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Red Bull ist obenauf: Der Rennstall geht ohne Druck in die verbleibenden Rennen, anders als Konkurrent Mercedes.
Red Bull ist obenauf: Der Rennstall geht ohne Druck in die verbleibenden Rennen, anders als Konkurrent Mercedes.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 04. Oktober 2017

Bekommt Vettel Hilfe vom "Ex"?: Red Bull mischt sich ins Titelduell ein

Red Bull feiert seine Wiederauferstehung in der Formel 1 - und könnte im WM-Zweikampf zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel das Zünglein an der Waage werden. Das dürfte auch Brause-Mogul Dietrich Matschitz zufrieden zur Kenntnis nehmen.

Der milliardenschwere Dietrich Mateschitz dürfte in diesen Tagen endlich mal wieder mit Wohlwollen auf sein kostspieliges Formel-1-Projekt schauen. Nach eher peinlichen Jahren in der zweiten und dritten Reihe wird man endlich wieder wahrgenommen in der Königsklasse. Red Bull Racing ist ein Faktor im Titelkampf - als Zünglein an der Waage im Duell zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton. "Es kann gut sein, dass wir auch in den kommenden Rennen vor Mercedes liegen und damit Sebastian helfen", sagt Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko vor dem Großen Preis von Japan am Sonntag (7 Uhr bei RTL und im Liveticker bei n-tv.de). Die WM sei gerade deshalb "noch völlig offen", erklärt der Österreicher bei "Auto Bild Motorsport".

Vettel könnte die Hilfe der Red Bull gebrauchen - doch ihm droht selbst Gefahr.
Vettel könnte die Hilfe der Red Bull gebrauchen - doch ihm droht selbst Gefahr.(Foto: imago/Eibner)

Vettels Ex-Rennstall also als große Trumpfkarte des Ferrari-Piloten? Diese selbstbewusste Einschätzung zeigt vor allem, wie groß die Euphorie bei Red Bull nach den jüngsten Erfolgen ist. Aber sie geht gar nicht so weit an der Wahrheit vorbei. Spätestens seit der Sommerpause hat Red Bull sein Tempo wiedergefunden und kann gegen Rot und Silber mehr als nur mithalten. Höhepunkt war Max Verstappens souveräner Sieg in Malaysia.

"Wir fahren nur noch um Siege"

Die Rechnung ist einfach. 34 Punkte trennen Vettel von WM-Spitzenreiter Hamilton. Bei noch fünf ausstehenden Rennen könnte der Hesse seinen Rivalen mit fünf Siegen aus eigener Kraft gerade noch um mindestens einen Punkt überflügeln. Doch wenn sich auch hin und wieder noch ein Red Bull zwischen Vettel und Hamilton schiebt, wäre dem Deutschen damit durchaus geholfen.

Grundsätzlich ist dem Team aus Milton Keynes auf allen verbleibenden Strecken etwas zuzutrauen. Verstappen und Daniel Ricciardo sind dabei zudem in der angenehmen Situation, nichts verlieren zu können. "Für uns sind diese letzten Rennen wie fünf Pokalfinals", sagt Teamchef Christian Horner: "Wir fahren nur noch um Siege." Und damit sind die Bullen natürlich gleichzeitig eine Gefahr für Vettel selbst.

Plötzlich wieder drei Siegerteams

Die Formel 1 hat damit endlich wieder drei Siegerteams. Möglich ist das, weil Red Bull seine alten Stärken wieder beherrscht. "Mit Blick auf das Chassis sind wir wieder die Besten", sagt Marko, "wir werden schneller und schneller." Über Jahre hatte Star-Designer Adrian Newey schon für Vettel Autos gezeichnet, die Maßstäbe setzten und den Heppenheimer zu vier WM-Titeln trugen. Nach Reglementänderungen hat Red Bull im Sommer 2017 nun dieses Revier zurückerobert. "Unser Auto ist in allen Kurven - den langsamen wie den schnellen - überlegen", sagt Marko: "Die Traktion, der Abtrieb, das passt alles."

Je nach Streckencharakteristik schwankt die Performance allerdings noch, zudem ist der Renault-Motor im Vergleich mit Ferrari und Mercedes noch nicht auf der Höhe. Doch die Stärke Red Bulls in den vergangenen Wochen ist beachtlich. Und so darf sich das Team auch ohne echten Titel in diesem Jahr mit einigem Recht als Entwicklungsweltmeister sehen. Denn kein Konkurrent hat innerhalb dieser Saison derart große Fortschritte gemacht. "Vor allem in der zweiten Hälfte haben wir uns stark verbessert", sagt Horner: "Wenn wir bedenken, dass wir beim Saisonstart in Melbourne noch 1,5 Sekunden zurücklagen." Und damit dürfte auch Konzernboss Mateschitz zufrieden sein. Die altbekannten Drohungen über einen Rückzug aus der Formel 1 hat man vom Milliardär zumindest schon eine ganze Weile nicht mehr gehört.

Quelle: n-tv.de