Sport

Angst um die Meinungsfreiheit Droht China den olympischen Athleten?

6f894798da2b812e264e3408ecc8ce36.jpg

Vorfreude auf die Spiele?

(Foto: imago images/VCG)

Was dürfen Sportler eigentlich sagen? Wann drohen Strafen? Zwei Wochen vor der Eröffnungsfeier in Peking nimmt die Debatte um Meinungsäußerungen bei den Olympischen Spielen richtig Fahrt auf. Der Druck auf das Internationale Olympische Komitee steigt. Die Wut ebenfalls.

Völkerrechtler raten vehement von Protesten ab, Athletenvertreter beklagen eine "offene Drohung" der Peking-Organisatoren gegen Aktive, und der Druck auf das IOC steigt: Zwei Wochen vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele im Reich der Mitte herrscht beim Thema Meinungsfreiheit große Unsicherheit bei Sportlerinnen und Sportlern. Können sie Missstände in China anprangern, ohne Repressalien zu erfahren?

"Man muss ja inzwischen befürchten, dass die chinesische Regierung das sanktionieren würde", sagte Hanno Schedler, Referent für Genozidprävention und Schutzverantwortung von der Gesellschaft für bedrohte Völker. Er legt den Athletinnen und Athleten daher nahe, sich nicht kritisch zu den Menschenrechtsverletzungen im Gastgeberland zu äußern. Schedlers Einschätzungen wurden vor wenigen Tagen durch Einlassungen des Peking-Organisationskomitees gestützt.

China entscheidet, was erlaubt ist

Am Dienstag hatte Yang Shu, Vize-Generaldirektor für internationale Beziehungen des Organisationskomitees, gesagt: "Jede Äußerung, die sich mit dem olympischen Geist deckt, wird sicherlich geschützt sein. Jedes Verhalten oder Äußerungen, die sich dagegen richten, können mit einer bestimmten Bestrafung geahndet werden, insbesondere wenn sie chinesische Gesetze oder Regeln verletzen."

Eine vage und doch brisante Aussage, die der Verein Athleten Deutschland als Drohgebärde des Regimes deutet. Wie die Athletenvertretung anprangerte, sei die Meinungsfreiheit der Sportlerinnen und Sportler "zum jetzigen Zeitpunkt nicht gewährleistet". Weiterhin sei zu befürchten, "dass Meinungsäußerungen bei den Spielen mit Repressalien und Nachteilen beantwortet werden." Folglich nahm der Verein das Internationale Olympische Komitee (IOC) in die Pflicht.

"Wir erwarten, dass sich das IOC klar von den Aussagen des Organisationskomitees distanziert", sagte Maximilian Klein, Beauftragter bei Athleten Deutschland für internationale Sportpolitik: "Es muss Farbe bekennen und sich schützend vor die Athletinnen und Athleten stellen. Das IOC muss darlegen, wie es die Rechte und den Schutz der Athlet*innen gewährleisten wird." Dabei beziehen sich die Athleten auf Zusagen bezüglich Demonstrations- und Medienrechten, die bei der Vergabe 2015 gemacht worden seien.

Satz im Regelwerk wirft Fragen auf

Vom Sportinformationsdienst auf die Aussagen des Organisationskomitees angesprochen, teilte das IOC mit, dass bei den Spielen die IOC-Regeln gelten würden, welche in Peking "wie bei jeder anderen Ausgabe der Spiele zuvor angewandt" würden. Zudem verwies der Ringeorden "auf die IOC-Regel 50.2". In jenem Punkt der Olympischen Charta sind die Möglichkeiten der Aktiven zur Meinungsäußerung geregelt. Nicht gestattet sind laut IOC politische Äußerungen bekanntlich bei Eröffnungs- und Schlussfeier, während der Siegerehrungen und des Wettkampfs sowie im Olympischen Dorf.

Derweil räumt die Regel 50.2 den Athletinnen und Athleten beispielsweise bei Interviews, in der sogenannten Mixed Zone oder bei Pressekonferenzen und auf Social Media die Gelegenheit ein, Meinungsäußerungen vorzunehmen. Ein Satz im Regelwerk wirft im Falle Peking jedoch Fragen auf. "Von den Athleten wird erwartet, dass sie bei ihren Äußerungen die geltenden Gesetze, die olympischen Werte und ihre Mitstreiter respektieren", heißt es. Was passiert also, wenn eine Sportlerin oder ein Sportler mit einer Meinungsäußerung gegen in China geltendes Recht verstößt?

Mehr zum Thema

Die Gretchenfrage nach dem, was noch zu sagen erlaubt ist, wird sich während der Spiele immer wieder stellen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sicherte den Aktiven derweil seine Unterstützung zu - egal, ob sie sich äußern oder nicht. "In beiden Fällen stellen wir uns vor die Mitglieder des Teams, das haben DOSB-Präsident Thomas Weikert und Chef de Mission Dirk Schimmelpfennig wiederholt gesagt", hieß es vom DOSB.

Unter den Peking-Fahrern bleibt das Thema ein gewichtiges, Biathlet Erik Lesser kritisierte kürzlich erst die Vergabe der Spiele (4. bis 20. Februar) nach Peking. "Wir Sportler müssen jetzt das ausbaden, was das IOC nicht hinbekommen hat", sagte er dem Münchner Merkur: "Wir stehen jetzt da und müssen uns rechtfertigen für Olympische Spiele in einem Land, in dem Menschenrechte verletzt werden. Wir müssen also auch kritischere Töne von uns geben - was Thomas Bach als IOC-Präsident nicht schafft." Welche Folgen dies haben wird, bleibt abzuwarten.

Quelle: ntv.de, tno/sid

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen