Formel1

Formel-1-Debüt am Nürburgring Es wird ungemütlich für Mick Schumacher

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Schumacher inspizierte am Donnerstagvormittag die Strecke.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Der Name Schumacher ist zurück in der Formel 1, das sorgt für Aufmerksamkeit. So kommt es Mick Schumacher entgegen, dass am Nürburgring nicht viele Menschen in seine Nähe dürfen. Nicht, weil ihn das überfordern würde. Sondern weil es die Konzentration auf Wichtigeres ermöglicht.

Wenn das Wetter bei der Streckenbegehung als Orakel taugt, dann erlebt Mick Schumacher ein ungemütliches Debüt in der Formel 1. Bei knapp zehn Grad, Regen und Wind macht so ein Spaziergang über den Nürburgring vermutlich nicht den größten Spaß, trotzdem wird der 21-Jährige die 5,148 Kilometer zu Fuß genossen haben. Spätestens, nachdem er sich in der Alfa-Romeo-Garage anschließend wieder etwas aufgewärmt hatte. Denn für den schweizerischen Rennstall dreht der Ferrari-Junior am Freitag (11 Uhr live bei ntv und im ntv.de-Liveticker) im ersten Freien Training zum Großen Preis der Eifel seine ersten offiziellen Runden in der Königsklasse des Motorsports.

Allerdings hätte es wesentlich ungemütlicher werden können. Einerseits, wenn es wie von Sebastian Vettel befürchtet schon geschneit hätte. Was angesichts des mitunter unberechenbaren Wetters rund um die berühmte Nordschleife nicht völlig absurd erschien, als das Rennwochenende auf Anfang Oktober terminiert wurde. Andererseits, weil die Formel 1 unter ganz besonderen Umständen überhaupt erst dazu kam, einen Grand Prix auf dem Nürburgring auszutragen. Und diese ganz besonderen Umstände könnten Schumacher entgegenkommen.

Denn das Debüt des Mannes mit dem wohl berühmtesten Nachnamen der Motorsport-Historie fällt in eine Zeit, in der vergleichsweise wenige Menschen überhaupt an die Strecke dürfen und noch weniger ins Fahrerlager, in die Boxengasse, in die Garagen der Rennställe. Dorthin also, wo sich Schumacher erstmals beweisen darf, will und muss. Was in Nicht-Pandemie-Zeiten dazu führen würde, dass der 21-Jährige keinen Schritt hätte tun können, ohne von Kameras und Mikrofonen verfolgt zu werden. "Insofern ist es für Mick einfacher, weil er diese physische Präsenz um sich gar nicht haben wird", sagte seine Managerin Sabine Kehm im Gespräch mit ntv.

An der Seite von Kimi Räikkönen

Und "natürlich", das betonte Schumacher, habe er "vor der ganzen Sache Respekt", denn "es ist das erste Mal, dass wir vor den großen Augen fahren: vor allen Teamchefs, vor allen CEOs, vor allen Teams." Aber das kann er eben tun, ohne dabei von Medienmenschen belagert zu werden, deren Interesse selbstverständlich nachvollziehbar ist, allerdings eben doch deutlich größer als etwa bei Callum Ilott, der in der Formel 2 hinter Schumacher auf Platz zwei der Gesamtwertung liegt und ebenfalls debütiert, nämlich für Haas.

Der Name Ilott ist längst nicht so klangvoll wie Schumacher, schon gar nicht in dessen Heimatland. Doch dank der Zugangsbeschränkungen und Abstandsregeln bietet sich dem designierten Formel-2-Champion die Gelegenheit, sich noch mehr auf die 90 Trainingsminuten zu fokussieren. Um aus den Gerüchten, Alfa Romeo werde ihn für die Saison 2021 als zweiten Fahrer neben dem erfahrenen Kimi Räikkönen verpflichten, vielleicht schon bald einen Fakt zu machen.

"Ich werde mich auf mich konzentrieren und versuchen, mein Bestes abzuliefern", sagte Schumacher bei ntv, der längst weiß, welche Aufmerksamkeit unausweichlich sein wird, wenn er als Sohn des Rekordweltmeisters Michael, als Sohn des Mannes, der phasenweise halb Deutschland zu Formel-1-Fans machte, in dessen Fußstapfen tritt. Dass er mit dieser Last klarkommt, erklärte er im Vater-Sohn-Gespräch bereits vor rund zehn Jahren, als er die Frage "Willst du das wirklich?" mit Ja beantwortete und sich seitdem kontinuierlich über die Formel 4, die Formel 3 und die Formel 2 nach oben arbeitete.

Schumacher bekommt Aufgaben von Alfa Romeo

Erwartungen hat der 21-Jährige keine an seine Ausfahrt an einem Rennwochenende, da "ich einfach nicht weiß, was auf mich zukommt". Was nicht bedeutet, dass er keine Ziele hat: "Ich muss schauen, dass ich dem Team viele Daten sammeln kann." Denn das ist seine Aufgabe für das Auftakttraining, schließlich gastierte die Formel 1 zuletzt 2013 in der Eifel, mit völlig anderen Autos, die als Vergleichswert wenig bis gar nicht taugen. Schumacher werde testen, "wie die Reifen auf Temperatur zu bekommen sind" und "vielleicht ein Mini-Longrun" absolvieren und "ein paar verschiedene Setups ausprobieren", sagt RTL-Kommentator Christian Danner. Ganz einfach "das, was das Team eben auf der Freitags-Agenda hat."

Die verringerte Medienpräsenz kommt Schumacher jedoch nicht nur entgegen, weil er auf dem Weg zwischen Garage und Motorhome nicht Mittelpunkt einer Menschentraube sein wird. Denn, so erklärte der ehemalige Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug im ntv-Interview: "Er gibt seine Antworten auf der Strecke und es ist ihm auch am liebsten, wenn er seine Antworten auf der Strecke gibt." Denn Schumacher ist eben kein Mann der großen Worte, er überzeugt lieber mit Leistung. Das gelingt ihm, sagte Haug: "Für mich ist das zwingend, dass der Mick einen Sitz bekommt."

Für die Entscheidung darüber, ob Schumacher zur kommenden Saison in die Formel 1 aufrückt, wird seine Leistung am Freitag sicher nicht alles entscheidend sein. Schließlich hat er mit seiner konstant-starken Performance in der Nachwuchsserie bewiesen, dass er bereit ist für die neue Herausforderung. Doch seine bisherige Entwicklung zeigt auch, dass er selten vom ersten Moment an vorne mitfährt, wie ntv-Motorsport-Experte Felix Görner jüngst anmerkte: "Er braucht in einer Rennserie immer ein zweites Jahr", um sich zu akklimatisieren und zurechtzufinden.

Zunächst aber steht die erste Bewährungsprobe an in der Königsklasse. Die ersten Kilometer im Auto, das doch noch einmal wesentlich schwerer zu beherrschen ist als der Formel-2-Bolide von Prema, mit dem Schumacher dort dem Titel entgegenfährt. "Hoffentlich wird es nicht allzu nass", sagte der 21-Jährige schon vor der Streckenbegehung mit Blick auf den Wetterbericht, der Regen auch für den Freitagvormittag voraussagt. Es könnte also ungemütlich werden. Aber die Frage, ob er das wirklich will, hat Schumacher ja längst beantwortet.

Quelle: ntv.de