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"Nehmen großen Rückenwind mit" DHB-Team setzt auf Fans und "weltbeste Abwehr"

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Rund 19.000 Zuschauer warten in Köln auf die Fortsetzung der WM-Handballparty des DHB-Teams.

(Foto: imago)

Nach einer beachtlichen Vorrunde tanken die deutschen Handballer frisches Selbstvertrauen und nehmen bei der WM Fahrt auf. Der kommende Gegner Island flößt dem Team Respekt ein. Doch Spieler und Betreuer kennen ihre eigene Stärke - und die tobenden Fans.

Fans großartig, Spielformationen geprobt, Zusammenhalt bombenfest: Das deutsche Team kommt bei der Handball-WM so richtig in Schwung. Die Vorrunde in Berlin hat der Mannschaft von Christian Prokop gutgetan. In fünf Partien in Berlin bewies sie sich selbst, ihren Fans und Kritikern, dass sie auf den Punkt vorbereitet ist. Der Zwist mit Prokop ist Vergangenheit, die Spieler haben zusammengefunden und stärken sich gegenseitig - so läuft es bei der Weltmeisterschaft ziemlich anständig. Mit 3:1-Punkten zieht Deutschland souverän als Gruppenzweiter hinter Weltmeister Frankreich in die Hauptrunde ein. Das sei sportlich gesehen das Wichtigste, so Prokop. In der Tat: Das ist eine hervorragende Ausgangslage für das selbst ausgerufene WM-Ziel Halbfinale.

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Mannschaftlich gesehen hat die Runde ebenfalls Positives gebracht: Die Spiele hätten gezeigt, dass die Abwehr stimmt, deren Einsatz, die Laufwege, die Absprachen, erklärte ein sehr zufriedener Bundestrainer nach dem lockeren 31:23-Sieg gegen Serbien. Der aufgrund der Tabellensituation bereits vor Anpfiff unwichtig gewordenen Partie wollte kein Spieler zu viel Bedeutung beimessen. Aber: "Ich glaube, für uns war das Spiel als Mannschaft wichtig", sagte Torhüter Silvio Heinevetter nach seinem ersten Einsatz über 60 Minuten. "Es war für manche Spieler ein Eröffnungsspiel, das haben wir sehr gut gelöst. Das kann für den weiteren Verlauf noch sehr wichtig werden." Abwehrchef Finn Lemke ergänzte: "Wir nehmen großen Rückenwind mit, denn wir wollten mit einem Sieg in die Hauptrunde starten. Es war für uns schön für das Gefühl."

"Stärkste Abwehr der Welt"

Seine Mannschaft sei gut aufgestellt, mit "Leuten, die emotional pushen" und den "coolen Köpfen", die Ruhe reinbringen, sagte Prokop. Kapitän Uwe Gensheimer bekam ein gesondertes Lob: Er sei in Topform und nehme auch noch großartig das Publikum mit. Linksaußen Matthias Musche sagte: "Ich finde, wir haben Selbstvertrauen getankt, weil wir kein Spiel verloren haben. Das ist schon ein sehr gutes Zeichen." DHB-Vizepräsident Bob Hanning setzte noch eins drauf: "Wir haben die stärkste Abwehr der Welt, darauf müssen wir unser Spiel in Köln aufbauen."

In Köln startet morgen die Hauptrunde des Turniers. Auf die deutsche Mannschaft warten Spiele gegen Island, Spanien und Kroatien, die sich in der Gruppe B durchgesetzt haben. Lemke gab sich ob der kommenden Gegner selbstbewusst: "Gegen alle haben wir eine Chance zu gewinnen", sagte er - während Prokop pflichtschuldig zu Protokoll gab, dass es nun keine einfachen Spiele mehr gebe. Musche bremste das Tempo bereits: "Wir brauchen nicht ewig weit vorausblicken. Wir müssen uns fokussiert auf das erste Spiel vorbereiten und um mehr geht es eigentlich erst einmal nicht."

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Los geht es am Samstag gegen die Isländer (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de), die drei Bundesliga-Spieler in ihrem Kader haben: Bjarki Elisson von den Füchsen Berlin, Arnor Gunnarsson vom Bergischen HC sowie den Kieler Gisli Kristjansson. Rückraumspieler Paul Drux analysierte spontan: Die Isländer "sind extrem spielstark und machen vor allem im Angriff wenig technische Fehler. Da gilt es für uns, hinten gut zu stehen und vorn müssen wir viel Druck ausüben, damit wir einfache Tore machen können." Und der Bundestrainer? Sprach von seinem Kollegen Gudmundur Gudmundsson, der dem Team neue Impulse gebracht habe. Außerdem habe er gehört, dass die Isländer viele Fans mit nach Deutschland gelockt hätten. Er erhoffe sich deswegen ein Fanfest mit dem besseren Ende für seine Mannschaft.

Mit 16 Mann gegen Island

Anders als Musche es sich wünscht, schien der Bundestrainer doch schon vorauszublicken. Denn vor allem der Respekt vor dem amtierenden Europameister Spanien war ihm anzusehen - wohlgemerkt, bevor die Iberer am Donnerstagabend eine 23:19-Klatsche gegen Kroatien kassierten. Die Spanier sind daher mit 2:2-Punkten nur Vierter der Hauptrundengruppe 1 und müssen sich für das Halbfinal-Ticket ordentlich strecken. Kroatien dagegen, angeführt von Star Domagoj Duvnjak vom THW Kiel, thront mit 4:0 Punkten an der Tabellenspitze und flößt damit allen Gegnern Respekt ein. Das deutsche Team sollte da Drux‘ Vorrundenfazit beherzigen: "Wir können gegen jeden Gegner nicht nur mitspielen, sondern auch das Spiel gestalten. Ich glaube, das haben uns nicht alle vor dem Turnier zugetraut. Wir haben das gut gelöst."

In die Hauptrunde wird das DHB-Team dann wieder mit 16 Spielern starten. Ob der derzeit verletzte Steffen Weinhold einsatzbereit sein wird, vermochte Prokop nicht zu sagen. Mit Kai Häfner hat er allerdings bereits einen Ersatzmann zum Team beordert, der gegebenenfalls nachnominiert wird. Und dann gibt es ja noch einen für alle Gegner unberechenbaren Unterstützer: die deutschen Fans. In die Arena in Köln passen noch einmal etwa 6000 Zuschauer mehr als in die Berliner Halle. "Wir können uns auf Köln freuen, die Spiele sind alle so gut wie ausverkauft und da wird das von der Unterstützung ähnlich sein", blickt Drux voraus. Etwa 19.000 Zuschauer warten auf die absolute Handballparty. Gewappnet mit Klatschpappe, Stimmgewalt und Enthusiasmus können sie aus dem DHB-Team womöglich die nötigen Extraprozente herauskitzeln - um den Traum vom WM-Halbfinale wahr werden zu lassen.

Quelle: n-tv.de

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