Skater. Heftig wird es erst beim richtigen Anstieg. Aus der Spur hinaus - die Skikanten nach innen und nach vorne bewegen. "Bei Marit Bjørgen sieht das so leichtfüßig aus", kommt es dem Skilanglaufneuling sofort in den Sinn. So viel Krampf und Kampf in Oberschenkeln und Beinen erwartet man nicht.

Langlauf beansprucht den ganzen Körper und natürlich auch die Konzentration.
Langlauf beansprucht den ganzen Körper und natürlich auch die Konzentration.(Foto: Sonja Gurris)

Rund drei Stunden dauert die Langlaufeinführung für totale Anfänger. Das Gute daran: Danach beherrscht man zumindest ein wenig die Grundtechnik. Ein echtes Erfolgserlebnis, wenn man die ersten Kilometer halbwegs sturzfrei über die Runden bekommt. So könnte er also sein - ein Urlaub als echter Wintersportler. Kurz vorm Ende fällt man dann schnell nochmal auf die Nase und weiß kaum, wie man wieder nach oben kommen soll. Da braucht es wohl doch noch etwas Übung, um sich galant in der Loipe zu bewegen. Die eine oder andere Bruchlandung muss also einkalkuliert werden. Am Ende fügt Skilehrerin Lucia hinzu: "Dieser Bereich hier ist sehr flach und wir haben viele Loipen. Die Langläufer können hier zwischen 1-, 3-, 5- und 15-Kilometer-Loipen wählen. Es gibt also Möglichkeiten für jeden Typen - vom Anfänger bis zum Athleten." Doch wer ohne Wintersportkenntnisse ins Trentino fährt, hat noch mehr Optionen.

Keine Technik, dafür aber ein wenig Kondition braucht man als Schneeschuhwanderer. Alpe Cimbras Berge und Wanderwege bieten endlose Möglichkeiten, um kilometerweit bei Tag und auch bei Nacht zu wandern. Zugegeben, diese Form der Schuhe - quasi Riesen-Latschen, wenn man die Erweiterung anschaut - ist am Anfang ist etwas gewöhnungsbedürftig. Paolo ist Bergführer und lebt im kleinen Serrada. Er liebt die Natur und ist täglich im Trentino unterwegs, um Gästen von nah und fern die Bergwelt zu zeigen. "Auf den Berg nehme ich Familien mit Kindern ab 10 Jahren mit", erklärt er, während er mit seinen roten Schneeschuhen losstapft. Den Berg hinauf in Richtung der Festung Forte Dosso del Sommo wird den Wanderern ganz schön warm.

Schneeschuhwanderungen sind Natur- und Sportspektakel.
Schneeschuhwanderungen sind Natur- und Sportspektakel.(Foto: Sonja Gurris)

Dicke Kleidung, große Schritte und die Steigung machen sich bemerkbar. Bei der Winterkleidung ist eindeutig das Zwiebelprinzip zu empfehlen, sodass man eine Schicht auch zwischendurch ablegen kann. Angekommen am Berg nach 30 Minuten Marsch bietet sich ein fantastischer Panoramablick über die Umgebung von Serrada. "Hier ist eine der sieben Forts, die Österreich-Ungarn vor dem Ersten Weltkrieg als Schutzfront gegen die Italiener gebaut hat - es gibt in der Umgebung also noch sechs andere", erläutert Paolo. Mehr von diesen historischen Spuren erkennt man auf den Weg ins Tal. Bergab ist das Schneeschuhwandern definitiv ein bisschen weniger anstrengend. Allerdings hat auch der Abstieg seine Tücken - und kostet manchmal auch Überwindung: "Hier gehen wir nun den Berg herunter. Der richtige Weg liegt dahinten, aber wir sind hier mit der Abkürzung etwas schneller", beschließt der Bergführer.

Tipps & Infos Alpe Cimbra
  • Das Gebiet Alpe Cimbra liegt im Trentino-Südtirol und umfasst die Orte Folgaria, Lavarone und Lusern mit 50 Pisten und 104 Kilometern.
  • Flugreisende können über die Flughäfen Verona, Venedig-Tessera oder Venedig-Treviso anreisen und benötigen dann noch einen Transfer in die Region.
  • Neben Skifahren sind Skitouren, Langlauf, Schneeschuhwanderungen, Fatbike- sowie Hundeschlittenfahren die beliebtesten Winteraktivitäten.
  • Im Gebiet Millegrobbe Lavarone gibt es ein großes Skilanglaufareal, auf der Hütte "Malga Millegrobbe" auch Wellness und Sauna.
  • Größere Hotels gibt es vor allem in Folgaria, unter anderem das 3-Sterne-Alpenhotel Eghel, das sich für Familien eignet.
  • Langlauf-Anfänger können in Passo Coe/Folgaria Einführungskurse machen.
  • In Alpe Cimbra kann man zudem die Festungen aus dem Ersten Weltkrieg besichtigen. Unter anderem gibt es das Museum "Forte Belvedere" in Lavarone. Insgesamt stehen im Gebiet sieben Festungen.
  • Weitere Informationen über Angebote vor Ort bietet der Tourismusverein von Alpe Cimbra.
Fünf Minuten Adrenalin pur

Als Schneeschuhanfänger beginnt dann ein echtes Abenteuer. Einen steilen Abhang hinunter ohne Wegmarkierung und ohne Möglichkeiten, sich festzuhalten - das wird zum Adrenalin-Erlebnis. "Und hier wollen wir runter?", schießen die ängstlichen Gedanken in den Kopf. Aber Bergführer kennen da nichts - runter geht es immer. Irgendwie. Mit trippeligen Schritten und mit Schneckentempo funktioniert es dann doch. "Sehr gut, sehr gut", motiviert Paolo immer wieder. Dann ist es endlich Zeit für etwas entspanntes Wandern auf dem vorgegebenen Weg. Mal mit, mal ohne Schneeschuhe und manchmal auch mit Spikes unter den Stiefeln.   

Teilweise führt der Weg durch die österreichischen Schützengräben des Ersten Weltkrieges. Die Natur ist hier eine echte Idylle. Man kann sich einfach nicht vorstellen, was hier vor 100 Jahren geschehen ist. Es ist der große Kontrast, der diese Natur- und Historientour so spannend macht. Besonders, wenn man immer wieder kleine Verstecke und Anlagen findet, die hier noch mitten in der Natur liegen und von Besuchern angeschaut werden können.

Ob Langlauf-Auftakt oder Schneeschuh-Wanderpremiere: Auch für absolute Wintersportanfänger lohnt sich ein Start mit den Aktivitäten. In der nicht so überlaufenen Region Alpe Cimbra gibt es etliche Möglichkeiten, sich auch ohne Skifahrer-Ambitionen sportlich auszutoben und die Natur zu genießen. Auch ohne die rasante Abfahrt auf den steilen Pisten ist der Muskelkater bei anderen wintersportlichen Aktivitäten deutlich spürbar.

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Pressereise entstanden.

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Quelle: n-tv.de