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Fußball-Zeitreise, 6.4.2002 Die spektakulärsten Eigentore der Geschichte

Torwart Tomislav Piplica ist nach seinem Eigentor fassungslos.

Torwart Tomislav Piplica ist nach seinem Eigentor fassungslos.

(Foto: imago/Höhne)

Er macht sich durch sein herrlich einprägsames Eigentor unsterblich: Vor 17 Jahren fällt dem Torhüter von Energie Cottbus, Tomislav Piplica, die Kugel auf den Kopf und von da ins Tor. Einzigartig. Doch es gibt noch mehr kuriose Eigentore in der Bundesliga.

Wissen Sie, was die sechs Fußballspieler Karim Haggui, Nikolce Noveski, Dieter Bast, Per Röntved, Gerd Zimmermann und Dieter Pulter verbindet? Nein? Dann haben Sie noch einen Moment Zeit. Überlegen Sie einfach einmal. Vielleicht kommen Sie drauf. Später dann mehr dazu. Nun aber erst einmal zum Anlass dieser Fußball-Zeitreise. Es ist ohne Zweifel eines der populärsten Eigentore in der Bundesliga-Geschichte.

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Manchmal hilft nur ein großes Bier.

(Foto: imago/Hentschel)

Und erzielt hat es am 6. April 2002 der Cottbusser Torhüter Tomislav Piplica. Alles begann damit, dass sein Mitspieler Radoslav Kaluzny einen harmlosen Schuss des Gladbachers Marcel Witeczek sehr unglücklich abfälschte. Der Ball machte eine hohe Bogenlampe, senkte sich unmittelbar vor der Torlatte wie ein schwerer Stein nieder und tropfte vom Hinterkopf des verdutzten bosnischen Torwarts Tomislav Piplica zum 3:3-Endstand ins eigene Netz.

Der Keeper von Energie Cottbus war konsterniert: "Es ist meine Schuld. Ich habe gedacht, der Ball fällt auf die Latte." Und Witeczek meinte schmunzelnd: "Fast schon eine Geschichte für Stefan Raab." Natürlich ließ sich der TV-Entertainer Raab dieses Schmankerl in der Folge nicht entgehen - und Piplica erreichte aufgrund seiner Slapstick-Einlage so etwas wie Kultstatus.

"Der Franz ist zurzeit unser schärfster Gegner"

In der Bundesliga hat die Geschichte der Eigentore eine lange Tradition. Noch heute necken sich zwei herausragende Persönlichkeiten des deutschen Fußballs öffentlich auf den Bühnen dieser Welt, wenn es um dieses Thema geht. Damals, in der Spielzeit 1974/1975, sah die Lage zwischen den beiden noch etwas komplizierter aus. Nach zwei Eigentoren des großen Franz Beckenbauer in Folge war der Torwart des FC Bayern, Sepp Maier, sichtlich angefressen. Für die folgenden Spiele gab er deshalb das launige Kommando aus: "Der Katsche Schwarzenbeck soll ab jetzt den Franz decken, nicht mehr den Torjäger vom Gegner. Der Franz ist zurzeit unser schärfster Gegner."

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Sepp Maier und Franz Beckenbauer waren sich wegen der Eigentore des Liberos lange nicht grün.

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Den Maier’schen Humor konnte Beckenbauer allerdings nicht so recht teilen: "Wenn du noch einmal was sagst zu den Burschen, dann knie ich mich vor dem vollen Stadion vor dich hin und bete dich an, dich, den großen Fehlerlosen!" Übrigens: Er war ein wahrer Eigentor-Experte. Und so verabschiedete er sich bei seinem Wechsel zu Cosmos New York standesgemäß. Er hob den Ball dem Gladbacher Wittkamp mit einem 18-Meter-Heber so wunderschön auf den Kopf, dass dieser die Kugel nur noch sanft mit dem Scheitel ins eigene Netz befördern musste.

"Ich musste einfach lachen"

Das wohl lustigste Eigentor der Bundesliga-Geschichte schoss der Schalker Hannes Bongartz in der Saison 1977/78. Bei dem historischen Debakel - mit 1:7 gingen die Königsblauen in München unter - sorgte der "Spargeltarzan" für einen kollektiven Lachanfall. Genau in dem Moment, in dem Bongartz den Ball im Netz versenkte, prustete er lauthals los - vor den Augen und Ohren einer extra installierten Hintertorkamera. Bongartz konnte seine humorvolle Reaktion noch Jahre später selbst nicht ganz einordnen: "Ich musste einfach lachen. Das war nicht zu verstehen!"

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Jürgen Pahl versuchte sein Eigentor mit Coolness zu überspielen - auswechseln ließ er sich trotzdem.

(Foto: imago/Alfred Harder)

Die Vorgeschichte zu einem der ungewöhnlichsten Eigentore eines Torhüters in der Bundesligahistorie ist durchaus kurios. Eigentlich war der Eintracht-Keeper Jürgen Pahl eine Bank - und vor allem kein Mann der großen Worte. Doch seit er für eine Immobilien- und Anlageberatungsgesellschaft arbeitete, warb Pahl in der Stadionzeitschrift mit diesem Spruch: "Schießen Sie kein Eigentor, kommen Sie zu mir, ich berate Sie gerne!" Interessant wird dieser Satz erst dann, wenn man weiß, dass er ihn VOR seinem legendären Fauxpas verwendete. Denn erst eine Saison später sollte ihm die folgende Aktion unterlaufen, für die er bis heute in jedem Rückblick über Eigentore genannt wird. Am 16. Spieltag der Saison 1982/83 wollte Pahl in Bremen den Ball abwerfen, sah aber im letzten Moment, dass sein Adressat Ralf Falkenmayer gar nicht mehr zu ihm zurückschaute, sondern nur nach vorne.

"Solche Eier passieren nur großen Torhütern"

Doch leider konnte der Keeper den abgebremsten Schwung nicht mehr kontrollieren. Pahl driftete mit dem ganzen Körper Richtung Boden ab, und die Kugel kullerte aus seiner Hand - ins Tor hinein. Bereits nach drei Spielminuten war die Partie vorentschieden. Zur Halbzeit ließ sich Pahl auswechseln. Trotzdem versuchte er sich die spektakuläre Aktion mit einem lockeren Spruch schönzureden: "Solche Eier passieren nur großen Torhütern."

Eigentore mit einem kriminellen Hintergrund sind wohl in der Saison 1990/1991 gefallen. Nürnbergs Vlado Kasalo wurde verdächtigt, in den Spielen gegen den VfB Stuttgart und den Karlsruher SC jeweils absichtlich ein Eigentor erzielt zu haben. Nachdem der 1. FC Nürnberg erfuhr, dass Kasalo Stammkunde in Spielcasinos war, wurde er beurlaubt. Die Absicht bei seinen Eigentoren konnte man Kasalo allerdings nicht nachweisen.

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Es war jedoch der Beginn einer Phase, in der kuriose Gerüchte um den Kroaten die Runde machten. Es wurde erzählt, dass er Militärfahrzeug-Bestände der Bundeswehr in großem Stil legal aufkaufte. Überwiegend Jeeps, natürlich ohne die Waffen auf den hinteren Trageflächen. Die wurden vorher von einer Spezialfirma entsorgt - einem Unternehmen, das unter Kasalos Namen gelaufen sein soll.

Die (Eigen-)Torschützenkönige

Doch kommen wir zurück zur Ausgangsfrage dieser Zeitreise-Folge. Haben Sie noch einmal nachgedacht? Schwierig, oder? Nun die sechs Fußballspieler Karim Haggui, Nikolce Noveski, Dieter Bast, Per Röntved, Gerd Zimmermann und Dieter Pulter verbindet, dass sie alle in einem einzigen Bundesligaspiel jeweils zwei Eigentore erzielt haben. Das schmälert die ästhetische Glanzleistung des Cottbusser Torhüters Tomislav Piplica in seiner eigentlichen Dramatik doch wesentlich, oder?

Ach, übrigens: Es geht natürlich immer noch schlimmer. Der "Holsteiner Kurier" berichtete einmal über den Wittorfer Spieler Paulsen: "Er brachte das Kunststück fertig, zwischen der 70. und 80. Minute einen lupenreinen Eigentorhattrick hinzulegen. Gleich dreimal in Folge lenkte der Unglücksrabe das Leder ins eigene Tor und sorgte damit für die Entscheidung."

Quelle: n-tv.de

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