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Formel-1-unwürdig unterwegs Vettel fällt vernichtendes Urteil über Aston Martin

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"Im Rennen waren wir mit der Qualifying-Pace der Formel 2 unterwegs", sagte Vettel nach dem ernüchternden Grand Prix in Spanien.

(Foto: IMAGO/Independent Photo Agency)

Platz elf beim Großen Preis von Spanien ist nicht das, was sich Sebastian Vettel erhofft - dabei ist der Aston-Martin-Pilot damit sogar noch besser als erwartet. Das ambitionierte Formel-1-Team sucht nach Lösungen für seine großen Probleme. Der Ex-Weltmeister zieht ein mieses Zwischenfazit.

Der Große Preis von Spanien in Barcelona ist für die Formel-1-Teams mehr als nur ein gewöhnliches Rennen. Auf den 4,675 Kilometern des Circuit de Catalunya werden die Wagen erstmals im Laufe der Saison im Gesamtpaket auf ihre Leistungsfähigkeit getestet. Das Streckenlayout liefert den Teams mehr Antworten als das anderer Kurse: Wie verhält sich das Auto in langsamen Kurven? Wie in schnellen Kurven? Wie auf der Geraden? Wie beim Anbremsen und wie beim Herausbeschleunigen? Das alles auf nur 4675 Metern herauszufinden, ist von unschätzbarem Wert.

Gleichzeitig ist Barcelona der Ort, an dem erstmals im Laufe einer Saison größere Updates an die Strecke gebracht werden. Dafür gibt es neben der besonderen Kurs-Charakteristik noch weitere Gründe: Bis zum Rennen in Spanien haben die Teams genügend Zeit gehabt, Stärken und Schwächen des eigenen Wagens und der Wagen der Konkurrenz gründlich zu analysieren, neue Teile zu entwickeln und zu produzieren. Zudem liegt die eigene Fabrik in fast allen Fällen in Großbritannien oder Italien und damit nicht weit entfernt. Das spart Kosten und ermöglicht schnelles Reagieren, sollten Teile ersetzt oder nachgeliefert werden müssen.

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Das alles macht Barcelona für die Formel-1-Teams zu einem Ort der Hoffnung. Hoffnung, dass neue Teile funktionieren. Hoffnung, den Rückstand auf die Konkurrenz zu verkürzen oder den Vorsprung zu vergrößern. Und die Hoffnung, dass die Saison zu einem Erfolg wird. An dieser Stelle kommen Aston Martin und Sebastian Vettel ins Spiel. Denn für sie löste sich diese Hoffnung auf dem Circuit de Catalunya in Luft auf.

"Die meiste Zeit hatte ich ein gutes Auto und derzeit nicht"

Aston Martin brachte als größter "Underperformer" der Saison 2022 die vielleicht radikalsten Updates mit nach Barcelona. Inspirieren ließ sich das Team dabei einmal mehr von der Konkurrenz. 2020 und 2021 wies der Bolide erstaunlich große Ähnlichkeiten zum Mercedes auf, 2022 war die Inspiration augenscheinlich Red Bull. Der Motorsport-Weltverband FIA sah darin zwar keinen direkten Regelverstoß, im Fahrerlager wurde der weiterentwickelte AMR22 von Sebastian Vettel am vergangenen Wochenende aber schon als "grüner Red Bull" verspottet.

Dass sich erfolgversprechende Konzepte anderer Teams nicht 1:1 übertragen lassen, erfuhren Vettel und Co. dann auf die harte Tour. Im Qualifying scheiterten der Heppenheimer und Teamkollege Lance Stroll schon in Q1. Seinen Frust darüber konnte der vierfache Weltmeister nicht verbergen. "Alle anderen haben einen deutlicheren Schritt nach vorne gemacht, während wir ein bisschen stehengeblieben sind, beziehungsweise sogar zurückgefallen sind", schlug Vettel Alarm. Auch Stroll ärgerte sich und klagte: "Wir waren einfach meilenweit von der Pace weg."

Besser wurde es auch im Rennen am Sonntag nicht. Vettels elfter Platz war deutlich besser als die Performance des "neuen" AMR22. Am Funk fasste der Deutsche zusammen: "Dankbar für den elften Platz, aber das war hart. Was den Speed angeht, war es recht langweilig. Das Auto war schwer zu fahren." Auch bei den anschließenden Interviews nahm der vierfache Weltmeister kein Blatt vor den Mund und rechnete schonungslos mit seinem Wagen ab. "Wir sind abhängig von unserem Auto. Die meiste Zeit hatte ich ein gutes Auto und derzeit nicht", kritisierte er.

Ratlosigkeit, Enttäuschung, Ärger

Dem Team selbst oder einzelnen Personen wollte Vettel keinen Vorwurf machen. Der 34-Jährige lobte den Einsatz und die Arbeit, die in den AMR22 investiert wurde. Dass das Ergebnis dieser Arbeit niederschmetternd ist, konnte und wollte der Heppenheimer aber nicht verschweigen. "Im Rennen waren wir mit der Qualifying-Pace der Formel 2 unterwegs", fällte er ein vernichtendes Urteil.

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Was nach den Tagen von Barcelona für Aston Martin bleibt, sind Ratlosigkeit, Enttäuschung und Ärger. Das Team hat seine Ressourcen in die Entwicklung neuer Teile gesteckt, die offenkundig (noch) nicht funktionieren. Neben Geld hat das Team auch Zeit verloren. Dass man den AMR22 dabei gleichzeitig eher "zurückentwickelt" hat, wie Vettel es ausdrückte, ist der so oft zitierte "Worst Case".

Noch bleiben Aston Martin 16 Rennen, um in dieser Saison doch noch den Schritt nach vorne zu machen, den sich der ambitionierte Rennstall für 2022 vorgenommen hatte. Die Aussichten, mit den aufgrund der Regeländerungen komplett neu konzipierten Boliden die Spitze angreifen zu können, sind allerdings ziemlich mies. Zumindest, wenn kein radikaler Wandel in der Performance des Autos stattfindet. Anzeichen dafür gibt es aktuell allerdings so gut wie keine.

Quelle: ntv.de, Christian Schenzel/sport.de mit tsi

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