Sport

"Schlampig und fehlerhaft" Pechstein erklärt ihren jüngsten ARD-Boykott

imago1009553583h.jpg

Für Pechstein ist die Lage eindeutig.

(Foto: imago images/Xinhua)

Von der Doping-Redaktion der ARD fühlt sich Claudia Pechstein ungerecht behandelt. Nach der Rückreise von den Winterspielen boykottiert sie den Sender. Die darauffolgende Kritik kontert sie jetzt mit einem fünfseitigen Offenen Brief.

Mit freundlichen Worten steigt Claudia Pechstein in die Nachricht ein, die sie über ihre offizielle Facebook-Seite hinaus in die Welt schickt. "Herzlichen Dank für die unzähligen Glückwünsche", steht da, die sie "auf den unterschiedlichsten Wegen zu meinem 50. Geburtstag" erreicht hätten. Zwar schaffe sie es nicht, "allen Gratulanten zu antworten", versichert aber, "dass ich mich über jeden einzelnen von Herzen gefreut habe". Danach scheint es allerdings relativ schnell vorbei mit der Feierstimmung, stattdessen folgt ein fünfseitiger "Offener Brief an die ARD", überschrieben mit "Claudia Pechstein, Polizeihauptmeisterin und 5-malige Olympiasiegerin" und unterzeichnet von selbiger.

Pechstein richtet ihre Worte zwar an ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky, das Format des Offenen Briefes zielt aber natürlich auch auf die Öffentlichkeit. Anlass des Schreibens ist Pechsteins Rückkehr aus von den Winterspielen in China, als sie am Flughafen den Deutschen Olympischen Sportbund als Ausrichter der Presserunde veranlasste, die ARD auszuschließen. Der DOSB kam diesem Wunsch nach, was sowohl Pechstein als auch dem Verband reichlich Kritik einbrachte sowie den Vorwurf, ein gestörtes Verhältnis zur Pressefreiheit zu haben.

"Ich dachte eigentlich, der Grund dafür sei allen bekannt", schreibt Pechstein auf Facebook, spricht von einer "Absurdität", ihr "das richtige Verständnis von Pressefreiheit" absprechen zu wollen. Im Brief erklärt sie dann, Auslöser ihres ARD-Boykotts sei "das schlampige, fehlerhafte, tendenziöse und ehrverletzende Arbeiten Ihrer Anti-Doping-Redaktion um Hajo Seppelt". Der renommierte Investigativreporter Seppelt hatte die Verweigerungshaltung Pechsteins damit kommentiert, dass die ARD "nicht so über sie und einen Dopingverdacht berichteten, wie sie es für angemessen hielt".

Angriff auf die Glaubwürdigkeit

Das Team um Seppelt hatte sich in der Vergangenheit wiederholt mit Pechstein und ihren Blutwerten beschäftigt, wegen derer die inzwischen achtfache Olympia-Teilnehmerin Anfang 2009 vom Eisschnelllauf-Weltverband ISU gesperrt worden war. Die ARD-Doping-Redaktion hatte danach auch über den Verdacht des Blutdopings gegen Pechstein berichtet. Weil sie dort ihrer Ansicht nach falsch zitiert und nicht ausreichend Chance zur Aussage bekommen habe, boykottiere sie seitdem den Sender.

Über mehrere Seiten hinweg legt die 50-Jährige, die im vergangenen Jahr erfolglos für CDU für den Bundestag kandidierte, ihre Sicht der Dinge dar. ARD-Sportchef Balkausky wirft sie vor, die Gründe für den Boykott falsch wiedergegeben zu haben. Sobald "eine öffentliche Entschuldigung und Richtigstellung von Ihnen erfolgt", heißt es weiter, "stehe ich ab diesem Zeitpunkt wieder für Interviews zur Verfügung". Pechstein sieht sich unzweifelhaft im Recht, für das sie überdies "als Polizeihauptmeisterin" ja "schon von Berufs wegen ein besonders feines Gespür" besitze.

Mehr zum Thema

Die streitbare Sportlerin wirft dem öffentlich-rechtlichen Sender stattdessen vor, der mehrfach ausgezeichneten Doping-Redaktion um Seppelt "trotz eklatanter handwerklicher Fehler" die Stange zu halten. Vor Jahren hatte sie der ARD sogar mit einer Klage gedroht, die aber doch nie eingereicht wurde. Stattdessen schließt sie auf dem Facebook mit der Andeutung, dass es für sie "kein Wunder" sei, "also, wenn die Glaubwürdigkeit der ARD in der breiten Öffentlichkeit immer mehr schwindet ..."

Seppelt reagierte auf Twitter auf das Schreiben von Pechstein, allerdings ohne direkt auf die Vorwürfe einzugehen. Stattdessen zitiert er einen Text des "Spiegel" aus dem Jahr 2012. Damals wurde demnach Pechsteins Telefon abgehört, in der Hoffnung, "Hintermänner ihres Dopingvergehens" zu ermitteln. In einem Telefonat habe Pechstein demnach gesagt, die Behandlungen, an denen sich der bis heute währende Streit entzündet, seien "ja auch irgend' ne Art von Doping, find ick", und: "Darf ich dat überhaupt?" Laut Seppelt schweigt Pechstein zu dieser Aussage "bis heute".

Quelle: ntv.de, tsi

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen