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Redelings übers Fußball-Fasten Fettes Brot, Lanz und die Meisterschale

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"Schale ist Schale", dachten sich der Schalker Peter Lohmeyer und Ben Redelings und posierten mit der Meisterschale des FC Ingolstadt.

Der Pauli-Retter ist überall. Ewald Lienen kann man im Moment in Hamburg nicht entkommen. Er war es auch, der Ben Redelings die ersten Ergebnisse seit 26 Tagen verriet – live im TV. Aber das ist noch nicht alles!

Dienstag war einer der aufregendsten Tage für mich seit langer, langer Zeit. Ich sollte endlich wieder etwas über den aktuellen Fußball erfahren. Behutsame Rückführung aus der Fastenzeit. Nach 26 Tagen im Tal der Ahnungslosen. Live in der Sendung "Markus Lanz" im ZDF.

"Fußball ist nicht das Wichtigste"

Ben Redelings, Jahrgang 1975, sagt: "Ich lese eigentlich alles, was es zur Bundesliga gibt." Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und kümmert sich seit 15 Jahren hauptberuflich um alles, was mit Fußball zu tun hat. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er alle zwei Wochen mittwochs die spannendsten und lustigsten Geschichten auf - eigentlich. Seit dem 1. Mai befindet sich der "Fußball-Nerd" in einem besonders nerdigen Selbstversuch: 31 Tage Enthaltsamkeit, 31 Tage Fußball-Fasten. Wie das funktioniert und ob überhaupt - davon berichtet er noch bis zum Ende des Monats jede Woche in seiner Kolumne.

Das hatte nicht nur eine spezielle Note, sondern ließ mir auch die eine oder andere Schweißperle die Stirn hinunterlaufen. Denn die Frage war nicht nur, wie ich reagieren, sondern auch ob ich mich möglichweise blamieren würde.

Und so hackte ich auf der Hinfahrt nach Hamburg folgende Zeilen in den Rechner: "Ich könnte hier jetzt lang und breit Vermutungen aufschreiben, was ich denke, wie wer abgeschnitten hat. Wer aufgestiegen ist, wer absteigen muss, wer den zweiten Platz erreicht hat und ob Hamburg zwei Teams auf einmal bedauert? Das könnte ich machen – aber genauso gut könnte ich meine rechte Hand auf eine heiße Herdplatte legen und tippen, welchen Grad der Verbrennung ich mir gerade zugezogen habe. Beides wäre hilflos und vor allem dumm." Punkt.

Kurz vor der Sendung erhielt ich die Nachricht, dass Pauli-Coach Ewald Lienen dabei sein würde. Natürlich konnte ich zu diesem Zeitpunkt ahnen, warum er als Gast eingeladen worden war. Wie wohl ich Ewald beides zutrauen würde: Bei einem knappen, unglücklichen Abstieg diesen nüchtern zu erklären, wie den Nicht-Abstieg mit großen Worten zu feiern. Aber das hier war Fernsehen – also war die Sache ab diesem Moment für mich klar: Der FC St. Pauli hat sich gerettet und der Held der Fans ist Ewald Lienen!

Ewald geht verloren

Als ich im TV-Studio ankam und die anderen Gäste kennenlernte, war Ewald gerade wieder einmal verschwunden. Er telefonierte. Als die Sendung starten sollte, standen alle hinter der Bühne bereit – bis auf Ewald. Den hatten wir unterwegs verloren, da er telefonierte. Als man ihn endlich gefunden hatte, wir alle auf den Stühlen saßen und auf den Beginn warteten, blickte Ewald angestrengt auf sein Handy. Vermutlich eine SMS. Schließlich machte er sein Telefon doch noch aus, steckte es weg und schob lässig mit dem Fuß seine Umhängetasche ein Stück weiter unter seinen Stuhl. Auf die Frage, ob er die Tasche denn im Studio überhaupt brauche, sagte Ewald: "Nein, jetzt nicht. Aber gleich. Dann muss ich sofort weiter!" Merke: Nicht-Abstiegsheld zu sein ist schön, aber offensichtlich auch richtig stressig!

In der Sendung prasselten die scheinbar unumstößlichen Fakten auf mich ein. Darmstadt und nicht Lautern aufgestiegen? Paderborn und Freiburg runter? HSV in der Relegation gegen Karlsruhe? Ich brauchte einen längeren Moment, um das alles zu verstehen und einzuordnen. Als ich mich gerade etwas gesammelt hatte, hörte ich Ewald sagen: "Ich finde das im Nachhinein nicht ganz fair, was Sie da gerade gesagt haben über die 1. Liga. Dass Sie ihn da mit Fehlinformationen füttern. Nur mal so nebenbei." Das saß!

Die Minuten danach liefen die Gedanken in meinem Kopf Amok. Eigentlich war ich mir sicher gewesen, dass da nicht quergeschossen wurde. Zu kompliziert für eine Talkshow. Das kriegt man um Mitternacht und vor allem in der Kürze der Sendezeit gar nicht richtig vermittelt. Aber Ewald setzte mit seinem kleinen Satz dennoch die Gedankenmaschine in Kraft. Und ich überlegte, als ich die wunderbare Hymne von "Fettes Brot" auf den Nichtabstiegs-Helden Lienen hörte, dass diese Zeilen hier und heute aber nicht für mich galten: "Ewald Lienen, ich lass mich fallen und du fängst mich auf! Du bist einfach da, wenn man dich wirklich braucht!"

"Fettes Brot" lungern im Stadion

Später am Abend sind wir noch zum Saisonrückblick der geschätzten Kollegen des "11 Freunde"-Magazins gefahren. Ewald sollte auch auf der Bühne sein. Und wie. Ein komplett aufgedrehtes Duracell-Häschen ist eine lahme Schnecke gegen diesen Power-Mann. Es dauerte, bis man die Stimmen der anderen Bühnengäste hörte. Patrick Owomoyela, Marco Bode, Peter Lohmeyer, Ralph Gunesch und Moderator Philipp Köster lauschten andächtig den Worten des Nichtabstiegs-Helden. Einer der Höhepunkt seiner Ausführungen war der Satz: "Ja, die Jungs von ‚Fettes Brot’ sind ja auch richtige Fans. Die lungern immer bei uns im Stadion rum!"

Nach dem Ende der "11 Freunde"-Show versuchte mir der Schalker Peter Lohmeyer noch die Info zu verkaufen, dass di Matteo bei den Königsblauen bereits wieder Geschichte sei. Ich schaute ihn länger an. Peter lächelte. Und weil er gerade solch ein nettes Gesicht machte, schnappten wir uns beide gemeinsam die Zweitliga-Meisterschale des Ingolstädters Ralph Gunesch. Schale ist Schale, sagten wir uns und ließen ein Foto von uns schießen. Ein aufregender Tag war nun vorbei!

Als ich am Morgen im Hotel zum Frühstücksraum lief, traute ich meinen Augen nicht. In einer Nische hatte sich ein vitaler Mann mit Lesebrille an einem Tisch niedergelassen. Vor ihm ein riesiger Stapel Papier, ein Handy und ein junger Mann, den ich nicht erkannte. Ich rief: "Ewald, du bist ja tatsächlich immer und überall!"

Der Nichtabstiegs-Held schaute von seinen Zetteln hoch, lächelte und sagte: "Das ist mein Job, Ben!" Dann machte er schnell weiter. Und ich dachte: Eigentlich könnte Ewald in den nächsten Tagen ein bisschen Fußball-Fasten auch nicht schaden!

Weitere Informationen zum Experiment und zum Buch übers Fußball-Fasten gibt's hier!

Quelle: n-tv.de

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