Fußball-WM 2019

Nike-Deal, PSG-Vertrag, WM-Ass Däbritz spielt sich auf zur Weltklasse

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Zielstrebig und durchsetzungsstark: Sara Däbritz.

(Foto: imago images / HMB-Media)

Beim Sieg der DFB-Elf gegen Südafrika wird sie zur Spielerin des Spiels gewählt, zum zweiten Mal schon bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft. Sara Däbritz überzeugt mit ihren Toren und ihrer Flexibilität. Die 24-Jährige spielt in dem Land groß auf, das schon bald zu ihrer Wahlheimat wird.

Wenn man irgendwo neu ist, stellt man sich vor und versucht, ein möglichst gutes Bild von sich abzugeben. Erst recht, wenn man länger bleiben möchte. Das will Sara Däbritz in Frankreich. Die 24 Jahre alte Mittelfeldspielerin des FC Bayern wechselt zur kommenden Saison zu Paris Saint-Germain. Und sammelt jetzt schon einmal bei der Fußball-Weltmeisterschaft in ihrer künftigen Wahlheimat Pluspunkte. Beim 4:0 (3:0) des deutschen Nationalteams im dritten Gruppenspiel gegen Südafrika am Dienstag in Montpellier wurde sie zum zweiten Mal als Spielerin des Spiels ausgezeichnet. Zudem erzielte sie ihr zweites WM-Tor. Besser hätte sie sich nicht in Frankreich vorstellen können.

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Mit dem Wechsel nach Paris erfüllt sich Däbritz einen ganz besonderen Wunsch: "Für mich war es schon immer ein Traum, ins Ausland zu gehen. Es ist Zeit, nach einer neuen Herausforderung zu suchen." Zugegriffen hat der französische Vizemeister, der trotz aller Investitionen hinter dem Giganten Olympique Lyon zurückhängt, bei dem unter anderem Däbritz' Teamkolleginnen Dzsenifer Marozsán und Carolin Simon spielen.

PSG ist bislang vor allem bei den Männern dafür bekannt, dank des katarischen Eigentümers kräftig in sein Starensemble zu investieren. Nun soll bei den Frauen die Übermacht Lyons gebrochen werden. Über die Sprachbarriere macht sie sich keine Gedanken: "Ich hatte vier Jahre Französisch in der Schule, von daher kann ich die Basics für Small-Talk, der Rest kommt sicher von allein." Und die Sprache des Fußballs beherrscht sie ohnehin.

Das Glück der Tüchtigen

Ob sie nun im zentralen Mittelfeld eingesetzt wird oder auf der linken Außenbahn, die in der Oberpfalz geborene Däbritz ist wie so viele im deutschen Team flexibel einsetzbar. "Von Sara erwarten wir, dass sie ihre vielfältigen Fähigkeiten einsetzt", hatte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg vor der WM gesagt. "Ich spiele beide Positionen gern", versicherte Däbritz nach dem 1:0-Sieg gegen Spanien, als sie das Tor erzielte. Dass sowohl dieser als auch ihr darauffolgender zwölfter Treffer im DFB-Dress im Nachsetzen fiel, beweist zwar ein wenig das Glück, das ihr als Offensivspielerin hold sein muss, aber es ist eben das Glück der Tüchtigen. Sie schaltet in vermeintlich vergebenen Situationen nicht ab, reagiert schnell und energisch. Über ihren Treffer zum 2:0 gegen Südafrika sagte Däbritz allerdings nüchtern: "Ich habe einfach versucht durchzulaufen, falls die Torhüterin den Ball nicht sicher hat, so stand ich dann da und musste den Ball einfach nur einschieben."

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Sie ist eine, die völlig unprätentiös ist, eine, die ob ihrer beständig guten Leistungen nicht abhebt, die beim Verlassen der Mixed Zone den Journalisten nochmal ein freundliches "Tschüss" zuruft. Schön, dass es so ist, obwohl sie durchaus Grund hätte für Allüren. Sie steht als eine der wenigen Fußballerinnen beim Sportartikelriesen Nike unter Vertrag und ist die einzige Deutsche, die in dem Spot des Unternehmens zur Fußball-WM vorkommt: Neben Stars wie der französischen Kapitänin Amandine Henry, der Niederländerin Lieke Martens und dem brasilianischen Idol Marta.

Däbritz gehört zu den Spielerinnen, die sich vor der WM um ihre Nominierung keine Gedanken machen mussten. Sie absolvierte bereits 63 Länderspiele, war schon bei der Europameisterschaft 2013 dabei, mit gerade mal 18 Jahren. Ein Turnier zum Lernen, bei der WM 2015 in Kanada erzielte sie dann ihr erstes Länderspieltor, beim Olympiasieg 2016 gehörte sie wie jetzt in Frankreich zur Stammelf.

Ballbehauptung, Cleverness, Körpereinsatz, das alles hat sie - wie so einige im deutschen Kader - bei den Jungs gelernt. Bis sie 17 Jahre alt war, spielte sie dank einer Ausnahmegenehmigung mit ihnen zusammen. "Das war eine überragende Zeit", sagte Deutschlands bislang erfolgreichste Torschützin bei der laufenden WM rückblickend. Auch dass sie sich nicht nur aufs Fußballspielen konzentriert, hat sie mit vielen ihrer Kolleginnen gemeinsam. Däbritz studiert Wirtschaftspsychologie. "Nur Fußball, das reicht mir nicht", erklärte sie. Mit Hinblick auf die WM habe sie ihr Pensum zurückgefahren, doch in Paris muss wieder rangeklotzt werden, was problemlos möglich ist, da sie ein Fernstudium absolviert.

Doch nun geht es erst einmal darum, bei der WM möglichst erfolgreich zu spielen. Deutsche Meisterin, Europameisterin und Olympiasiegerin ist sie bereits, der WM-Titel fehlt noch in ihrer Sammlung. Er wäre ein Grund mehr für die Franzosen, die Deutsche schon vor ihrer Ankunft in Paris in ihre Herzen aufzunehmen.

Quelle: n-tv.de

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