Formel1

McLaren jubelt über Doppelsieg Hamilton und Verstappen crashen sich raus

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Der entscheidende Moment.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Als Red Bull einen Boxstopp verpatzt, beginnt das Drama vom Monza. Wenig später sind Hamilton und Verstappen im Kiesbett. Daniel Ricciardo und Lando Norris im McLaren profitieren. Sebastian Vettel hadert, Mick Schumacher fährt hinterher und führt seine Fehde mit Nikita Mazepin fort.

Max Verstappen verließ den qualmenden Unfallort als erster. Mit gesenktem Kopf stapfte der WM-Spitzenreiter der Formel 1 über die Rennstrecke von Monza und warf einen letzten Blick auf das riesige Schlamassel im Kiesbett. Der packende Titelkampf zwischen dem Niederländer und Rekordweltmeister Lewis Hamilton war beim Großen Preis von Italien auf spektakuläre Weise eskaliert. Die Rivalen schieden nach einer Kollision eingangs der 26. Runde aus.

"Lewis hat mir nicht genug Platz gelassen, dann sind wir zusammengekommen", sagte Verstappen bei Sky: "Du brauchst immer zwei Leute in einer Kurve, damit es klappt. Das hat er nicht gemacht." Hamilton hielt dagegen: "Ich war vorne, dann plötzlich kommt es zum Crash. Das ist Rennsport. Er wollte keinen Platz machen. Und er wusste, was passieren würde, wenn es in Kurve zwei geht."

Der Crash, der für reichlich Klärungsbedarf zwischen den Piloten sorgen dürfte, ließ den Überraschungssieg von Daniel Ricciardo in den Hintergrund rücken. Der Australier feierte seinen ersten Sieg seit 2018 und den ersten Erfolg für McLaren seit knapp neun Jahren. Das Podium komplettierten sein Teamkollege Lando Norris (Großbritannien) und Valtteri Bottas im zweiten Mercedes (Finnland). Verstappen bleibt WM-Spitzenreiter. Sein Vorsprung auf Hamilton beträgt fünf Punkte. Im Sprintrennen am Samstag hatte der 23-jährige Verstappen zwei Zähler gesammelt.

"Wir haben es geschafft! Yeeeeesss!", brüllte ein entfesselnd jubelnder Ricciardo im Boxenfunk. Im Zielbereich sagte er: "Der Start war der entscheidende Punkt. Wir hatten einen tollen Speed. Aber es hätte keiner von uns so erwartet. Am Freitag hatte ich allerdings etwas gespürt: Ich wusste, es passiert etwas Großes an diesem Wochenende."

Vettel verpasst Punkte

Sebastian Vettel verpasste auf Rang zwölf die Punkte, mit seinem Aston Martin war er vom Franzosen Esteban Ocon (Alpine) selbst fast von der Strecke gedrängt worden. Mick Schumacher wurde 15. und machte erneut unliebsame Bekanntschaft mit seinem Teamkollegen Nikita Mazepin, der eine Kollision mit Schumacher verursachte und dafür eine Zeitstrafe kassierte. Bester Ferrari beim Heimspiel wurde Charles Leclerc (Monaco) als Fünfter.

Mercedes war nach Hamiltons verschlafenem Sprintqualifying zum Umdenken gezwungen. Statt von der erhofften Pole Position startete der Brite nur von Rang vier ins Rennen - ein Nachteil angesichts der geringen Überholmöglichkeiten im DRS-Zug von Monza. Sportchef Toto Wolff zeigte sich deshalb noch am Samstagabend offen für "radikalere Strategien". Hamilton startete als einziger Top-Fahrer auf den harten Reifen. Das Ziel: Möglichst lange auf der Strecke bleiben, um im Rennverlauf bei freier Fahrt Zeit auf die Konkurrenz herauszuholen.

Verstappen wehrt erste Attacke ab

Zentral in den Überlegungen von Mercedes und Red Bull war aber auch der Start - und damit Ricciardo und Norris, die sich zwischen Verstappen und Hamilton platziert hatten. Der "lockere Sieg", den Hamilton seinem WM-Rivalen prophezeit hatte, sollte es nicht werden. Verstappen verlor die Führung noch vor der ersten Kurve an seinen früheren Teamkollegen Ricciardo. Fast wäre auch Hamilton in Runde eins am Niederländer vorbeigezogen, es kam zur ersten Berührung des Tages, die den Briten auf Platz vier zurückwarf.

Verstappen hinter Ricciardo, Hamilton hinter Norris - beide WM-Anwärter hingen im ersten Renndrittel hinter den McLaren fest, die die Stärken ihres Mercedes-Antriebs auf den langen Geraden voll ausspielten. Verstappen hatte dabei den Vorteil, dass Ricciardo bei freier Strecke ein höheres Tempo anschlagen konnte. Die Lücke zu den Verfolgern wurde sukzessive größer. Ein grober Schnitzer bei Verstappens Boxenstopp leitete die dramatische Wende des 14. Saisonlaufs ein. Die für gewöhnlich blitzschnelle Red-Bull-Crew patzte, eine Standzeit von 11,1 Sekunden war desaströs und sorgte dafür, dass Verstappen und Hamilton nach dessen Reifenwechsel Seite an Seite in die erste Schikane einbogen.

Beim Kontakt wurde Verstappens Red Bull über Hamiltons Mercedes katapultiert, die beiden strandeten im Kies. Das Safety Car rückte aus. Hamilton, der auch von seinem Cockpitschutz "Halo" geschützt wurde, blieb länger im Wagen sitzen, kam aber offenbar mit dem Schrecken davon. Beide Fahrer wurden zu den Rennkommissaren geladen. Diese prüften den Vorfall nach dem Rennen.

Bereits beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone Mitte Juli waren Hamilton und Verstappen kollidiert. Während Verstappen ausschied und zum Check ins Krankenhaus musste, gewann Hamilton seinen Heim-Grand-Prix. Nach der Wiederaufnahme des Rennens in Italien blieben die Duelle auf der Strecke teils hitzig. Die McLaren ließen sich den Doppelerfolg aber nicht nehmen und kamen sich nicht ins Gehege.

Quelle: ntv.de, sue/sid

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