Formel1

F1-Star findet seine Form wieder Vettel fährt in Baku auch dem Zweifel davon

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Endlich wieder Jubelposen.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Mit einer starken fahrerischen Leistung und einer guten Portion Glück fährt Sebastian Vettel beim Großen Preis von Aserbaidschan aufs Podium. Erstmals steht der Formel-1-Pilot für Aston Martin auf dem Treppchen. Der Erfolg soll das nachhaltige Ende einer schweren Zeit einläuten.

Es ist schon auch eine Geschichte der gesunkenen Ansprüche. "Ich habe mich das ganze Wochenende über gut gefühlt, aber ich habe sicher nicht Platz zwei erwartet", sagte Sebastian Vettel nach der Siegerehrung des Großen Preises von Aserbaidschan, in dem der Aston-Martin-Pilot erstmals für sein neues Team aufs Podium steigen durfte. Als Elfter war er ins Rennen gegangen, hatte über die 51 Runden neun Plätze gut gemacht. Nur Sergio Pérez im Red Bull sah vor Vettel die schwarz-weiß-karierte Zielflagge. Die Formel-1-Fans wählten den Deutschen dank einer fehlerfreien und eindrucksvollen Leistung zum Fahrer des Tages in einem denkwürdigen Grand Prix.

In dieser Auszeichnung steckt natürlich Anerkennung für eine bemerkenswerte Leistung auf dem fordernden Stadtkurs von Baku. Aber diesen Zuspruch erhielt der vierfache Weltmeister auch, weil solche starken Auftritte zuletzt selten geworden waren. Weil er solche Leistungen viel zu oft schuldig geblieben war. Leistungen, wie sie eines vierfachen Weltmeisters würdig sind.

Denn auch wenn es letztlich das Unglück der vor ihm Fahrenden war, dass ihn aufs Podest brachte - den WM-Führenden Max Verstappen beförderte ein Reifenplatzer ins Aus, den WM-Zweiten Lewis Hamilton ein Verbremser ans Ende des Feldes -, so war es Vettels Verdienst, überhaupt in der Position zu sein, um davon zu profitieren. Und in eine solche Position vermag sich der 33-Jährige nun allem Anschein wieder bringen zu können.

Startplatz elf erwies sich dabei als entscheidender Vorteil gegenüber den Top Ten des Qualifyings. Anders als die zehn vor ihm stehenden Autos konnte Vettel mit frischen Reifen losfahren und seinen ersten Boxenstopp deutlich weiter hinauszögern als die Konkurrenz. "Der Schlüssel war, dass wir lange draußen bleiben konnten", so der 33-Jährige, denn "als alle an der Box waren, hatte ich auch eine gute Pace." Der vergleichsweise geringe Reifenverschleiß des Aston Martin machte sich in den Straßen der aserbaidschanischen Hauptstadt bemerkbar. Vettel fuhr in der Folge sogar seine ersten Führungsrunden seit dem Großen Preis von Brasilien 2019, weil alle Piloten vor ihm früher stoppen mussten.

Ist der "schwere Start" endlich Geschichte?

Dadurch hatte Vettel nach seinem Besuch an der Box zugleich die frischeren und somit schnelleren Reifen, als sich das Feld infolge des heftigen Abflugs von Lance Stroll in Runde 31 hinter dem Safety-Car zusammenschob. Unmittelbar nach dem Restart überraschte er damit erst seinen ehemaligen Ferrari-Teamkollegen Charles Leclerc auf dem Weg in Kurve eins und nutzte dann auf der langen Start-Ziel-Geraden den Windschatten, um den vierten Platz von Pierre Gasly im Alpha Tauri zu übernehmen. "Ein sehr guter Tag für uns", resümierte Vettel nach Rennende. Auch Rang vier wäre seiner Aussage nach bereits ein Erfolg gewesen, die unvorhersehbare Schlussphase mit ihrer 40-minütigen Unterbrechung nach dem Verstappen-Crash hätte es dafür gar nicht gebraucht.

Der Reifenschaden beim niederländischen WM-Führenden bescherte Vettel dann jedoch zunächst den dritten Platz, und als beim zweiten Restart Lewis Hamilton in der ersten Kurve seinen Mercedes nicht nach links gelenkt bekam, sondern geradeaus fuhr, war Vettel plötzlich Zweiter. "Das alles bedeutet mir unheimlich viel, weil wir so einen schweren Start zusammen hatten", so der 33-Jährige, der in den ersten vier Rennen der laufenden Saison nicht über Platz 13 hinausgekommen war. Zu wenig für die Ansprüche von Vettel selbst und auch von Aston Martin. Der ambitionierte Rennstall hatte ihn schließlich als Hoffnungsträger und Aufbauhelfer verpflichtet, der das ehemalige Racing-Point-Team perspektivisch nachhaltig siegfähig machen sollte.

Der "schwere Start" aber ließ die Kritik, vorrangig die von außen, wachsen. Vielleicht waren die miserablen Leistungen im letzten Ferrari-Jahr ja doch nicht allein dem schwachen Auto geschuldet, so die Argumentation, vielleicht wäre das Karriereende doch die bessere Wahl gewesen. Vettel ließ sich davon zumindest nach außen nicht beunruhigen. Schon in Monaco zeigte er sich deutlich verbessert, fuhr als Fünfter sein bestes Ergebnis ein - und legte nun in Baku nach. Zwar machen zwei gute Rennen auf den engen und anspruchsvollen Stadtstrecken die wechselhaften Auftritte davor nicht vergessen. Trotzdem war dem vierfachen Weltmeister in den Interviews nach dem Podium in Baku anzumerken, dass er eine gewisse Erleichterung empfindet.

Weil es endlich wieder aufwärts geht nach dem kontinuierlichen Abwärtstrend, der sein letztes Jahr bei Ferrari geprägt hatte und sich nun auch bei Aston Martin fortzusetzen drohte. Nun zeigt die Kurve nach oben, dank zweier Platzierungen in den Punkten, was ihm zuvor 17 Rennen lang nicht gelungen war. Und weil eine Fortsetzung dieser Serie dazu führt, dass eine Leistung wie in Baku ihn nicht automatisch zum Fahrer des Tages macht. Was zwar eine Auszeichnung ist. Die aber eben auch daraus resultiert, dass die Ansprüche an Sebastian Vettel zuvor deutlich gesunken waren. Und jetzt endlich wieder steigen, auch bei ihm selbst: "Ich hoffe, dass wir jetzt regelmäßiger in die Punkte fahren."

Quelle: ntv.de

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