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Weltmeister mit diesem Rückraum? Deutschlands Handballer haben ein Problem

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(Foto: imago/Agentur 54 Grad)

Die deutschen Handballer würden schon gerne Weltmeister werden, es gibt nur ein Problem. Im Rückraum haben viele Spieler mit sich und ihrer Form zu kämpfen. Zu viele für den großen Wurf? Auch Bundestrainer Christian Prokop weiß: In der Offensivzentrale werden Spiele entschieden.

Es geht um nicht weniger als den Titel. Für den Deutschen Handballbund galt stets das Ziel, bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land das Endspiel zu erreichen, zumindest aber das Halbfinale. An diesem Donnerstag (ab 18.15 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) startet die deutsche Mannschaft mit der Partie in Berlin gegen Korea in das Turnier. Das Team von Bundestrainer Christian Prokop wird gegen die Asiaten gewinnen, danach aber warten deutlich anspruchsvollere Aufgaben. Und erst dann wird sich zeigen, ob der Rückraum stark genug für das hohe Ziel ist. Denn in diesem so wichtigen Mannschaftsteil haben viele Spieler mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen, mit einer Ausnahme.

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"Martin hat ganz viel Klasse und ganz viel Routine."

(Foto: imago/Andreas Gora)

Steffen Weinhold ist mit seinen 32 Jahren einer der erfahrensten Spieler der deutschen Mannschaft. Der Linkshänder vom THW Kiel ist kein Lautsprecher, gibt aber durchaus intern mit einigen anderen die Richtung vor. Mutmaßlich hat er bereits darüber nachgedacht, wer bei der WM mit und neben ihm im Rückraum spielen wird und mit welchen Problemen sich die Kollegen herumplagen. Letztlich ist eigentlich nur Weinhold frei von Sorgen. Er hat seine Klasse und seinen Wert längst bewiesen, kam ohne große Blessuren durch die vergangenen Monate und spielt mit Kiel seit Jahren auf dem allerhöchsten Niveau. Der Heim-WM, dem Traum eines jeden Sportlers, kann Weinhold unbelastet entgegenblicken.

Die deutsche Mannschaft ist in vielen Teilen ausgezeichnet aufgestellt, auf den Außenpositionen und am Kreis haben die Akteure Weltklasseformat, im Tor sind Andreas Wolff und Silvio Heinevetter in der Lage, für Verzweiflung beim Gegner zu sorgen. Insgesamt kann die DHB-Auswahl eine Defensive aufbieten, an der sich selbst die besten Teams die Zähne ausbeißen. "Die Abwehr war nie unser großes Problem", sagt Kreisläufer Hendrik Pekeler vom THW Kiel. Der Angriff hingegen schon.

In der Zentrale entscheidet sich der Erfolg

Es war deshalb naheliegend, dass Bundestrainer Christian Prokop in der Vorbereitung auf die WM das Angriffsspiel in den Mittelpunkt der Trainingsarbeit gestellt hat. In der Zentrale der Offensive entscheidet sich der Erfolg. Wenn die Spieler im linken und rechten Rückraum sowie auf der Position des Spielmachers Druck machen und Torgefahr ausstrahlen, schaffen sie automatisch Raum für die starken Kreisläufer oder die Außenspieler. Weinhold und seine Kollegen müssen nicht immer selbst zum Abschluss kommen, aber sie müssen Chancen kreieren, indem sie Eindruck auf die Abwehr des Gegners machen.

In den vergangenen Monaten und auch bei den Vorbereitungsspielen gegen Tschechien (32:24) und Argentinien (28:13) gab es dabei immer wieder Probleme, was daran liegt, dass außer Weinhold kein Spieler unbelastet zum Nationalteam kam. Steffen Fäth gehörte beim EM-Sieg vor drei Jahren zu den Leistungsträgern, spielte zuletzt bei den Rhein-Neckar Löwen aber kaum noch. "Bei der Nationalmannschaft geht es jetzt für mich jetzt wieder los", sagte der Mann mit der großen Wurfkraft. Paul Drux und Fabian Wiede, beide von den Füchsen Berlin, haben ihr Können international längst bewiesen, waren aber lange verletzt und kehrten erst vor wenigen Wochen aufs Spielfeld zurück.

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Eine Frage des Niveaus: Fabian Böhm.

(Foto: imago/Claus Bergmann)

Ohne Verletzungssorgen, dafür aber auch ohne internationale Erfahrung, müssen Fabian Böhm von der TSV Hannover-Burgdorf und Franz Semper vom  SC DHfK Leipzig erst zeigen, dass sie das Niveau haben, der deutschen Mannschaft bei einem großen Turnier helfen zu können. Das gilt für Martin Strobel nicht, aber der Spielmacher der Europameister-Sieben von 2016 spielt seit anderthalb Jahren für seinen Heimatklub Balingen-Weilstetten in der Zweiten Liga.

Sein Comeback im Oktober überraschte, denn die Gegner des spielintelligenten Mittelmannes hießen zuletzt zum Beispiel TuS Ferndorf - und nicht Frankreich wie in ein paar Tagen. "Martin hat ganz viel Klasse und ganz viel Routine. Er schafft diese Umstellung und wird uns helfen", ist Teamkollege Pekeler überzeugt. Frankreich, aktueller Weltmeister und am Dienstag nächster Woche der härteste Gegner der Deutschen in der Vorrunde in Berlin, offenbart im Vergleich den Qualitätsunterschied. Die Rückraumakteure des Turnierfavoriten stehen beim FC Barcelona, Paris Saint-Germain, HBC Nantes oder KC Veszprem unter Vertrag, ausnahmslos bei internationalen Topklubs. Das liefert den Franzosen einen Startvorteil und die Deutschen müssen nachweisen, dass sie den individuellen Rückstand mit den Fans im Rücken ausgleichen können - den eigenen Problemen zum Trotz.

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Quelle: n-tv.de

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