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"Werde ich niemals vergessen" Sportwelt bejubelt Urteil nach Mord an Floyd

Vor dem Gerichtsgebäude in Minneapolis brachen nach dem Schuldspruch Jubelstürme aus.

Vor dem Gerichtsgebäude in Minneapolis brachen nach dem Schuldspruch Jubelstürme aus.

(Foto: imago images/MediaPunch)

Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd protestiert auch der Sport weltweit gegen Rassismus und Polizeigewalt. Dass nun ein erster Beamter schuldig gesprochen wird, sehen die Athletinnen und Athleten als Erfolg. Aber auch nur als einen Schritt eines noch langen Weges.

Schuldig, schuldig und noch einmal schuldig: Die zwölfköpfige Jury kannte in allen drei Anklagepunkten keine Gnade mit Derek Chauvin. Der weiße Ex-Polizist muss nach dem Mord an dem Schwarzen George Floyd jahrzehntelang hinter Gitter. "I can't breathe", ich bekomme keine Luft, hatte der gefesselte Floyd am 25. Mai 2020 bei seiner gewaltsamen Festnahme immer wieder gerufen. Er starb, nachdem ihm Chauvin mehr als neun Minuten lang das Knie auf den Hals gedrückt hatte. Das Urteil war eine Erlösung für viele Menschen in den USA - auch, weil es so selten passiert, dass Polizisten sich überhaupt vor Gericht verantworten müssen.

Auch die Sportwelt war überwältigt. "Ich kann meine Gefühle kaum beschreiben", twitterte Formel-1-Champion Lewis Hamilton, auf dessen Betreiben hin die einst silbernen Mercedes-Boliden nach Floyds Tod schwarz lackiert worden waren. Doch Hamilton mahnte auch: "Es ist erst ein Schritt zu mehr sozialer Gleichheit. Der Kampf ist nicht vorbei." Basketball-Star LeBron James twitterte nur ein Wort: "Rechenschaft".

Die Basketballer der Minnesota Timberwolves widmeten in einer symbolischen Geste den Ball des Spiels bei den Sacramento Kings (134:120) der Familie von George Floyd und der Stadt. "Wir sind bei ihnen. Wir alle denken, dass dieser Kampf wichtiger ist als Basketball", sagte Center Karl-Anthony Towns. Mit dem Schuldspruch verbinden sich große Hoffnungen. Adam Silver, Commissioner der Basketball-Profiliga NBA, und Michele Roberts, Geschäftsführerin der Spielervereinigung NBPA, teilten mit: "Wir sind erfreut zu sehen, dass der Gerechtigkeit anscheinend Genüge getan wurde." Aber, so betonten beide: "Es gibt noch viel zu tun."

Die weiß geprägte Eishockey-Profiliga NHL erklärte: "Wir hoffen, dass das Ende des Prozesses eine Möglichkeit zur Heilung bietet." Und die Spielervereinigung der Baseballer schrieb: "Mit diesem Spruch beginnen wir uns der wahren Gerechtigkeit zu nähern, es ist ein Schritt in die richtige Richtung für eine Kurskorrektur angesichts der unangemessenen Polizeigewalt gegen schwarze Amerikaner."

Jubel vor dem Gerichtsgebäude

Vor dem Gerichtsgebäude in Minneapolis brandeten nach dem Schuldspruch Jubelstürme aus. "Sagt seinen Namen", skandierte ein Wortführer immer wieder mit dem Megafon, die Menge antwortete begeistert: "George Floyd." Landesweit feierten die Menschen lautstark "justice" - Gerechtigkeit. Floyds Familie verspürte tiefe Befriedigung. Sein Bruder Philonise war Augenzeuge im Gerichtssaal und meinte ergriffen: "Ich hätte niemals gedacht, dass ich so etwas erleben könnte. Das werde ich niemals vergessen."

Auch im Weißen Haus war der Seufzer der Erleichterung nach dem mit Spannung erwarteten Schuldspruch groß. "Das kann ein großer Schritt sein auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit in Amerika", erklärte US-Präsident Joe Biden, den der Mord emotional sehr berührt hatte. Und so wandte er sich nach dem Jury-Verdikt mit bewegenden Worten an Floyds Tochter Gianna: "Dein Vater hat die Welt verändert."

Der Name George Floyd wird für immer untrennbar sein mit der Bewegung "Black Lives Matter", die nach seinem Tod weltweiten Zulauf erhalten hatte. Auch der Sport trug mit seinem Bekenntnis für die Gleichheit aller Menschen seinen Teil dazu bei. Der Kniefall als Symbol für den Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus wurde nach anfänglichem Widerstand salonfähig.

Ein Ende der Polizeigewalt gegen Schwarze war der Fall George Floyd aber nicht. Am 10. April wurde erneut in Minneapolis der 20-jährige Daunte Wright von einer Beamtin erschossen. Dass aber nun erstmals in Minnesota ein weißer Polizist wegen Mordes an einem Schwarzen verurteilt wurde, schürt zumindest etwas Hoffnung.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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