Reise
Dick eingepackt ist das Kajakfahren im Winter kein Problem.
Dick eingepackt ist das Kajakfahren im Winter kein Problem.(Foto: Sonja Gurris)
Samstag, 24. Februar 2018

Im Nebel des Brienzersees: Winter-Kajakfahren - eiskalt oder genial?

Von Sonja Gurris, Interlaken

Wer im Winter in der Schweiz unterwegs ist, denkt zunächst an Skifahren, Schneeschuhwandern und Schlittenfahren. Kajakfahren haben im Winter wohl die wenigsten Urlauber auf dem Programm. Zu Unrecht.

Die Berge rund um den Brienzersee sind kaum zu sehen. Nebelschwaden hängen über dem Wasser und lassen eine weite Sicht zum Ende des Sees kaum zu. Es ist ein kalter Wintermorgen im Berner Oberland und im ersten Moment möchte man lieber ins warme Bett zurück. Doch das hält Kajakguide Dave, einen geborenen Briten und verliebt in die Schweiz, nicht davon ab, mit einer Gruppe rauszupaddeln - mit dem Kajak. Ist das nicht zu kalt? Mal abwarten. Vor der Ausfahrt auf den winterlichen See kommt erst einmal das Umziehen.

In einer ehemaligen Sporthalle rund 200 Meter vom Ufer entfernt teilt Dave erstmal Anzüge aus, die aussehen, als seien sie für eine Angeltour gedacht: "Diese Trockenanzüge halten euch richtig warm, aber ihr müsst sie auch richtig anziehen, damit später kein Wasser unter die Schichten kommt", erklärt er mit großem Enthusiasmus. Der Anzug sieht zumindest vertrauenswürdig aus. Das ist gut - das Wasser ist schließlich nur zwei Grad kalt.

Lila Socken, die den Winter an den Füßen vertreiben

Tourguide Dave gibt letzte Anweisungen, bevor die Touristen samt Trockenanzug ins Kajak steigen.
Tourguide Dave gibt letzte Anweisungen, bevor die Touristen samt Trockenanzug ins Kajak steigen.(Foto: Sonja Gurris)

Das Anziehen dauert locker mal zehn Minuten. Es gibt noch eine Besonderheit beim Winterkajak: Der Guide verteilt dicke Stricksocken. "Am Anfang haben die Winterkajaker immer gesagt, dass sie kalte Füße hatten - und dann haben wir lange im Internet nach den wärmsten Socken gefunden und hier sind sie", lacht der aus Manchester stammende Brite. Und er soll recht behalten: Die Füße sind warm.

Das giftgrüne Kajak liegt erstaunlich ruhig auf dem See. Es ist eine mystische Stimmung. Die Berge liegen grau in den Nebenwolken, ein paar tieffliegende Vögel durchbrechen die Stille mit ihren Rufen. Selbst mit einer Gruppe spürt man die Stille des Sees, denn jeder für sich bedient das Paddel gedankenversunken und bewegt sich Zug um Zug in Richtung Seemitte.

Informationen und Beratung Schweiz Tourismus:

Telefon 00800 100 200 30 (kostenlos)
Telefax 00800 100 200 31 (kostenlos)

www.MySwitzerland.com
info@myswitzerland.com

Touristeninformationen Interlaken:
http://www.interlaken.ch/de/erleben-sie-interlaken.html

Hightide Kayak School: https://hightide.ch/de/

Auch Dave genießt diese Momente: "Wir haben vor einigen Jahren mit dem Winterkajak angefangen. Und es fasziniert die Menschen, schließlich gibt es im Winter eine ganz besondere Atmosphäre, wenn die Sicht verhangen ist und dann langsam die Sonne zwischen den Bergen hervorkommt", sagt er und ist mit wenigen Armstößen schon wieder einige Meter voraus. In der Gruppe sind auch zwei junge US-Amerikanerinnen. Für sie und andere College-Studenten ist Interlaken in der Schweiz so etwas wie eine Trend-Destination für Outdoor-Aktivitäten. Im Winter kommen US-Studenten zu Hunderten in die Region. "Wir wollten unbedingt etwas Außergewöhnliches machen und das ist das Winter-Kajakfahren mit Blick auf die verschneiten Bergspitzen da oben auf jeden Fall", erklärt Isabel und macht von ihrer Freundin im roten Kajak gleich noch einmal ein Foto. Sicherlich macht sich das auch gut bei Instagram und den Freunde daheim.

Eine Idylle, die zum Nachdenken anregt

Beim Kajakfahren im Winter herrscht eine ganz besondere Stimmung.
Beim Kajakfahren im Winter herrscht eine ganz besondere Stimmung.(Foto: Hightide Kayak School)

Nach 45 Minuten ruft Dave: "Wir fahren jetzt an den Klippen da vorne entlang und steigen am Ufer aus." Nebenbei erzählt er, dass an der steilen Klippe an Sommertagen die Kletterer unterwegs sind. Mühsam heben sich die Beine aus dem Kajak. Es geht eine Treppe hinauf. Von einer Aussichtsplattform blickt man auf den winterlich vernebelten Brienzersee. Kalt ist es nicht, es ist viel angenehmer als gedacht. Auf dem Rückweg über den See zeigt sich dann der Zauber, den Dave beschreibt.

Die Sonne zeigt sich zumindest ein wenig über den hohen Berghängen. Man kann erahnen, wie sie bald über dem See strahlen wird. Aber für den Sonnengenuss sind die Winterkajaker gar nicht da - sie wollen das Besondere. Eine mystische Stimmung, die sich nur an den kalten Tagen so richtig zeigt. Kein Kälteschock, dafür aber viele Impressionen, die die Seele ein wenig zur Ruhe kommen lassen, bevor an Land wieder die Instagram-Accounts gefüllt und die Fotos in die weite Welt hinaus gepostet werden.

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Pressereise entstanden.

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Quelle: n-tv.de