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WM-Märchen ohne Happy End? DHB-Team rockt - trotz einer Schwäche

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Den Sieg vor Augen, am Ende Platz vier: Das DHB-Team sorgte bei der Heim-WM für positive Werbung in eigener Sache.

(Foto: picture alliance/dpa)

Am Ende reicht es nur für Platz vier, der Medaillentraum platzt in Herning. Trotzdem haben die deutschen Handballer bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land viel richtig gemacht. Es bleibt aber eine zentrale Problemzone im Spiel des Teams von Bundestrainer Christian Prokop.

Es hätte nicht mehr Drama sein können, mit dem die deutschen Handballer die Weltmeisterschaft beendeten. Eine bittere 25:26-Niederlage gegen Frankreich in letzter Sekunde bedeutete das Verpassen einer Medaille und sorgte für ein bitteres Ende für eine Mannschaft, die einen solchen Abschluss mit dem Auftreten der vergangenen zweieinhalb Wochen nicht verdient hatte. Am Ende standen der vierte Rang und die Erkenntnis, das eigene Land in eine Euphorie für den eigenen Sport versetzt zu haben. Die positiven Eindrücke überwogen, obwohl es gestern nicht zur erhofften Bronzemedaille reichte. Die wichtigsten Erkenntnisse der Heim-WM aus deutscher Sicht:

1. Trainer und Team haben Zugang zueinander gefunden

Vor einem Jahr war das erste Turnier mit Bundestrainer Christian Prokop krachend gescheitert. Der heute 40-Jährige hatte versucht, seine Idee vom Handball auf eine Mannschaft zu übertragen, die ablehnend darauf reagierte, auf diese Weise bevormundet werden zu sollen. Bei der WM im eigenen Land haben der Coach und die Spieler gezeigt, dass sie Lehren gezogen haben. Die Mannschaft zeigte sich den Ideen von Prokop gegenüber offener und der war bereit, den Akteuren mehr Eigenverantwortung zu übertragen. Das Ergebnis: Die deutsche Nationalmannschaft trat als Einheit auf, Bundestrainer und Spieler verfolgten ein großes gemeinsames Ziel. Es bleibt zu hoffen, dass diese Symbiose über den Zeitraum der Heim-WM hinaus anhält.

2. Es fehlt ein Regisseur von internationalem Format

Die Verletzung von Martin Strobel in der Hauptrunde schockte die deutsche Mannschaft, denn der 32-Jährige von der HBW Balingen-Weilstetten hatte bis dahin ein starkes Turnier gespielt. Dass hier ein Bedarf besteht, bewies die Nominierung von Strobel, der zwei Jahre lange keine Rolle mehr gespielt hatte. Dennoch fehlte der deutschen Mannschaft ein Topmann auf der Mitte. Es gibt keinen Ausnahmekönner wie den Dänen Mikkel Hansen oder Sander Sagosen aus Norwegen. Paul Drux und vor allem der erst 22-jährige Tim Suton müssen in den kommenden Jahren nachweisen, dass sie internationale Klasse haben, vielleicht setzt sich auch die Erkenntnis durch, dass Linkshänder Fabian Wiede dauerhaft als Spielmacher fungieren muss.

3. Die Abwehr ist Weltklasse

Mal wurde sie als "Mauer von Berlin" tituliert, später als "Mauer von Köln" - die Abwehr der deutschen Mannschaft genügte höchsten Ansprüchen, auch wenn die Norweger im Halbfinale gezeigt haben, dass jede Mauer niedergerissen werden kann. "Wir können die beste Abwehr der Welt stellen", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Egal, ob in der gewohnten 6:0-Formation oder in einer offensiveren 3:2:1-Variante, mit Leidenschaft, Wille und klugem Kopf schafften es die Deutschen, immer wieder für Verzweiflung beim Gegner zu sorgen. Weil die DHB-Auswahl jetzt zwei Systeme nahezu perfekt beherrscht und dadurch an Flexibilität gewonnen hat, stimmt die Aussage von Hanning. Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek fügten sich im Innenblock zu einer perfekten Symbiose zusammen.

4. Uwe Gensheimer ist ein echter Kapitän

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Uwe Geinsheimer: Deutscher Superstar in Diensten von PSG.

(Foto: picture alliance/dpa)

An der individuellen Qualität von Uwe Gensheimer hatte es nie Zweifel gegeben. Der Linksaußen gehört seit vielen Jahren zu den weltweit besten Spielern auf seiner Position, viele behaupten sogar, er sei der beste Linksaußen der Welt. Seine herausragende Qualität stellte er während der Heim-WM unter Beweis, auf "Uwe" war auf dem Spielfeld Verlass. Seiner Rolle als Kapitän wurde er nicht nur als Leistungsträger gerecht, sondern auch abseits des Platzes, denn er stellte sich jedem Interview und erfüllte jeden Autogrammwunsch. Das große Pensum nach den Spielen absolvierte er nach Siegen ebenso wie nach Niederlagen - Gensheimer trug die Binde nicht nur, er verdiente sie auch.

5. Deutschland ist ein Handball-Land

Beim Duell zwischen Brasilien und Island waren mehr als 14.000 Zuschauer in der Kölner Arena und sorgten für eine fantastische Stimmung. In Sachen Begeisterung hat Deutschland Ko-Gastgeber Dänemark deutlich ausgestochen. Auch die Münchener Arena, in der keine Spiele der DHB-Auswahl ausgetragen wurden, erlebte eine tolle Atmosphäre, sodass sich nicht nur die Deutschen heimisch fühlen konnten. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte Erwin Feuchtmann, nachdem der Chilene mit deutschen Wurzeln nach einer Niederlage seiner Mannschaft im Presidents-Cup, der Platzierungsrunde der schwachen Nationen, von mehr als 13.000 Zuschauern in Köln für ein starkes Match gefeiert wurde. In keinem Land der Welt ist der Handball mehr zu Hause.

Quelle: n-tv.de

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