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Schachturnier wird abgebrochen Die letzte Corona-Bastion im Sport fällt

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Beim Schach können 1,5 Meter Abstand nicht gewahrt werden.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Obwohl fast alle Sportarten bereits wegen des Coronavirus gestoppt sind, lässt sich der Schach-Weltverband nicht von seinem Turnier abhalten. Auch die Kritik der Teilnehmer wirkt nicht. Erst das Auslandsflugverbot der russischen Regierung lässt die Veranstalter einknicken.

Eine der weltweit letzten Bastionen des Sports, die ihren Spielbetrieb trotz der Corona-Pandemie aufrechterhalten haben, ist gefallen. Das Kandidatenturnier zur Ermittlung des Herausforderers von Schach-Weltmeister Magnus Carlsen ist am Donnerstag im russischen Jekaterinburg vorzeitig abgebrochen worden. Das teilte Arkadi Dworkowitsch, der Präsident des Weltverbandes Fide, mit.

Am selben Tag hatte die russische Regierung für Freitag angekündigt, den Luftverkehr mit anderen Ländern vorerst einzustellen. "Wir können das Turnier nicht fortführen ohne die Garantie, dass Offizielle und Spieler sicher in ihre Heimat zurückkehren können", heißt es in der Fide-Mitteilung.

Die Spieler hatten zuvor bereits deutlich gemacht, dass sie die Situation mindestens fragwürdig finden. So hatte der Russe Ian Nepomnijatschtschi laut "Spiegel" gesagt: "Die Atmosphäre hier macht es schwierig, sich gesund zu fühlen." Mitfavorit Fabio Caruana aus den USA berichtete demnach von einer "nervösen Stimmung im Hotel". Der Aserbaidschaner Teimour Radjaboc hatte sogar kurzfristig seine Teilnahme abgesagt. Der Russe Alexander Grischuk hatte den Abbruch des Turniers zumindest gefordert - der erst deutlich verspätet vollzogen wurde.

Gegner von Magnus Carlsen gesucht

Das Turnier mit acht Spielern werde zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt. Der Stand nach sieben von 16 angesetzten Runden behalte seine Gültigkeit. Nach dem letzten Durchgang am Mittwoch lagen Nepomnijatschtschi und Maxime Vachier-Lagrave aus Frankreich mit jeweils 4,5 Punkten in Führung. Dahinter folgte Caruana mit vier Zählern.

Der Sieger des Turniers in Jekaterinburg soll nach derzeitigem Stand im Dezember 2020 Champion Magnus Carlsen herausfordern. Der Norweger gilt bei Sportwettenanbieter Bwin mit einer Quote von 1,5 als klarer Favorit auf eine erfolgreiche Titelverteidigung. Caruana (5,00) wird als der stärkste Herausforderer eingeschätzt.

Quelle: ntv.de, ara/sid