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Stiller Rückraum-Riese des DHB Fäths Wucht entwaffnet Gegner aus dem Hintergrund

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Gegen Island wird Steffen Fäth zum besten Spieler der Partie.

(Foto: imago/Nordphoto)

Steffen Fäth redet nicht viel, ist aber eine Schlüsselfigur des DHB-Teams bei der Heim-WM. Jetzt will der Rückraumspieler mit möglichst vielen Toren zum vorzeitigen Sprung ins Halbfinale beitragen. Doch auch ohne Treffer kann sein wuchtiges Potenzial spielentscheidend sein.

In diesen Tagen hat man immer mal den Eindruck, dass die unangenehmeren Momente für Steffen Fäth die abseits des Spielfeldes sind. Der Rückraumspieler von den Rhein-Neckar Löwen ist der gefährlichste Akteur der deutschen Handballer aus der zweiten Reihe und wird vom Gegner entsprechend hart angegangen. Für alle seine Treffer, die am Ende so spielerisch leicht aussehen, muss Fäth zuvor viele Schmerzen erleiden - und das erduldet der 28-Jährige mit einer erstaunlichen Gelassenheit. Er hat sich an die Attacken auf dem Platz gewöhnt und wirkt erst zurückhaltend, wenn er die Kämpfe auf dem Feld und sein Spiel erklären soll.

Steffen Fäth ist kein Mann der vielen Worte. Wenn ihm die Mikrofone und Aufnahmegeräte der Medienvertreter vorgehalten werden, hält sich der Mann mit so viel Dynamit im Arm zurück. Leise und bedacht spricht der gebürtige Frankfurter - und deshalb waren die Sätze nach dem 24:19-Sieg der deutschen Mannschaft bei der Weltmeisterschaft gegen Island beinahe euphorisch einzuordnen. "Ich sag mal, das reißt einen schon mit, diese Stimmung, wie man bei mir schon sieht, weil ich bin ja eigentlich nicht so", erklärte Fäth, nachdem seine Kollegen und er vor 19.000 Zuschauern in der Kölner Arena zum ersten Sieg in der Hauptrunde getragen worden waren.

Einer der "Weltbesten"

Der Rhein-Neckar Löwe hatte gegen die Nordeuropäer wieder einmal eine richtig gute Leistung gezeigt, die dieses Mal auch in der Statistik ablesbar war. Sechs seiner acht Wurfversuche landeten im Tor, so dass Fäth nach dem Match zum besten Spieler der Partie gekürt wurde. "Jeder in der Handball-Welt weiß ja, welche Qualität ein Steffen Fäth hat", sagte später Kollege Fabian Böhm voller Anerkennung. Trainer Christian Prokop hatte den Mann aus dem linken Rückraum zuvor schon als einen der "Weltbesten" auf seiner Position bezeichnet.

Seit Anfang Januar weilt Fäth bei der Nationalmannschaft und wird mit Lob überschüttet. Das diente anfänglich auch dazu, seine Krise im Verein zu überstrahlen, denn im November und Dezember hatte er beim Spitzenklub aus Mannheim erst sehr wenig und dann gar keine Einsatzzeit mehr erhalten. Der positive Zuspruch war aber darüber hinaus ernst gemeint, denn nicht erst seit dem Ausfall von Julius Kühn (MT Melsungen), der einen Kreuzbandriss erlitt, hat Fäth eine große Bedeutung für die deutsche Nationalmannschaft.

"Steffen muss funktionieren"

Im Rückraum ist er der Spieler mit dem besten Wurf aus der Distanz und deshalb eine latente Gefahr für den Gegner. Der muss ihn daher offensiv und aggressiv attackieren, was automatisch mehr Räume für die Kollegen auf dem Feld schafft. Fäth ist also auch dann eine Waffe im deutschen Spiel, wenn er nicht sechs seiner acht Würfe im Tor unterbringt. "Wenn wir bei der WM erfolgreich sein wollen, muss Steffen funktionieren", sagte Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes, schon vor dem Turnierstart. In den bisherigen sechs Partien "funktionierte" Fäth, weil er sich aufopferungsvoll auch in den Momenten mit Elan in Richtung Tor des Gegners bewegt, wenn er weiß, dass er gleich unsanft gebremst wird.

Eine Schlüsselrolle kommt ihm deshalb auch gegen Kroatien zu, wenn die deutsche Mannschaft mit einem Sieg vorzeitig den Einzug ins Halbfinale perfekt machen kann (20:30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). Drei Jahre nach dem überraschenden Gewinn der Europameisterschaft in Polen ist Fäth im Deutschland-Trikot wieder zum X-Faktor geworden. Hendrik Pekeler, Kreisläufer und Chef der deutschen Abwehr, nennt den Rückraum-Kanonier immer wieder "meinen persönlichen MVP der EM 2016" - also den wertvollsten Spieler des Turniers. Vor drei Jahren erlebte Fäth seinen persönlichen Durchbruch, als er auf dem Weg zur Goldmedaille unter Beweis stellte, dass er nicht nur einen brachialen Wurf hat, sondern außerdem über spielerische Fähigkeiten im Zusammenspiel mit dem Kreis verfügt.

Weiterentwickelt hatte er sich mit Hilfe des großen kroatischen Spielmachers Ivano Balic, der zum Karriereausklang in die Bundesliga zur HSG Wetzlar wechselte, dort mit Fäth in einem Team stand, dessen Potenzial erkannte und es förderte. Balic, der Kroatien zum Olympiasieg (2004) und zum WM-Titel (2003) führte, wurde zu einem Freund und Förderer. Heute Abend könnte sich Balic über seine Arbeit mit Fäth ärgern, wenn der im Duell gegen die Kroaten mithilft, die Deutschen ins Halbfinale zu führen und gleichzeitig das Team vom Balkan aus dem Turnier wirft.

Quelle: n-tv.de

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