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Handball-Streit mit Prokop passé Pekeler führt DHB-Team leise zur WM

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Kreisläufer Hendrik Pekeler überzeugt seit mehreren Jahren durch konstante Leistungen im DHB-Team.

(Foto: imago/Camera 4)

Im vergangenen Jahr gehörte Hendrik Pekeler zu den teaminternen Kritikern von Handball-Bundestrainer Christian Prokop. Vor der WM im eigenen Land haben sie sich angenähert. Insbesondere der Kieler Kreisläufer ist in eine neue Rolle gewachsen.

Sollten die deutschen Handballer bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land erfolgreich sein, dann könnte das auch etwas damit zu tun haben, dass Hendrik Pekeler T-Shirts im Din-A4-Format zusammenlegen kann. "Das habe ich bis heute beibehalten", sagt der Kreisläufer vom THW Kiel. Zwei Monate lang, zu Beginn des Jahres 2010, lernte der Nationalspieler während der Grundausbildung bei der Bundeswehr Ordnung im Kleiderschrank. Aber nicht nur das. Es änderte sich etwas in seinem Leben. Er bekam den Dreh. Aus dem schlampigen Talent wurde ein Chef, ein Führungsspieler in der Nationalmannschaft, der seinen Anspruch ab Donnerstag und dem WM-Eröffnungsspiel in Berlin gegen Korea auf dem Platz verdeutlichen will.

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Auch beim THW Kiel gehört Hendrik Pekeler zu den Führungsspielern.

(Foto: dpa)

Jahrelang begannen die Geschichten über den heute 27-Jährigen mit seiner wilden Zeit als Jungprofi. Das Talent hatte er, keine Frage. Doch mit 18 Jahren fehlte Pekeler der Fokus auf den Profisport, in Kiel setzte er sich zunächst nicht durch. Es bedurfte der Zeit bei der Bundeswehr und der Stationen beim Bergischen HC von 2010 bis 2012 und beim TBV Lemgo von 2012 bis 2015, ehe er bereit war, zu einem Spitzenteam wie den Rhein-Neckar Löwen zu wechseln. Die Grundausbildung war dabei nicht nur wegen der Kleiderordnung entscheidend.

"Da lernt man, dass man es nur zusammen schaffen kann, das hat mich extrem geprägt", sagt Pekeler. Talent und Mentalität fanden zueinander und sorgten dafür, dass aus dem Hallodri einer wurde, der andere mitreißt und antreibt. "Ich habe gerne Verantwortung und versuche, die Mitspieler zu leiten. Ich glaube, dass mein Wort Gewicht hat", erklärt der 2,03 Meter große Hüne. Innerhalb der Nationalmannschaft ist er nicht der einzige Spieler, der führen soll. Das sollen auch Kapitän Uwe Gensheimer, Steffen Weinhold, Finn Lemke und Silvio Heinevetter. Pekeler ist keiner, der mit Gesten seine Stellung untermauert und während des Spiels herumbrüllt. Er führt durch Leistung, mehr noch als seine Kollegen.

Leistungsträger im DHB-Team und beim THW Kiel

"Hendrik spielt eine ganz wichtige Rolle für mich", sagt Christian Prokop. "Er ist mein Ansprechpartner für Situationen in der Abwehr und auch darüber hinaus." Der Bundestrainer schätzt seinen Kreisläufer, beide vertrauen sich. Vor einem Jahr, während und nach der Europameisterschaft in Kroatien, die mit dem enttäuschenden neunten Platz endete, war das noch anders. Pekeler war einer der Spieler, die Prokop kritisch gegenüberstanden. Als der Kreisläufer nach dem Remis gegen Slowenien zugab, sich über Prokops Vorgaben hinweggesetzt zu haben, wurde der Streit zwischen den Akteuren und dem neuen Trainer offenkundig. Es spricht für beide, dass sie die Probleme überwunden haben.

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Vor der Heim-WM haben sich DHB-Trainer Christian Prokop und Kreisläufer Hendrik Pekeler zusammengerauft.

(Foto: imago/Claus Bergmann)

Dass Prokop dem Kieler mehr Verantwortung überträgt, ist klug. Pekeler hat gezeigt, wie wichtig er ist. Es ist kein Zufall, dass die THW in dieser Saison zum ersten Mal seit Jahren gefestigt und stabil wirkt. Die Löwen hingegen, das dominierende Team der jüngeren Vergangenheit, haben eben diese Eigenschaften verloren, seit Pekeler im Sommer zurück nach Kiel gewechselt war. Der Kreisläufer hat im Angriff und in der Abwehr gleichermaßen große Stärken. Beim THW übernahm Pekeler schnell die Rolle, die er auch im Nationaltrikot spielt. "Ich habe mir selbst gesagt, dass ich vorangehen muss, wenn wir erfolgreich sein wollen."

Pekelers Führungsanspruch lässt sich auch statistisch untermauern. In den vergangenen drei Jahren war kein deutscher Spieler erfolgreicher. Mit der Nationalmannschaft war er am EM-Sieg 2016 und dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen einige Monate später beteiligt. Mit dem Verein gewann er zwei Meisterschaften und einmal den DHB-Pokal. "Ich kenne Stresssituationen und die Wege, sie zu lösen." In dieser Spielzeit ist er mit dem THW in der Meisterschaft, im nationalen Pokal und im EHF-Cup noch aussichtsreich im Rennen. Vieles deutet darauf hin, dass die persönliche Titelsammlung 2019 erweitert wird. Möglicherweise schon im Januar? Dazu äußert sich der Kreisläufer nicht. Hendrik Pekeler ist meinungsstark und führungsbereit - aber kein Lautsprecher.

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Quelle: n-tv.de

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