Fußball-EM

Herzensspieler und Löw-Opfer Das traurige Zeugnis zur DFB-Enttäuschung

Mit diesem Kader wäre viel mehr möglich gewesen: Die deutsche EM-Mission endet früh und enttäuschend. Auch, weil viele Spieler nie ihr Niveau erreichen - oder eben in entscheidenden Momenten patzen. Das Scheitern ist eine Mischung aus individuellen Fehlern und systemischer Schwäche.

Am Ende war nicht mal mehr Ärger da, sondern vor allem Resignation: Das 0:2 gegen England bedeutete für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft das frühe Aus bei der EURO 2020. Schon wieder scheiterte man völlig unnötig, auch wenn der Gegner und die Bühne viel größer waren als beim deprimierenden Vorrundenaus bei der Weltmeisterschaft 2018. Der Ärger damals war gewaltig, drei Weltmeister wurden hernach rasiert, der große Umbruch wurde eingeläutet. Übrig ist davon heute nur noch wenig.

2021 kam die deutsche EM-Mission nie auf Touren, nach den Vorleistungen und der vom 4:2-Rausch gegen Portugal nur kurz aufgehübschten komplizierten Gruppenphase, war die Fallhöhe gering. In Wembley, dem Sehnsuchtsort des europäischen Fußballs, blieben deutsche Hoffnungen, auch wenn sie niedrigschwellig waren, enttäuscht. Ohne Durchschlagskraft, bestenfalls gefällig, präsentierte sich das letzte Aufgebot des Bundestrainers Joachim Löw.

Gegen keineswegs starke Engländer, die sich selbst mehr durch dieses Turnier schleppten, als zu glänzen, verabschiedete sich ein Kader arg frühzeitig, in dem eigentlich viel mehr steckte. Nicht zwangsläufig mehr als ein EM-Achtelfinale, das kann angesichts der hohen Leistungsdichte keine Nation mehr garantieren, aber mehr als das, was das DFB-Ensemble in letztendlich nur vier Spielen auf den Platz brachte. Am Ende der großen, oft erfolgreichen und für den deutschen Fußball wichtigen, am Schluss aber zu langen Ära Joachim Löws, steht eine große Enttäuschung. Die ist durchaus hausgemacht, ist aber auch Anlass zum Aufbruch. Denn es ist mehr drin, schon kurzfristig. Das Zeugnis für den deutschen EM-Tross:

Manuel Neuer:

Man musste kurz befürchten, dass Bastian Schweinsteiger sich noch während des laufenden ARD-Gesprächs mit Manuel Neuer in den Staub wirft: Weh tue es ihm, dass nun "der beste Torhüter des Turniers" nicht mehr im Turnier ist. Der so Gelobte nahm die Ehrerbietung des Mit-Weltmeisters von 2014 zur Kenntnis, unkommentiert. Der beste Torhüter des Turniers war Neuer jedenfalls nicht. Gegen die Ungarn ließ er sich bisweilen von der Konfusion vor ihm anstecken, ansonsten hatte er wenige Gelegenheiten, sich auszuzeichnen. Seine fußballerischen Qualitäten sind weiterhin einzigartig, seine Spieleröffnung in der Regel fürs Lehrbuch. Dennoch war es nicht das Turnier des Welttorhüters. Zu selten konnte er positiv Einfluss aufs deutsche Spiel nehmen.

Kevin Trapp:

Blieb ohne Einsatz

Bernd Leno:

Blieb ohne Einsatz

Matthias Ginter:

Matthias Ginter war einer der ganz wenigen Gewinner der Dreierkette: In der Viererkette wäre für den so grundsoliden, zweikampfstarken Innenverteidiger wohl nur rechts Platz gewesen. Diese Position schätzt der Gladbacher nicht besonders. Erledigte seine Aufgaben vor allem gegen die Weltklasseleute aus Frankreich und Portugal zuverlässig, gegen Ungarn wurden Grenzen im Spielaufbau und im Vorwärtsgang sichtbar. Ginter ist mit seinem klaren, unaufgeregten Spiel eigentlich unverzichtbar für die Nationalmannschaft. Gegen England spielte er mit einer frühen Gelben Karte als Ballast eine starke Partie, war dann am Ende aber eben ein Teil der sich auflösenden Dreierkette. Beide Treffer fielen nahezu deckungsgleich über seine Seite.

Mats Hummels:

Der Dortmunder brachte das ein, was man von ihm erwarten durfte: Als zentraler Abwehrspieler gab er den Anker der Dreierkette, heldengrätschte durch den Strafraum, schmiss sich den englischen Standards entgegen und kümmerte sich mal konstruktiv, mal beckenbauerhaft um den Spielaufbau. Und scheiterte eben auch an strukturellen Problemen: Die Dreierkette dürfte als verbissen verteidigtes Mittel der Wahl schnell wieder beerdigt werden. Zu anfällig war das Konstrukt, gerade angesichts der Löw-gemachten knappen Einspielzeit. Gegen Ungarn und England sorgte die schlechte Abstimmung der drei Innenverteidiger für billige Gegentore, die die deutsche Mannschaft am Ende teuer bezahlen musste. Das Turnier war in jedem Fall kein Plädoyer dafür, dass die DFB-Karriere von Hummels (schon wieder) für beendet erklärt werden müsste.

Antonio Rüdiger:

Individuell stark, im Verbund mit den Nebenleuten bisweilen mit deutlich sichtbaren Abstimmungsproblemen: Was für Hummels und Ginter gilt, gilt auch für Antonio Rüdiger. Überzeugte meist in den persönlichen Duellen mit den gegnerischen Angreifern, emotionalisierte Fans wie Mitspieler durch seine außerordentlich beeindruckende Körpersprache. Doch ausgerechnet Rüdiger ließ am Ende des England-Spiels Harry Kane weitestgehend widerstandslos ziehen, der Angreifer entschied dann unbedrängt das Achtelfinal-Duell per Kopf. Rüdiger war Teil des ständig immanenten deutschen Defensivproblems, wird aber genauso Teil der Lösung sein.

Marcel Halstenberg:

Der Leipziger spielte im Laufe des Turniers auf dem Platz nur eine ganz kleine Rolle: Beim 4:2-Spektakel gegen Portugal durfte er ran, als das Spiel schon entschieden schien - und wurde dann Teil eines nicht mehr ganz so begeisternden deutschen Endspurts.

Lukas Klostermann:

Blieb ohne Einsatz

Christian Günter:

Blieb ohne Einsatz

Niklas Süle:

Erinnern Sie sich noch an den Herbst 2019? Da verletzte sich Niklas Süle auf dem Höhepunkt seines Schaffens schwer und Deutschland hatte Sorgen: Der Abwehrchef des DFB-Teams fällt möglicherweise für die EM aus. Was nun? Hoffen! Knapp zwei Jahre und eine lange Formdelle später sorgt die Personalie Süle nur noch für Schulterzucken. Der Abwehrchef a.D. durfte ein paar Minuten gegen Ungarn ran, das wars. Süle hat alle Chancen und viele Qualitäten, künftig wieder eine größere Rolle in der Nationalmannschaft zu spielen. Doch das wird nicht einfacher, wenn künftig nur noch die Dienste von zwei Innenverteidigern gefragt sind.

Robin Koch:

Blieb ohne Einsatz

Robin Gosens:

Für einige rauschhafte Tage nach dem 4:2-Spektakel über Portugal war Robin Gosens das Gesicht einer ganz kurzen, zarten deutschen EM-Euphorie. Der Flügelspieler lieferte ein Spiel zum Verlieben, bereitete zwei Tore vor, traf einmal selbst und bearbeitete seine linke Seite so energisch, dass man teilweise fürchten musste, dass die Außenbahnen in der Münchener Arena nach dem Spiel neu eingesät werden müssten. Doch der Zauber war schnell vorbei: Gegen Ungarn blieb Gosens wirkungslos, gegen England war er nahezu vollständig mit Defensivaufgaben ausgelastet. Dennoch ein Gewinner unter vielen Verlierern. Zweifelsohne wird er selbst das anders sehen, denn dieser Robin Gosens ist eine der großen Identifikationsfiguren dieser Mannschaft. Er hat sich in die Herzen der vom DFB entfremdeten Fans gespielt, geredet und gefeiert. Der Italien-Legionär wird viel aus diesem, seinem ersten großen Turnier mitnehmen.

Joshua Kimmich:

Es war unter all den kleinen und größeren Brandherden der EM-Mission der heißeste: Wohin mit Joshua Kimmich? Es ist längst deutsche Fußball-Folklore, dass der WM-Titel 2014 nur gewonnen werden konnte, weil Multi-Weltklassespieler Philipp Lahm aus der Zentrale wieder nach rechts in die Viererkette rückte. Für Joshua Kimmich, den multifunktionalen Lahm-Nachfolger, hatte Löw beharrlich den Platz auf der rechten Außenbahn vorgesehen, bis zum Schluss. Kimmich spielt diese Position, wenn er muss. Mit Engagement, aber ohne Begeisterung. Das deutete er zwischenzeitlich erstaunlich offen an, ging aber immer mit voller Kraft voran. Kimmich spielte immer mindestens einen soliden Part, alleine durch seine Anwesenheit veredelt er das deutsche Spiel, egal, wo er auf dem Platz steht. Aber Kimmich ist ein Weltklassespieler, der absolute Weltklasse zu selten aufs Spielfeld brachte. Vielleicht bringen konnte. Die Frage, wie groß der Anteil der Verbannung Kimmichs aus der Schaltzentrale des deutschen Spiels am Scheitern ist, wird sich nicht abschließend aufklären lassen.

Emre Can:

Als das Auftaktspiel gegen Frankreich verloren war, sich (zu) viele Kollegen noch (zu) zufrieden über den chancenlosen Auftritt äußerten, da war Emre Can schon weg. Der Dortmunder war mit mächtig Wut im Bauch Sekunden nach dem Schlusspfiff schon in die Kabine gestapft. Es wurde nicht besser für den Defensivspieler: Kurzeinsätze ohne wirklichen Einfluss aufs Spiel stehen im Arbeitsnachweis Cans.

Ilkay Gündogan:

Ilkay Gündogan ist ein echtes Löw-Opfer: In der Premier League, unter Pep Guardiola, ist Gündogan einer der spannendsten Mittelfeldspieler der Welt. Torgefährlich, häufig genial, immer kreativ, stets präsent und in der Lage, Mitspieler in ausgezeichnete Abschlusspositionen zu bringen - oder eben selbst aufs Tor zu schießen. Das macht er erfolgreich. In der Premier League, unter Pep Guardiola. Unter Joachim Löw ist er Teil einer Doppel-Sechs, agiert viel weiter weg vom gegnerischen Tor und wirkt im Umkreis von Toni Kroos bisweilen völlig verloren. Jedenfalls seiner eigenen Brillanz beraubt. Bei der nun zu Ende gegangenen Europameisterschaft immer bemüht, aber offensiv nahezu völlig wirkungslos. Die deutsche Doppel-Sechs, die aus hochbegabten, wunderbaren Fußballern gebildet wird, neutralisierte sich zu oft selbst. Hansi Flick wird das Dilemma schnell auflösen. Möglicherweise aber auf Kosten Gündogans, der doch eigentlich Nutznießer des Trainerwechsels hätte werden müssen. Der 30-Jährige könnte aber auch einer der Kandidaten sein, die ernsthaft über eine Fortsetzung ihrer DFB-Karriere nachdenken könnten.

Toni Kroos:

Am Ende ging Toni Kroos, der eigentlich so wunderbare Ballverteiler, mit Joachim Löw unter. Kroos, dem der Bundestrainer bis zuletzt in Nibelungentreue verbunden war, obwohl schon deutlich sichtbar war, dass der Real-Profi dem deutschen Spiel längst zu wenige wertvolle Impulse in den engen Partien verschaffen konnte, war der Organisator der Scheindominanz, in der sich das DFB-Team zu oft selbst einlullte. "Wir haben in meinen Augen ein gutes Spiel gemacht, wir hatten gute Chancen, nicht weniger als die Franzosen", sagte Kroos nach dem Auftakt gegen Frankreich.Ein gefährlicher Trugschluss. "Wir haben vieles sehr gut kontrolliert, ich habe sehr wenige französische Konter gesehen. Was uns gefehlt hat, war ein Tor." Nach dem völlig ungefährdeten Sieg gegen die DFB-Truppe gewannen die Franzosen kein Spiel mehr und kassierten in drei Spielen sechs Gegentore. Sie waren schlagbar, aber Kroos und Kollegen fehlten von Beginn an Mut, Dynamik und Überzeugung. Kroos war als Dreh- und Angelpunkt des deutschen Spiels maßgeblich mitverantwortlich, dass aus viel Ballbesitz viel zu selten mehr wurde. Fraglich, ob sich Kroos nun noch einmal als Teil des Neuaufbaus (oder je nach Lesart der Fortsetzung des unterbrochenen Umbruchs) versteht. Oder als solcher gesehen wird.

Leon Goretzka:

Spät fand der Bundestrainer das Vertrauen in Leon Goretzka nach dessen Oberschenkelverletzung: Gegen Portugal durfte er als Einwechselspieler ran, gegen Ungarn sicherte er als Joker das Weiterkommen - und gegen England führte dann spätestens mit den gesundheitlichen Schwierigkeiten Ilkay Gündogans kein Weg mehr vorbei am ersten Startelfeinsatz des Müncheners. Das rechtfertigte Goretzka in der ersten Halbzeit und spielte gefühlt in wenigen Minuten mehr vertikale Pässe als Toni Kroos in seinem ganzen Turnier. Je länger das Spiel der Entscheidung zustrebte, desto weniger Akzente konnte das Rollkommando setzen. In Erinnerung bleibt Goretzka für den vielleicht schönsten, emotionalsten Moment aus deutscher Sicht in dieser EM, die ein ganzes Land lange maximal kalt ließ: Das 2:2 gegen Ungarn, samt anschließenden Ein-Mann-Lovestorms. Es blieb der letzte Höhepunkt. Goretzka ging am Ende im Jetzt unter, die Zukunft wird für ihn unter dem ehemaligen Heimtrainer Hansi Flick rosig. Ein wichtiger Typ mit Kopf, Kraft und Herz, an dem sich der deutsche Fußball wird aufrichten können. Und müssen. Auf dem Platz und neben dem Platz.

Florian Neuhaus:

Blieb ohne Einsatz

Jonas Hofmann:

Blieb ohne Einsatz

Jamal Musiala:

Der 18-Jährige dribbelte sich innerhalb weniger Minuten in der ungarischen Endphase zum Hoffnungsträger. Das Potenzial Musialas ist gewaltig und es ist ein ganz großes Geschenk von Jogi Löw an den DFB, dass er den Youngster dafür begeisterte, statt für England doch für Deutschland zu spielen. Gegen England, für das der junge Nationalspieler in den Jugendauswahlen spielte, durfte er nur noch ein paar wenige Minuten ran, als das Spiel bereits entschieden war. Möglicherweise war das schon eine große letzte Geste Joachim Löws. Oder eine zu späte Reaktion auf den Rückstand viele Minuten zuvor. Musiala ist ohne Zweifel Teil einer besseren Zukunft des DFB-Teams.

Kai Havertz:

Der Champions-League-Held, der 100-Millionen-Euro-Mann, das größte Versprechen für die Zukunft des deutschen Fußballs: Kai Havertz muss viel schultern, das ist die Folge seines gewaltigen Talents und seiner schon in frühesten Jahren damit herausgearbeiteten Qualität. Das Naturell des Angreifers ist nicht offensichtlich auf Hoffnungsträger gepolt, auch nicht auf Anführer. Havertz traf ganz wichtig gegen Portugal und Ungarn und sah dabei aus, als habe er das 1:6 gegen Arminia Bielefeld erzielt. Das Potenzial des 22-Jährigen ist gewaltig, dass er es auf den Platz bringen kann, zeigte er schon dutzendfach, zuletzt im Champions-League-Finale beim Triumph des FC Chelsea gegen Manchester City. Doch auch bei der Europameisterschaft galt: Die technische Brillanz des Kai Havertz, dessen unwiderstehliche Sucht nach der Tiefe im Spiel, werden im DFB-Kontext zu selten unterstützt.

Serge Gnabry:

Serge Gnabry, dieser einst effektivste aller Angreifer im DFB-Portfolio, hat längst seine Gefährlichkeit verloren. Und doch enttäuschte Gnabry bei dieser Europameisterschaft noch: Zwei Torschüsse in vier Spielen, wenig Präsenz in der Gefahrenzone - und gegen England wegen zahlreicher Ballverluste als Joker eher Bremsklotz als Impulsgeber. Serge Gnabry hat schwere Wochen hinter sich. Mit seiner Rolle als meist zentral agierender Angreifer fremdelte er, der beim FC Bayern über den Flügel kommt, zunehmend immer sichtbarer. Einer der Spieler, für den Joachim Löw nicht mehr den perfekten Plan fand.

Leroy Sané:

Es wirkt beinahe etwas verstörend, dass bis unmittelbar vor dem Start der Europameisterschaft eine der letzten großen Fragen war, ob Kai Havertz einen Platz in der deutschen Startformation einnehmen sollte - oder doch Leroy Sané. Sané, der hochbegabte Dribbler, der sich auch im Verein noch schwer tut, fand in diesem Turnier letztendlich nicht statt. Selbst, als er gegen Ungarn die Gelegenheit dazu erhielt. Es bleibt rätselhaft, warum Sané sein gewaltiges Potenzial so selten gewinnbringend abrufen kann. Durch die schwache Vorstellung gegen die seriös-disziplinierten Ungarn, durch die Sané für Tage zum Gesicht der deutschen Schwierigkeiten wurde, brachte er sich und den Bundestrainer um eine große Chance: Sanés einzigartige Qualitäten im Dribbling wären ein geeignetes taktisches Mittel gewesen, um vor allem in der zweiten Halbzeit gegen England aus unzähligen Mann-gegen-Mann-Situationen Kapital zu schlagen.

Thomas Müller:

Mehr noch als nach Mats Hummels sehnten sich die deutschen Fußballfans nach der Rückkehr von Thomas Müller in die Reihen der DFB-Elf. Und hinterher fragt man sich: Und dafür hat man Müller jetzt zurückgeholt? Es war nicht nur die ganz große Chance, das Schicksal für Joachim Löw und seine Mannschaft gegen England noch einmal zu wenden, die der Bayern-Profi vergab. Nein, der beste Vorbereiter der Bundesliga kam beinahe nie selbst in Abschlusssituationen, auch für die Kollegen konnte er zu selten etwas inszenieren. Beim FC Bayern brilliert Müller als Satellit, der um den Weltklassestürmer Robert Lewandowski herumwirkt und so selbst gefährlich wird. Bei der Nationalmannschaft habe er "das Gefühl, dass es mich früher zum Ball hinzieht", als beim FC Bayern. In "eher einleitender, initiierender Funktion" sehe er sich. Im deutschen Angriffswirrwarr fehlte der Fixpunkt und eben auch die Idee, wie Freigeist Müller seine Klasse einbringen kann. So war es kein Zufall, dass der EM-Fluch des erfolgreichen WM-Torschützen (zehn Treffer) weiterging: 14 Spiele, 0 Tore. Dabei hatte Löw ihn doch extra zurückgeholt, um dem deutschen Angriff mehr Wucht und Effizienz beizubringen. Klappte nicht.

Timo Werner:

Es stand ja ein bisschen zu befürchten: Timo Werner würde die Dinge für die deutsche Mannschaft nicht zum Guten wenden. Der Stürmer hat eine erfolgreiche, persönlich aber lange frustrierende Saison beim FC Chelsea hinter sich, beim schlimmen 1:2 gegen Nordmazedonien im Mai wurde er zum Posterboy der Katastrophe, indem er eine Größtchance völlig unbedrängt verstolperte. Nun also, gegen England, als es drauf ankam, durfte Werner zum ersten Mal bei dieser EM eine nennenswerte Zeit auf den Platz - und vergab eine von zwei deutschen Großchancen. In einem Spiel, in dem es, da waren sich alle schon vorher sicher, nur wenige davon geben würde.

Kevin Volland:

Lange Jahre war Kevin Volland bei Joachim Löw trotz anständiger Torquoten und der völligen Abwesenheit eines ähnlichen Spielertypens im DFB-Repertoire komplett außen vor. Die Europameisterschaft zeigte, warum: Löw kann mit Volland schlicht nichts anfangen, dem Bundestrainer fehlt die Idee für Volland. Gegen Frankreich spielte der Stürmer irgendwann Linksverteidiger mit dem weitestmöglichen Weg in die Gefahrenzone, gegen Ungarn wurde er auf den Platz gespült, als Löw irgendwann anfing, in loser Folge Angreifer um Angreifer ins Rennen zu werfen. Gegen England schließlich reagierte Löw erst ewig gar nicht auf den späten Rückstand - und brachte dann die Defensivkraft Emre Can. Ein Missverständnis.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.