Formel1

Vettel startet unspektakulär Mercedes verblüfft mit Lenkrad-Trick

imago46700707h.jpg

Die volle Aufmerksamkeit lag auf dem Lenkrad von Lewis Hamilton.

(Foto: imago images/HochZwei)

Am zweiten Tag der Formel-1-Tests in Barcelona schockt Mercedes die Konkurrenz mit einer spektakulären Neuerung: Lewis Hamilton nutzt einen Technik-Trick am Lenkrad, um seine Reifen genaustens auf Temperatur zu halten. Das Neue bei Ferrari: Sebastian Vettel startet in seine Saison.

Mercedes schockt mit einer technischen Neuerung die Formel-1-Welt: Bei den Wintertestfahrten im spanischen Barcelona verwendete Weltmeister Lewis Hamilton ein neuartiges Lenksystem am Silberpfeil. Das zeigen Onboard-Aufnahmen. Es handelt sich hierbei um das sogenannte "DAS" (Dual Axis Steering), also eine Duale Achsen-Steuerung. Auf Aufnahmen ist zu sehen, wie Hamilton das Lenkrad drückt und dann kurz vor der Kurve wieder von sich wegschiebt, wodurch sich die Position der Reifen leicht nach innen verändert. "Das nennt man Vorspur", sagte Formel-1-Experte Michael Schmidt von "Auto Motor Sport" gegenüber RTL/ntv.

Ihm zufolge wende Mercedes dieses System an, weil insbesondere die Vorderreifen auf den Geraden stark auskühlen. So könne die Temperatur der empfindlichen Pneus besser kontrolliert werden. Zudem soll mehr Grip entstehen. Aber: "Wenn man das immer machen würde, würden die Reifen zu heiß und zu schnell verschleißen." Schmidt zufolge handelt es sich beim "DAS" um einen guten Trick, der allerdings Übung bedarf, weil jeder Reifen anders reagiere.

"Noch nie gesehen"

Mercedes-Technikchef James Allison sagte, dass der Motorsport-Weltverband Fia Kenntnis über das neuartige System habe. Aber: "Warum wir es benutzen, wollen wir lieber für uns behalten." Für die anderen Rennställe ist "DAS" ein Rückschlag. Das System scheint so komplex, dass es zeitlich kaum vorstellbar ist, es während der Saison nachzubauen. "So etwas habe ich noch nie gesehen", wird der ehemalige Renault-Pilot Jolyon Palmer auf der Webseite der Formel 1 zitiert. Schmidt tippt darauf, dass die weiteren Rennställe sich die Mühe eines Nachbaus gar nicht erst machen werden: Das System werde für die Saison 2021 sicherlich wieder verboten.

Hamilton teilte sich bei Mercedes die Testarbeit mit seinem finnischen Teamkollegen Valtteri Bottas. Beide zusammen kamen auf 183 Runden, Bottas musste mit einem Elektronik-Problem rund eine halbe Stunde vor dem offiziellen Testende seinen Boliden in der Box abstellen.

Vettel mit Rückstand - aber ohne Probleme

Mit etwas Verspätung startete auch Weltmeister Sebastian Vettel seine Formel-1-Saison. Der Ferrari-Pilot drehte ohne große Probleme 73 Runden und landete mit einem Rückstand von 1,063 Sekunden auf den Tagesschnellsten Kimi Räikkönen (Finnland/Alfa Romeo) auf Rang sechs. Vettel hätte eigentlich bereits am Mittwoch im neuen SF1000 fahren sollen, musste wegen Unwohlsein aber passen.

"Das Auto macht alles, was wir uns erwarten. Wir konnten unser Programm durchziehen, hatten keine größeren Unterbechungen und hoffen, dass in den nächsten Tagen viele weitere Antworten folgen", sagte Vettel. Für Vettel geht es in der am 15. März in Melbourne/Australien beginnenden Saison auch um seine Zukunft. Sein Ferrari-Team hatte ihm zuletzt offiziell den Status als Nummer-eins-Fahrer entzogen, Vettel und sein aufstrebender Teamkollege Charles Leclerc aus Monaco gehen gleichberechtigt in die Saison. Vettels Vertrag läuft Ende des Jahres aus.

Leclerc fuhr am Mittwoch die Vormittagssession und kam auf 49 Runden, seine Zeit war knapp zwei Zehntel langsamer als Vettels. Aufgrund unterschiedlicher Programme, Streckenbedingungen und verwendeter Reifenmischungen sind die Zeiten bei den Testfahrten jedoch wenig aussagekräftig.

Quelle: ntv.de, ara/dpa/sid