Sport

"Doping-Doc" verliert Approbation Britische Anti-Doping-Kämpfer unter Druck

4294d53d818ceee8d58782c014eebca9.jpg

(Foto: dpa)

150 Spitzesportler sollen sich bei einem Londoner Arzt jahrelang illegale Mittel zur Leistungsförderung besorgt haben. Ein Skandal, der einen gewaltigen Schatten auf die renommierten britischen Anti-Doping-Kämpfer wirft - weil die weggeschaut haben sollen.

Die Beschuldigten wollen von einem Skandal nichts wissen - dafür konzentriert sich die Kritik nach den Enthüllungen über angeblich 150 in Großbritannien gedopte Top-Sportler auf die nationale Anti-Doping-Agentur Ukad. Inzwischen hat sich auch die Politik eingeschaltet. Der britische Sportminister John Whittingdale kündigte eine Untersuchung der Vorwürfe an, denen zufolge die Organisation seit zwei Jahren informiert war, aber keine Schritte einleitete.

Für Ukad, aber auch die Anti-Doping-Kämpfer weltweit kommen die Beschuldigungen zur Unzeit. Bisher galt die britische Organisation als Vorbild und hat derzeit eine Schlüsselrolle im Weltsport inne. Nach dem Skandal in der russischen Leichtathletik ist Ukad für die Dopingkontrollen im russischen Sport zuständig. Zudem berät sie die Task Force des Internationalen Olympischen Komitees vor den Sommerspielen in Rio de Janeiro. Dort soll die Agentur unter anderem Lücken im Kontrollsystem aufdecken.

"Ziemlich schreckliche Nachrichten"

"Es sind ziemlich schreckliche Nachrichten", sagte Craig Reedie, Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur bei BBC 5. Der bisher nicht unbedingt als kompromissloser Aufklärer aufgefallene Brite betonte aber auch, dass man zuerst die interne Untersuchung von Ukad abwarten solle: "Dann haben wir das gesamte Wissen und die Fakten, mit denen wir arbeiten können. Mein Eindruck ist: Hätten sie ausreichende Beweise gehabt, hätten sie auch gehandelt."

Daran bestehen aber Zweifel: Obwohl sich bereits Anfang 2014 ein anonymer Zeuge - angeblich ein Amateur-Radfahrer - an die Agentur gewandt hatte und den Arzt Dr. Mark Bonar beschuldigte, sah sich Ukad nicht zum Handeln imstande. Man hätte nur Maßnahmen gegen Personen ergreifen können, die unter die Sportgerichtsbarkeit fielen, erklärte die Vorstandsvorsitzende Nicole Sapstead. Warum Ukad aber die Informationen nicht zumindest an das General Medical Council, die britische Ärztekammer, weiterleitete, ist ungeklärt. "Die Agentur ist ihrer Aufgabe nicht gewachsen", kritisierte die Zeitung "Independent".

Fehlten eindeutige Beweise?

Nach britischen Medieninformationen sollen die Hinweise damals allerdings nicht so eindeutig gewesen sein, wie sie am Sonntag die "Sunday Times" und die ARD-Dopingredaktion öffentlich machten. Allerdings seien Ukad später mindestens zwei handschriftliche Rezepte vorgelegt worden. Dass männliche Athleten einen Frauenarzt in offenbar hoher Frequenz besuchten, erregte ebenfalls keinen Verdacht.

Bonar selbst hatte in der Dokumentation vor versteckter Kamera angegeben, 150 britische Sportler, darunter auch Fußballer aus englischen Topklubs, mit Dopingmitteln versorgt zu haben. Alle in Verdacht geratenen Vereine wiesen dies unmittelbar zurück. Beschuldigt wurden zudem auch Kricket-Spieler, Tour-de-France-Teilnehmer und ein britischer Boxer.

Inzwischen hat die Klinik, in der Bonar private Praxisräume gemietet hatte, den Vertrag mit ihm aufgelöst. Es war bekannt geworden, dass der 38-Jährige keine Lizenz der GMC besitzt und damit eigentlich nicht hätte praktizieren dürfen. Zudem teilte die Klinik mit, dass es in ihren Aufzeichnungen keine Hinweise darauf gebe, dass andere britische Topsportler Bonars Praxis besuchten.

Quelle: ntv.de, tno/sid/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen