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Kampf ums NBA-Finale Klaue oder Freak - wer ist der Beste der Welt?

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Kann er auch gegen die Bucks dominieren? Kawhi Leonard (Mitte) nach seinem epischen Wurf.

(Foto: imago images / Agencia EFE)

Die beiden Basketballer Giannis Antetokounmpo und Kawhi Leonard dominieren die NBA-Playoffs. Jetzt werden sie mit Legenden verglichen und treffen im Halbfinale aufeinander: Es geht um die Meisterschaftschance - und um den Titel des besten Spielers der Welt.

Pling. Plong. Ditsch. Datsch. Viermal tänzelt der Ball auf dem Ring herum, die Sirene signalisiert derweil das Spielende. Sekunden gefühlter Ewigkeit. Kawhi Leonard, der Schütze eines der nun berühmtesten Würfe der NBA-Geschichte, hat sogar Zeit zwischenzeitlich in die Hocke zu gehen. Dann endlich fällt der Ball durchs Netz. Leonard springt hoch, jubelt mit seinen Teamkameraden der Toronto Raptors - und mit ihnen ganz Kanada.

Über Joel Embiid, einen der besten und größten Center der NBA: Leonards Wurf entscheidet das Halbfinale im Osten gegen die Philadelphia 76ers mit 4:3 und ist einer der schwierigsten Game-Winner und der erste Buzzer-Beater in einem Spiel 7 überhaupt. Die Basketballwelt verneigt sich völlig zurecht. Leonard, der wie alle Großen nur bei seinem Vornamen oder seinem Spitznamen "The Claw", die Klaue, gerufen wird, sammelt 41 Punkte und gute Argumente, um als bester Basketballspieler der Welt gehandelt zu werden. 32 Punkte, neun Rebounds und vier Assists produziert er in den Playoffs 2019 durchschnittlich, trifft grandiose 54% seiner Würfe. Experten sehen ihn nun vor Superstar LeBron James und Kevin Durant, der ebenfalls groß aufspielte in den Playoffs, bevor er sich verletzte. Wer also kann "The Claw" stoppen?

Menschgewordener Güterzug

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Vielleicht kann das nur ein einziger Mensch auf der Welt und auch hier fällt der Basketball-Fachwelt die Antwort nicht schwer: Giannis Antetokounmpo. "The Greek Freak" ist mit knapp 28 Punkten, 13 Rebounds und sechs Assists der beste Spieler der regulären Saison, seine Milwaukee Bucks gewannen mehr Spiele als alle anderen NBA-Teams. Der gerade einmal 24 Jahre alte Grieche traf dabei fast 60 % seiner Würfe und ist außerdem der beste Defensivspieler der besten Verteidigung der Liga. Auch in den Playoffs dominiert der Center nach Belieben: Nur einmal in neun Spielen verloren seine Bucks. Meist fegten sie die Gegner aus Detroit und Boston dermaßen vom Platz, dass Antetokounmpo ganze 165 Minuten weniger als Leonard auf dem Court stand und drei Spiele schneller ins Conference Finale einzog. "Er ist ein unfairer Vorteil für Milwaukee", sagt ESPN-Analyst Max Kellermann vor dem Duell mit Toronto.

Es ist vor allem seine dominante Spielweise, die gegnerische Teams zittern lässt. Antetokounmpo, 110 Kilogramm optimierte Sportlermasse, ist ein menschgewordener Güterzug: 2,11-Meter groß mit einer Spannweite von 2,21 Metern stürmt "The Greek Freak" in einem Fort auf die Verteidiger zu, um meist mit spektakulären und krachenden Dunkings abzuschließen. Trotz dieser Power ist er extrem beweglich: In nur sechs Schritten überquert Antetokounmpo ein NBA-Spielfeld von 29 Metern. So viel Athletik gepaart mit Talent und Arbeitsmoral (der Grieche hat sich anders als die großen Center vor ihm einen passablen Dreierwurf antrainiert) gab es selten - vielleicht noch nie - in der NBA. Ach ja, und der einzige Spieler, der effektiver als Leonard in den Playoffs agiert? Richtig, Giannis Antetokounmpo.

"Besser als Kobe Bryant"

Natürlich müssen beide Spieler erst einmal Titel gewinnen (Leonard holte 2014 mit den San Antonio Spurs die Meisterschaft), aber sie trumpfen derzeit so stark auf, dass Vergleiche mit den Allergrößten nicht lange auf sich warten lassen. "Kawhi Leonard kommt Michael Jordan am nächsten", sagt ESPN-Experte Stephen A. Smith. Kollege Kellermann fügt hinzu: "Kawhi ist unter Druck besser als Kobe Bryant." Denn auch wenn Leonard mal einen schlechteren Abend hat (vor seinem Wurf zum Sieg gegen die 76ers traf er nur 15 von 38 Würfen), schafft er es trotzdem, das Spiel an sich zu reißen, eigene Würfe zu kreieren und zu punkten, wenn es darauf ankommt. Genau wie Jordan, genau wie Bryant. 13 der letzten 15 Punkte Torontos macht er in dieser Nacht, dazu der ultimative Wurf unter Druck. Jordanesque.

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Doch auch Antetokounmpo hat seinen Ikonen-Vergleich. Kein geringerer als einer der größten Center aller Zeiten, Shaquille O'Neal, adelte den Griechen als seinen "Superman-Nachfolger". Und tatsächlich: Seit Shaq hat niemand mehr die Zone um den Korb so dominiert und so viele Punkte nah am Brett erzielt. In jeder Nacht aufs Neue kann niemand "The Greek Freak" aufhalten - ähnlich wie den Lakers-Center in den 2000er Jahren. Andere vergleichen ihn aufgrund seiner besseren Passtechnik und anderen Statistiken mit LeBron James oder dem besten Punktesammler aller Zeiten, Kareem Abdul-Jabaar. Auch nicht verkehrt.

Der Beste der Besten

Wer ist also der Beste der Welt? Beide Spieler vereint, dass sie erst an 15. Stelle im NBA-Draft gezogen wurden und dass sie ruhige und demütige Zeitgenossen sind. Leonard gibt so gut wie nichts Privates über sich preis und selbst Mitspieler wissen kaum, wie er tickt. Lustige Instgramm-Posts, flashige Outfits, verrückte Auftritte? Fehlanzeige. LeBron James, James Harden oder Steph Curry sind da anders. Antetokounmpo erschien zum NBA-Draft 2013 zunächst ohne Anzug, weil er keinen hatte. Er stammt aus armen Verhältnissen und seine aus Nigeria nach Griechenland eingewanderte Familie, sein ein und alles, ist stets bei ihm. Heute trainiert "The Greek Freak" in der Offseason nicht mit anderen NBA-Superstars, wie es so oft gehandhabt wird, weil sie ihn, so sagt er, nur aufhalten würden und seine Gegner sind. Der MVP-Titel des besten Spielers der Saison interessiert ihn nicht, er will die Meisterschaft holen.

Wenn in der Nacht auf Donnerstag (2.30 Uhr) die Milwaukee Bucks die Toronto Raptors empfangen, hoffen zwei kleinere Teams auf die langersehnte Finalteilnahme. Die Raptors schafften es trotz großer Spieler wie Vince Carter oder Tracy McGrady noch nie dorthin, die Bucks zuletzt 1974. Toronto, das einzige Team Kanadas, will so auch den im Sommer wechselberechtigten Leonard weiter für sich gewinnen. Alle Augen werden auf die beiden bescheidenen Superstars gerichtet sein: "The Claw" vs. "The Greek Freak". Neben dem Einzug ins Finale geht es auch um den inoffiziellen Titel: Der Beste der Besten.

Quelle: n-tv.de

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