Formel1

Kein Maulkorb für F1-Piloten Katar erlaubt Vettel, Meinung frei zu äußern

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Durchaus denkbar, dass Vettel auch in Katar sichtbar für Diversität eintritt.

(Foto: picture alliance / empics)

Kurzfristig rückt Katar schon in dieser Saison in den Formel-1-Kalender. Das Rennen in Doha ist umstritten, die Menschenrechtslage vor Ort international am Pranger. Die Veranstalter erklären nun, dass sich die Piloten um die meinungsstarken Sebastian Vettel und Lewis Hamilton frei äußern dürfen.

Beim umstrittenen Formel-1-Debüt in Katar am 21. November sollen die Piloten keinen Maulkorb-Erlass der Rennveranstalter fürchten müssen. Das bestätigte Katars Motorsport-Verbandspräsident Abdulrahman Al Mannai auf einer Pressekonferenz. Er stellte in der Hauptstadt Doha die Pläne für den kurzfristig in den Rennkalender gehievten WM-Lauf auf dem Losail International Circuit vor.

"Die Fahrer können frei ihre Meinung auch zu strittigen Themen sagen", erklärte Al Mannai: "Wir freuen uns, die Fahrer bei Meinungsäußerungen auf ihren Plattformen zu unterstützen. Für uns in Katar ist das kein Thema, weil sie frei sind zu sagen, was immer sie sagen wollen."

Die Austragung des Ersatzrennens für den wegen der Corona-Pandemie ausgefallenen Großen Preis von Australien genau ein Jahr vor dem Eröffnungsspiel der noch umstritteneren Endrunde der Fußball-WM 2022 (21. November bis 18. Dezember) hatte Ende September bei der Bekanntgabe Ende September Unverständnis und viel Kritik ausgelöst. Katar steht seit Jahren wegen der Missachtung von Menschenrechten international am Pranger. Kritiker werfen den Machthabern "Sport-Washing" durch ein umfangreiches Engagement im Profi-Sport zur Aufpolierung des ramponierten Images von Katar vor. So steht zum Beispiel Homosexualität grundsätzlich unter Strafe.

Zuschauer in Katar müssen geimpft oder genesen sein

Al Mannais Ankündigung einer Erlaubnis für ungefilterte Aussagen im Extremfall auch über Katar wirkt zumindest auf den ersten Blick als eine unfreiwillige Einladung an meinungsstarke Piloten wie Weltmeister Lewis Hamilton. Der britische Mercedes-Fahrer ist einer der Initiatoren der #WeRaceAsOne-Kampagne der Königsklasse gegen Rassismus sowie für Diversität und Menschenwürde, Hamilton hatte aus seiner Haltung gegenüber den Machthabern in den Golfstaaten bereits im Frühjahr beim Grand Prix von Bahrain kein Hehl gemacht. "Ich denke nicht, dass wir in diese Länder gehen und ignorieren sollten, was dort passiert", sagte der siebenmalige WM-Champion.

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Auch Sebastian Vettel hatte sich in den vergangenen Monaten wiederholt kritisch geäußert und etwa beim Großen Preis von Ungarn ein Zeichen für Vielfalt mit Regenbogenfarben auf dem Helm gesetzt. "Ich finde es peinlich für ein Land, das in der EU ist, solche Gesetze zu haben oder darüber abzustimmen", hatte der Weltmeister der Jahre 2010 bis 2013 gesagt. Er kritisierte, dass die Regierung von Premierminister Viktor Orban zum Beispiel Informationen über Homo- und Transsexualität verbieten wollte: "Ich glaube, es gibt ein paar Themen, vor denen man sich nicht wegducken kann. Manche Themen sind so groß, dass sie wirklich überall hingehören und jeden beschäftigen sollten."

Anders als in der Königsklasse üblich findet in Katar bei der Siegerehrung auf dem Podium keine Champagnerdusche statt. Grund ist das Alkoholverbot in dem Emirat. "Wir haben unsere eigenen Werte und eigene Kultur. Wir werden Alternativen nutzen, um die Fahrer auf dem Podium zu feiern", sagte Al Mannai. Die Katarer erwarten zur Formel-1-Premiere vollbesetzte Ränge. Zum Schutz vor Corona-Infektionen gilt die 2G-Regel, sodass negative Testergebnisse nicht zum Besuch der Strecke ausreichen und nur geimpfte sowie genesene Fans Zutritt erhalten.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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