"Großmutter" und Mega-AufregerDiese Super-Bowl-Show ist eine schallende Ohrfeige für Donald Trump

Es ist ein Mittelfinger direkt ins Gesicht des Präsidenten: Donald Trump wütet, denn die Super-Bowl-Halbzeitshow singt Bad Bunny. Der Weltstar aus Puerto Rico verkörpert alles, was die Trumpisten hassen - und sendet eine wichtige Nachricht an alle Großmütter.
In San Francisco ist die Vorfreude riesig. Überdimensionale Plakate weisen auf den größten aller Superstars hin, die beim Super Bowl auf dem Rasen stehen werden. Er heißt Bad Bunny und trägt weder Helm noch Trikot. Der globale Popstar tritt bei der diesjährigen Halbzeitshow auf und selbst bei seiner offiziellen Pressekonferenz herrscht solch ein Andrang, dass viele Journalisten draußen bleiben müssen.
Im moderierten Gespräch kommt nicht viel herum, aber alle wissen: Der 31-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Benito Antonio Martínez Ocasio heißt, erzürnt im Rahmen des Super Bowls die Gemüter. Genauer gesagt bringt er Donald Trump und seine MAGA-Bewegung in Rage. Denn der Musiker aus Puerto Rico hat sich mehrfach kritisch gegenüber Trump, dessen Einwanderungspolitik und der Einwanderungsbehörde ICE geäußert.
Es knallt so richtig. Mit dieser Musiker-Auswahl erteilt die NFL Trump eine Ohrfeige. Streckt ihm den Mittelfinger direkt ins Gesicht. Als Eröffnungsakt vor dem Duell zwischen den Seattle Seahawks und New England Patriots hat die Liga zusätzlich die Punkrock-Band Green Day ausgewählt, die auch für ihre Kritik an Republikanern und Trump bekannt sind und die in ihrer Heimat nicht zurückhalten dürften.
Trump: "Eine schreckliche Entscheidung"
Trump wurde zuerst im vergangenen Oktober nach der Halbzeitshow mit Bad Bunny gefragt. Während eines Interviews im rechtsgerichteten konservativen Sender Newsmax beschrieb ein Fernsehmoderator den Reggaeton-Star als jemanden, der "die Einwanderungsbehörde ICE hasst" und "alles, was ihm nicht gefällt, als Rassismus bezeichnet". Der Präsident schien dem zuzustimmen, sagte aber: "Ich habe noch nie von ihm gehört. Ich weiß nicht, wer er ist."
Vor wenigen Tagen wütete Trump dann gegenüber der "New York Post" mit Blick auf Bad Bunny und Green Day: "Ich bin gegen sie. Ich finde, das ist eine schreckliche Entscheidung. Das schürt nur Hass. Schrecklich."
Kristi Noem war schneller mit ihrer Reaktion. Nur fünf Tage nach der Ankündigung der NFL im September tadelte Trumps Ministerin für innere Sicherheit die Entscheidung. "Die sind mies, und wir werden gewinnen", wetterte Noem in Richtung der Liga im Gespräch mit dem rechtsgerichteten Podcast-Moderator Benny Johnson. Sie schickte gleich noch eine Warnung hinterher: "Die werden nachts nicht schlafen können, weil sie nicht wissen, woran sie glauben. Und sie sind so schwach, dass wir das in Ordnung bringen werden."
Bad Bunny passt nicht ins MAGA-Weltbild
Ein Berater des Heimatschutzministeriums, Corey Lewandowski, sagte wenig später im selben Podcast: "Es ist so beschämend, dass sie sich entschieden haben, jemanden auszuwählen, der Amerika so sehr zu hassen scheint, um sie in der Halbzeitpause zu vertreten." Sowohl Noem als auch Lewandowski drohten, dass die vielfach für ihre überbordende Gewalt kritisierte Einwanderungsbehörde beim Super Bowl für Ordnung sorgen würde, was in dieser Woche von offizieller Seite endgültig verneint wurde.
MAGA stößt sich nicht nur daran, dass einer ihrer Gegner die größte aller Bühnen erhält, schließlich übertragen fast 200 Länder und ein TV-Publikum von mehreren Hundert Millionen Menschen ist zu erwarten. Auch, dass Bad Bunny sich gerne seine Fingernägel anmalt und Grenzen von Genderrollen auflöst, passt so überhaupt nicht ins patriarchalische und machistische Welt- und Männerbild der Trumpisten.
Die Vasallen des Präsidenten führen einen Kulturkampf gegen jeden, der nicht weiß und christlich ist. Trump sieht darin den Versuch, zu einer verlorenen Vision nationaler Größe zurückzukehren. Immigranten haben darin keinen Platz, außer als billige Arbeitskraft. Und so hassen es die Trumpisten, dass jemand bei "ihrem" Super Bowl auf Spanisch performt. Dass jemand für die Werte und Rechte der Einwanderer eintritt, die sie mit aller Macht aus dem Land prügeln wollen. Dass plötzlich die Opfer ihrer Gewalt Hoffnung erhalten, eine mächtige Stimme bekommen und selbst die Stars sind.
Symbol für Kinder und Großmütter
Denn Bad Bunny ist ein Symbol. Es ist jede Mama und Oma, die mit kaum mehr als Hoffnung und Entschlossenheit eine Landesgrenze überquerte. Jeder immigrierte Vater, der dieser Tage fürchtet, auf der Arbeit festgenommen zu werden. Jedes Kind, das nun Angst vor dem Klopfen an der Tür hat. Und es steht für alle Einwanderer, die in den USA wegen ihrer Herkunft, Sprache, ihrer Musik und ihrer Kultur verunglimpft werden - wie etwa auf Trumps Wahlkampfveranstaltung 2024, als Puerto Rico als "schwimmende Müllinsel" bezeichnet wurde.
Bad Bunny machte mehrfach deutlich, dass diese Halbzeitshow nicht seine ist, dafür die von allen Immigranten in den USA. "Was ich empfinde, geht über mich selbst hinaus", sagte er kurz nach der ursprünglichen Ankündigung in einer Erklärung. "Es ist für diejenigen, die vor mir da waren und unzählige Yards gelaufen sind, damit ich kommen und einen Touchdown erzielen konnte. Das ist für mein Volk, meine Kultur und unsere Geschichte." Er schloss mit den Worten auf Spanisch: Ve y dile a tu abuela, que seremos el Halftime Show del Super Bowl." Geh und sag deiner Großmutter, dass wir die Halbzeitshow des Super Bowl sein werden.
Geboren und aufgewachsen in einer Mittelstandsfamilie in Puerto Rico - einem US-Gebiet, das weder ein eigenständiges Land noch ein vollständiger US-Bundesstaat ist -, ist Bad Bunny US-Bürger, darf allerdings etwa nicht wählen. Der Musiker erlangte erste Erfolge auf der Plattform Soundcloud in den 2010er-Jahren, 2018 gelang ihm international der Durchbruch.
"Raus mit ICE" bei Grammy-Gewinn
Im selben Jahr kritisierte der Rapper zum ersten Mal öffentlich Donald Trump, der damals in seiner ersten Amtszeit im Weißen Haus saß. Puerto Rico war 2017 von einem schweren Hurrikan erschüttert worden, bei dem viele Menschen starben, und die Hilfe der USA kam zu zögerlich und war nicht ausreichend. Bad Bunny kritisierte, dass Trump dies "verleugnen" würde.
Bei den diesjährigen Grammys schrieb er Geschichte und räumte als erster Künstler mit einer komplett auf Spanisch gesungenen Platte den Preis für das Album des Jahres ab. Er widmete die Auszeichnung den Einwanderern, die "ihre Heimat, ihr Land verlassen, um ihren Träumen zu folgen". Außerdem schoss der Superstar gegen Trumps ICE-Behörde. "Bevor ich Gott danke, sage ich: Raus mit ICE", erklärte er. "Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Außerirdischen, wir sind Menschen und wir sind Amerikaner." Trumps Berater Stephen Miller, dem die Gestaltung der entmenschlichenden und drakonischen Einwanderungspolitik der Regierung in großen Teilen zugeschrieben wird, hatte Immigranten und US-Bürger mit lateinamerikanischer Migrationsgeschichte unter anderem als "Monster" bezeichnet.
Zuvor hatte Bad Bunny Konzerte auf dem kontinentalen Gebiet der USA auf seiner Welttournee komplett weggelassen und dies mit dem politischen Klima und den Massenabschiebungen von Latinos durch die Trump-Regierung begründet. "Die Einwanderungsbehörde ICE könnte vor meinem Konzert auftauchen. Das war etwas, worüber wir gesprochen haben und was uns große Sorgen bereitete", sagte er.
Forderung könnte Trump sehr treffen
Nun fragt sich jeder in San Francisco, für welche Botschaften Bad Bunny die riesige Bühne nutzen wird. Kritik an ICE und der Trump-Regierung gilt als wahrscheinlich. Aber der Musiker könnte MAGA noch stärker verärgern: Auf seinem jüngsten Album "Debí tirar más fotos" (Ich hätte mehr Fotos machen sollen) fordert er unter anderem die Unabhängigkeit Puerto Ricos. Für Trump, der in seinem imperialistischen Verlangen immer mehr Gebiete für die USA übernehmen oder erobern will, ein krasses Tabu.
Und warum geht die NFL diesen Schritt und setzt ihr ohnehin fragiles Verhältnis mit Trump aufs Spiel? Die Antwort ist einfach: Profit. Die stinkreiche Liga macht selten einen Hehl daraus, dass Geld ihre Welt regiert und dass sie mit Pflichtspielen in Deutschland und vielen anderen Ländern immer weiter expandieren will.
Da kommt Bad Bunny wie gerufen, niemand wurde im vergangenen Jahr weltweit mehr gestreamt. Momentan hat neben Taylor Swift kein Popstar eine größere globale Reichweite als er. Vor allem bei der lateinamerikanischen Bevölkerung in den USA will man wachsen und nimmt dafür in Kauf, dass Donald Trump, der anders als im vergangenen Jahr nicht beim Super Bowl vor Ort sein wird, und ein paar andere Trumpisten in der Halbzeit den Sender wechseln dürfte.