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"Noch nie so eingepfercht" Gefangen bei den Olympischen Spielen

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Viel mehr als das Olympische Dorf werden die Athleten nicht sehen dürfen.

(Foto: imago images/AFLOSPORT)

Die einen freuen sich, dass es bald losgeht, andere blicken weit skeptischer auf den sportlichen Jahreshöhepunkt: Wenn am 23. Juli die Olympischen Spiele beginnen, ist nichts wie sonst. Die Athleten müssen für ihre Teilnahme große Opfer bringen. Der deutsche Chef der Mission verbreitet trotzdem Optimismus.

Deutschlands Chef de Mission kann die Sorgen der Japaner vor den näher rückenden Olympischen Spielen in Tokio während der Corona-Pandemie nachvollziehen. Die Spiele seien aber "so organisiert, dass man Rahmenbedingungen schaffen will, mit denen diese Spiele mit gutem Verantwortungsbewusstsein durchgezogen werden können", versicherte Dirk Schimmelpfennig in einem Interview dem Deutschlandfunk.

"Es wird eine große Herausforderung für alle Beteiligten, sich darauf einzustellen", betonte der 59-Jährige. Denn Treffen mit anderen Sportlern sollen vermieden werden, der Ablauf der Wettbewerbe ist strikt, genauso wie die Hygienemaßnahmen. Spätestens 48 Stunden nach dem eigenen Wettkampf muss jeder Athlet wieder abreisen, so sieht es das Playbook des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) vor.

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Für Olympia nimmt Hausding die heftigen Beschränkungen in Kauf.

(Foto: imago images/Insidefoto)

Bei den Qualifikationswettkämpfen der Wasserspringer erlebte der Deutsche Patrick Hausding einen Vorgeschmack vom abgeschotteten Tokio: "Ich wurde in meinem ganzen Leben noch nie so eingepfercht. Ich habe im zehnten Stock gewohnt. Dort gab es keinen Balkon oder Außenfläche, das Fenster im Hotel war eine Scheibe, die nicht zu öffnen war", sagte er dem Deutschlandfunk. "Wir durften nur zur Rezeption runter, wenn es Richtung Sprunghalle ging. Und in der Halle wurden wir auch direkt wieder gebeten, reinzugehen. Also man durfte nicht draußen seine Zeit verbringen oder stehenbleiben, damit die sicherstellen, dass wirklich niemand durch eine Lücke abhaut."

Das IOC habe laut Schimmelpfennig erklärt, dass mehr als 80 Prozent der Menschen im Olympischen Dorf geimpft sein würden. "Von daher haben wir schon in dieses System in dieser schwierigen Situation Vertrauen", so der Chef de Mission. Für das deutsche Team besteht aber weiter keine Pflicht zur Impfung gegen das Coronavirus - mit Ausnahme des sportmedizinischen Personals. "Diejenigen, die sehr eng und sehr kontinuierlich mit den Athleten zu tun haben und die über das gesamte Event, also über mehrere Wochen an diesen Schnittstellen fungieren, sollen die Athleten und Trainer nicht in Gefahr bringen. Daher ist es sehr wichtig, dass hier geimpfte Teilnehmer agieren", erklärte Schimmelpfennig und befand: "Die Spiele in Tokio werden zunehmend greifbarer."

Doch die Präfektur Tokio befindet sich noch immer im Ausnahmezustand, die Kliniken in Japan sind überlastet, der Ärzteverband von Tokio hat sich für eine Absage der Spiele ausgesprochen. Die Mehrheit der Bevölkerung ist gegen das Großevent. Allen Zweifeln zum Trotz: Es soll am 23. Juli beginnen und bis zum 8. August dauern.

Quelle: ntv.de, ara/dpa

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