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Reformwille in Amerika Fifa sendet Signale an die Justiz

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Mayne-Nicholls stellte fragwürdige Forderungen an den WM-Kandidaten Katar.

(Foto: AP)

Der Fußball-Weltverband Fifa versucht, bei der Skandal-Bewältigung in die Offensive zu gehen. Die Sperre eines hochrangigen Funktionärs und Reformen in Lateinamerika sollen guten Willen demonstrieren.

Die FIFA versucht, bei der Skandal-Aufklärung das Heft des Handelns wieder selbst in die Hand zu nehmen. Die Sperre des früheren chilenischen  erbandschefs Harold Mayne-Nicholls und der Reformwille des tief im  Korruptionssumpf steckenden Kontinentalverbands CONCACAF sind Signale des Fußball-Weltverbands an die Justiz. Bei den internen Fifa-Aufräumarbeiten hat es Mayne-Nicholls als ersten erwischt. Die rechtsprechende Kammer der Ethik-Kommission  unter Vorsitz des Münchner Richters Hans-Joachim Eckert sperrte den  54-Jährigen wegen Verstößen gegen den Ethik-Code bis 2022 für alle Aktivitäten auf sämtlichen Fußball-Ebenen.

Mayne-Nicholls, der Chefinspektor der Bewerbungen um die WM-Endrunden 2018 ussland) und 2022, der im Herbst 2014 eine Kandidatur als Fifa-Präsident  erwogen hatte, kündigte umgehend Einspruch an. "Ich wundere mich, dass ein Urteil veröffentlicht wird, wenn es noch in höheren Instanzen angefochten und geändert werden kann", kommentierte der  Südamerikaner die Entscheidung. Mayne-Nicholls, den die Behörden bislang nicht zum Kreis der verdächtigen Personen im Korruptionsskandal gezählt haben, hatte vor der Vergabe der WM-Turniere 2018 und 2022 in seinem Bericht über die Kandidaten ausgerechnet den späteren Siegern die schlechtesten Noten gegeben.

Job für den Schwager verlangt

Der Chilene hatte bereits im November bestätigt, dass gegen ihn  ermittelt werde. Grund dafür war seine Anfrage bei der Leitung des katarischen Sportzentrums, in der er um Trainingsgelegenheiten für chilenische Nachwuchsspieler um seinen Sohn und Neffen gebeten habe. Zudem wollte Mayne-Nicholls seinen Schwager als Tennislehrer in Katar unterbringen. Beide Bitten wurden abgelehnt.

Dass Mayne-Nicholls kurz nach den Absagen aus Katar dem Wüstenstaat die schlechteste Bewerbung attestierte, lässt Raum für  Spekulationen. "Dieses Verhalten sollte Grund genug sein, um Zweifel an der Integrität der Inspektion und ihrer Evaluierung zu hegen", zitieren britische Medien aus einer Mail von Ethik-Kommissions-Vize Cornel Borbely an Mayne-Nicholls.

Zur Wiederherstellung ihrer Integrität und zur Verhinderung von Korruption in der Zukunft hat die CONCACAF (Nord- und Mittelamerika sowie Karibik) derweil ein erstes Reformpaket beschlossen. Eine der  wichtigsten Änderungen ist die Aufnahme mehrerer von den  Nationalverbänden unabhängigen Personen in das wichtigste Verbandsgremium.

Vermarktungsfirma gekündigt

Die CONCACAF-Führung nahm außerdem den Vorschlag zur Begrenzung von Amtszeiten der Komiteemitglieder an. Zudem soll die jährliche Veröffentlichung eines Finanzberichtes im Internet für mehr  Transparenz sorgen. Darüber hinaus trennte sich die CONCACAF mit sofortiger Wirkung von ihrer Vermarktungsfirma Traffic Sports USA: Der frühere Firmen-Boss Aaron Davidson gehört in dem Fußball-Skandal wegen Geldwäsche und Betrugs zu den angeklagten Personen.

"Diese Rahmenbedingungen sollen die Mängel in der Führung und bei Handlungen der CONCACAF beseitigen, durch die das Ansehen, das Vermögen und nicht zuletzt die Mission - das übergeordnete Ziel unseres Verbands - aufs Spiel gesetzt worden sind", teilte die  Kommission in einem Offenen Brief mit: "Wir wollen Fans, Sponsoren, Mitgliedsverbänden und anderen Beteiligten zeigen, dass wir uns mit  Verlässlichkeit und Transparenz um den Fußball kümmern."

Die CONCACAF ist vom FIFA-Skandal besonders hart betroffen. Zu den sieben in der Schweiz auf Antrag der US-Justiz verhafteten Funktionären gehören der ehemalige CONCACAF-Chef und  FIFA-Vizepräsident Jeffrey Webb (Kaimaninseln), Costa Ricas  Verbandschef Eduardo Li sowie Nicaraguas früherer Verbandsboss Julio Rocha. Darüber hinaus gelten der langjährige Generalsekretär Chuck Blazer (USA) als geständiger Informant der US-Ermittler und der frühere CONCACAF-Boss Jack Warner (Trinidad und Tobago) als Schlüsselfiguren in dem Skandal.

Quelle: ntv.de, mbo/SID